Neues Jahr – neues Glück?!

Ich bin altmodisch, was Kalender anbelangt. Ich kaufe immer einen Kalender, in den ich wichtige Dinge und Beobachtungen per Hand notieren kann.
Es ist ein absolut gutes Gefühl, wenn der neue personalisiert wird. Beim Kauf achte ich darauf, dass es genügend freie Seiten am Ende gibt, auf denen ich gelesene Bücher, Filme und größere Käufe vermerken kann. Auch ungewöhnliche Träume halte ich am Ende des Büchleins fest. So kann ich, zB, heute noch nachlesen, wofür ich mein Stipendium im April 1974 ausgegeben habe. Was natürlich keinen mehr interessiert.

Wenn das neue Jahr beginnt, lese ich oft noch einmal Eintragungen der vergangenen Jahre und tauche in das jeweilige Ereignis ein.
An ein Ereignis erinnere ich mich sehr gut, als ich die Notiz darüber lese.
Im Kalender steht für diesen Tag:
‚10 Uhr Akupunktur (2) und schwarzes Kleid‘
Ein normaler Wochenanfang mit zwei Terminen, die leicht im Alltag zu bewerkstelligen waren.
Ich habe bei jeder Spritze ein ungutes Gefühl und dann eine Akupunktur mit vielen Nadeln!

Diese führte Frau Doktor in ihrem Hotel durch, in das eine Arztpraxis eingegliedert wurde. Ich fühlte mich beim Betreten desselben in die 70iger Jahre versetzt. Dunkle Räume, dunkles Mobilar, altdeutsch und muffig! Der Vor- und gleichzeitig Warteraum im ersten Stock war vollgestellt mit unterschiedlichen Stühlen, kleinem Tisch und ohne Fenster. Wenn sich die Tür zum Treppenflur öffnet, strömt etwas frischere Luft hinein. Alle Stühle waren besetzt. Eine Frau nahm ihre Tasche von einem der Stühle und ich setzte mich. Mein Lächeln und ‚danke’ erwiderte sie nicht. Wir wurden nach einiger Zeit von der Schwester etwas unwirsch aufgefordert, in einen großen Raum zu gehen, die Liegen zu beziehen, uns hinzulegen und auf Frau Doktor zu warten. Der Raum muss früher der Frühstücksraum gewesen sein. Die sechs Liegen standen nebeneinander, nur getrennt durch einen kleinen Paravent und wirkten etwas verloren in dem großen Raum. Ich konnte meine nächsten und übernächsten Nachbarn in ihrer Unterwäsche sehen. Aufregend!
Frau Doktor erschien und „nadelte“ reihum. Nach einer halben Stunde kam die Schwester und „entnadelte“ uns der Reihe nach. Ohne ein Wort, ohne Lächeln. Doch! Ein Satz kam: „Legen Sie die Laken in die Plastetüte mit ihrem Namen für die nächste Sitzung!“
Schnell zog ich mich an, stieg auf mein Rad und radelte nach Hause.
In der Mühlenstrasse sah ich, dass die Verkäuferin, die ich gut kannte, allein in einem etwas hochpreisigen Textilgeschäft für Damen stand.
Wir plauderten über Gott und die Welt, währenddessen ich mir die reduzierten Sachen anschaute. Der Normalpreis der Kleidungsstücke korrelierte nicht mit meinen Preisvorstellungen. Da! Da hing ein Kleid, schwarz mit weissem Muster und ein Schnitt, der optimal für mich war. Breite Schultern, ca. 3cm über dem Knie, leicht ausgestellt, halsfern. Ich war begeistert!

„Das trägt auf!“, hörte ich Andrea sagen. Wie? Das soll auftragen? Ich probierte es an. Wow! Wie gut sah ich denn aus? Es trug etwas an Brust, Bauch und Hüfte auf, gut. Also nicht an so vielen Stellen. Okay, das leidige Problem mit dem Breitenwachstum, gut zu sehen, würde mich den Rest meines Lebens begleiten. Ein ungebetener Gast!
Was soll’s- es ist, wie es ist. Das Kleid passte gut, basta, und ich liess es zurücklegen, da ich -wie immer- kein Geld und auch keine Geldkarte einstecken hatte.
„Willst du das wirklich?“, fragte Andrea nochmals nach. Selbst, wenn ich leichte Zweifel gehabt hätte, ich hätte sie nicht zugegeben.
Am Abend, nach meinem Yoga-Kurs, führte ich das Kleid dem Gatten vor. „Jaaa“, meinte er nach kurzem Aufschauen, „kaschiert gut!“.
Ich schaute ihn an, wie er da so im Sessel lümmelte und fragte, ob ER schon einen Termin für SEINE Entbindung hat?
Die Frage wurde nie beantwortet.

Leben ohne Gleise?

Nachdem wir in Dresden den vierten Weihnachtsmarkt besucht, uns am Glühwein erfreut und betrunken haben, braucht es ein anderes Erlebnis.


Der Gatte will ins Verkehrsmuseum!


Nicht unbedingt meine erste Wahl, aber Weihnachten naht und Wünsche wollen erfüllt werden.
Als wir ankommen, läuft seit fünf Minuten die Vorführung der Modelleisenbahn in der vierten Etage und wir laufen schnell nach oben.
Da fahren sie, die verschiedenen Eisenbahnzüge mit den unterschiedlichsten Waggons. Fahren vorbei an Gewässern, kleinen und großen Betrieben, durchfahren Brücken, überqueren Straßen. Leute stehen an den Straßen, Kinder spielen auf Spielplätzen. In einer Mühle, deren Windräder sich drehen, laufen Mäuse zwischen Mehlsäcken hin und her. Die ganze Anlage ist liebevoll und detailgetreu aufgebaut. Ich bin begeistert!

Gleichzeitig übermannt mich eine diffuse Melancholie, versetzt mich zurück in die Vergangenheit, Anfang der 60iger Jahre.
Ich starre auf die kleine Lok, die aus einem Tunnel auftaucht und vergesse die Zeit.

Ich gehörte zu den Kindern, die an den Bahngleisen standen, den Fahrgästen in den vorbeifahrenden Schnellzügen zuwinkten und hofften, dass diese zurückwinkten. Manchmal wünschte ich mir, dass der Zug anhält und jemand zu mir sagt:
»Komm, steig ein, ich nehm dich mit … «
Über Konsequenzen dachte ich nie nach. Der Gedanke hatte etwas Verführerisches, öffnete den Weg in eine andere Welt, eine Fantasiewelt. Der Kontakt zu dieser Welt ähnelte wiederum einer Zugfahrt. Ich wusste nie, wo ich ankommen würde.
Unser Dorf lag an der Hauptstrecke Leipzig – Dresden und es gab regelmäßigen Zugverkehr für Personen, aber auch für Güter jeglicher Art. Hielten die Züge, kletterten wir auf die Seiten der Waggons und sprangen schnell hinunter, wenn die Lok durch lautes Pfeifen die Weiterfahrt ankündigte. Der Zug fuhr langsam an, erhöhte erst während der Fahrt die Geschwindigkeit. Noch heute habe ich ein merkwürdiges Ziehen im Bauch, denke ich daran. Uns Kindern passierte nie etwas. Nur einmal passierte etwas!
Da stand an der Böschung ein großes schwarzes Auto.

Die ganze Gegend war großzügig abgesperrt und ein grünes Polizeiauto stand mitten auf der Wiese. Niemand sagte uns etwas und wir blieben stehen, bis der Sarg ins Auto geschoben wurde. Später erfuhren wir, dass sich ein Mann auf die Schienen gelegt hatte. Es soll schnell gegangen sein. Er musste den Fahrplan gekannt haben. Soweit ich mich erinnere, haben wir unsere Klettereien auf die Waggons dann eingestellt.
Unsere Wohnsiedlung lag außerhalb des Dorfes und der Weg zum Bäcker war weit. Es sei denn, ich nahm die Abkürzung über die Schiene. Ich kletterte schnell unter den Kupplungen, die die Waggons verbinden, hindurch auf die andere Seite der Schienen und wartete dann manchmal auf die Weiterfahrt dieses Zuges. Ich wollte sehen, ob es Hindernisse zwischen Schotterbett und Waggons gab, falls ich es nicht aus dem Gleisbett geschafft hätte.

Auch diese Erinnerungen lassen meinen Magen rebellieren.
Am Ende der Siedlung gab es einen Bahnhof mit einer großen Rangierplattform und vielen Abstellgleisen. Auch dort hielten wir uns verbotenerweise auf, wurde aber immer wieder weggejagt. Die Plattform war rund und tief.

Leider nur Modell

Am Boden sammelte sich Wasser und es gab viele Frösche. Immer wieder kletterte eines der Kinder hinunter und holte Frösche, die dann nicht immer, sagen wir mal, pfleglich behandelt wurden. Wo waren eigentlich die Erwachsenen?
Der Zusammenhalt zwischen den Kindern war sehr gut. Man passte aufeinander auf, half anderen, wenn sie sich die Kniee blutig aufgeschlagen oder etwas verrenkt hatten.
Diese Nachmittage erscheinen mir heute unendlich lang, was natürlich trügerisch ist.
Hinter den Gleisen lagerten riesige Berge an Steinkohle. Heimlich, wenn es dunkel war, das Geld für Brikett nicht reichte, stahlen mein großer Bruder und ich diese Kohlenstücke und feuerten damit den Küchenherd. Steinkohle entwickelt sehr schnell und viel Hitze. Die Kochplatte platzte schnell! Mit der Zeit wussten wir, wie die Kohle dosiert werden muss, damit man kochen und auch Wärme hatte. Diese Wärme hielt nie lange vor. Wenn der monatliche Geldtag kam, wurden Brikett gekauft. Ein Zentner waren 81 Briketts.

DDR-Brikett

Einige Zahlen prägen sich eigenartigerweise besser ein als andere. Ich kann mich beispielsweise nicht erinnern, wie oft ich Herbert R. in den Straßengraben geschubst habe, weil er gepetzt hat. Schon komisch, oder?
Mein Bruder und ich zählten immer mit, wenn die Kohlen eingesackt wurden. Die anderen Geschwister waren für solche wichtigen Aufgaben zu klein.
Im vierten Schuljahr wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Modelleisenbahner“ gegründet und ich war sofort dabei, stieß allerdings schnell an meine Grenzen. Im Gegensatz zu heute musste alles gebastelt werden. Wobei- es wird nach wie vor fast alles gebastelt und gestaltet. Häuser, Bäume, Landschaften für die Eisenbahnplatte, einfach alles.
Es war nicht meine Bestimmung, Fummel-und Bastelarbeiten auszuführen. Den Ausflug der Gemeinschaft nach Leipzig zum größten Bahnhof der DDR und zum Völkerschlachtdenkmal machte ich jedoch mit und erinnere mich mit Begeisterung, wie wir eine große Lok rangieren durften. Später bekam jede Klasse eine Patenbrigade und unsere war die von der Deutschen Bahn. In den Sommerferien wurden immer fünf Reisen in ein Ferienlager der Bahn verlost. Dreimal war ich dabei.
Als ich Jahre später zum Studium nach Berlin kam, fuhr ich mit der Eisenbahn nach Berlin. Die Bahn war ständig überfüllt! Auf dem Bahnsteig suchte ich einen Waggon, wo ein freier Platz war und klopfte an die Scheibe, wenn jemand auf dem Platz daneben saß. Ich hob den Daumen, das Zeichen für einen Platz und er wurde für mich freigehalten.

Klappte nicht immer, aber oft.

„Wegen Personalmangel muss ich die Anlage jetzt abschließen“, höre ich eine Stimme und tauche aus meinen Gedanken auf. Es sei kein Angestellter da, der die Anlage im Blick hat, damit nichts berührt bezw. gestohlen wird.
Wir verlassen die Ausstellung und widmen uns der nächsten Etage mit der Geschichte des SIMSON Mopeds.
Ich könnte sofort in eine andere Erinnerungswelt eintauchen, aber das wäre eine neue Geschichte.

Während ich das alles schreibe, sitze ich im Zug nach Hause. Die beste Idee der Bahn war im letzten Jahr, eine Direktverbindung von Warnemünde nach Dresden über Berlin einzurichten. Ich mag es nach wie vor, das Bahnfahren, und ja, klar kommt es zu Verspätungen. Auch heute ist es eine halbe Stunde, genau die Zeit, die ich brauchte, diese Kolumne zu beenden.

… ich möchte manchmal mit den zügen fahren, die gegen abend gehen …
Immer noch!

Vergessen und- dringend …

Ich habe es vergessen bzw. ich erinnere mich nur schwach an meine letzte Erkältung. Ein längere Radtour bei Sonnenschein und eisigem Wind zeigte mir, dass ich nicht mehr der ‚Jungspund’ bin, für den ich mich am Lenker halte.

Der Tag danach begann mit extremen Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen sowie Husten. Kein Fieber. Die Haut war schmerzempfindlich und ich hatte nur ein Ziel: mein Bett!

Nach drei Tagen stand ich wieder auf, aber immer noch ziemlich angeschlagen und nun, nach knapp zwei Wochen ist der Spuk vorbei und ich kann wieder aktiv werden.
Kontaktaufnahme im Ehrenamt und Kino! Beides ließ sich gut an einem Tag händeln. Endlich wieder ins Kino und dazu noch ein Film, der zu meinem derzeitigen Leben passt, aber eigentlich zu jedem Leben eines anderen auch, da irgendwann das Rentenalter erreicht wird.
Meistens jedenfalls.

‚Die goldenen Jahre‘ ist ein Film über den Eintritt ins Rentenalter und die anstehende neue Lebensphase. Auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer kommt es nicht zur erhofften Zweisamkeit zwischen Alice und Peter, sondern lange verdrängte Eheprobleme treten ans Tageslicht.
Nach einem Landgang in Marseille kehrt Alice nicht an Bord zurück, sondern nimmt sich eine Auszeit. Im Vorfeld war die Frau des besten Freundes ihres Mannes verstorben. In den letzten Minuten hatte sie ihrer Freundin Alice ans Herz gelegt, Briefe aus ihrem Nachttisch verschwinden zu lassen.
Keine Sorge, ich erzähle nicht den ganzen Film!
Nur soviel, natürlich liest sie die Briefe und erkennt, dass Magali eine Verhältnis in Frankreich hatte. Seit seit 10 Jahren fuhr sie jedes Jahr für eine gewisse Zeit dahin. Keiner wusste oder ahnte davon. Nun, auf ihrem Trip in Frankreich, beschließt Alice, rauszufinden, wer der ominöse Liebhaber ist.
Es ist eine Frau, soviel muss ich verraten, die in einer Frauen- WG lebt. In diese hatte sich ihre Freundin verliebt. Überraschung!!!
In dieser ganzen Filmszene fand ich die Idee absolut bemerkenswert, dass die Freundin in Frankreich ihrer Liebsten eine Toilette gebaut und liebevoll gestaltet hat, weil Magali ‚ihre Geschäfte’ nicht rustikal, wie auf dem Lande üblich, erledigen mochte.

Marokko

Was für ein Liebesbeweis!
Das Gedankenkarussell ‚Toilette‘ beginnt sich sofort in meinem Kopf zu drehen.
In unserer Kultur ist der Ausscheidungsorozess tabuisiert und intimisiert. Bis zu 8x gehen die Menschen im Durchschnitt auf die Toilette, meistens nicht zu Hause sondern unterwegs im Büro, Restaurant, Raststätte und auf öffentliche Toiletten.

Nur noch Tiefgaragen sind unbeliebter als öffentliche Toiletten, vermute ich. Am liebsten verrichtet man sein Geschäft zu Hause in gewohnter Umgebung, allein und ohne Zeitdruck. Doch im Alltag sind wir eher mit der Situation konfrontiert, mit anderen auf eine freie Toilette zu warten.
Das betrifft vor allem Frauen.
Männer in öffentlichen Toiletten sehen sich mit dem Stress konfrontiert, ihren Penis zu entblößen und während des Wasserlassens neben anderen stehen zu müssen. Es geht relativ schnell und ohne Schlangestehen.
Bei Sitztoiletten führt eine verbreitete Angst vor der Ansteckung mit Keimen insbesondere bei Frauen dazu, dass sie sich auf öffentlichen Toiletten nicht niedersetzen, sondern sportliche Positionen wie zum Beispiel „Hocke“ einnehmen. Ich erinnere mich an ein englischen Filmlustspiel, in dem ein Fenster aufgestoßen wurde und die Mutter der pubertierenden Tochter hinterherrief:
Denke daran, Klopapier auf die Brille legen!
Das gilt immer noch.
Stehe ich in einer Kloschlange, dann drängt es bei allen. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird und gehe Durchschnittswerte gedanklich durch. Ich zähle die Frauen vor mir, hoffe, dass alle nur pullern müssen.
Die Wartenden versuchen Diskretion zu wahren, indem sie auf ihr Smartphone schauen, in die Luft starren und direkten Blickkontakt mit anderen vermeiden, so wie wir es beispielsweise auch in einem Aufzug tun. Ziel ist hier wie dort, die gemeinsame Wartezeit zu überbrücken, um dann wieder getrennter Wege gehen zu können. Wir werfen uns höchstens einen flüchtigen Blick zu, um dann im Handy oder Gedanken zu versinken, an die Wand starren oder zum Waschbecken eilen.
Auf Druck zu pinkeln oder mehr, während andere daran teilhaben, ist ein stressauslösendes, mit Scham behaftetes Unterfangen, vor, während und nach dem wir uns nicht direkt mit den noch Wartenden konfrontieren möchten. Wir warten lieber gemeinsam allein – und gehen genauso wieder hinaus.

Toilette in Rostock
Toilette am Strandaufgang in Warnemünde

Diese Klogedanken sind etwas ausführlich geraten. Würde ich jetzt eine Umfrage nach speziellen Klo-Erlebnissen starten, hätten sicher viele etwas zu sagen. Eines, das sich mir eingeprägt hat, war eine Ausflug mit einer früheren Frauengruppe nach Kopenhagen. Von Rostock mit der Fähre nach Gedser und weiter mit dem Auto gen Kopenhagen. Die klimakterialen Blasen meldeten sich und die erste Autobahntoilette war unsere. Endlich war auch ich dran und musterte in Hockstellung die Umgebung. Es war eine große und saubere Toilette, komplett aus Nirosta. Nun noch Händewaschen und weiterfahren. Doch – was war das? Die Tür ging nicht auf, blockierte irgendwie. Ich rüttelte und schüttelte- nichts. Erneuter Versuch, leichte Panik machte sich breit. Ein Rundblick signalisierte – keine Fenster! Und weiter gerüttelt, auch gerufen. „ … du musst richtig schließen und gegen die Tür drücken …“, hörte ich eine der Frauen antworten. Was meinten sie denn, was ich die ganze Zeit gemacht habe? In den Spiegel geschaut und Lippen nachgezogen? Erneut warf ich mich gegen die Tür, die ganz plötzlich aufging. Völlig erleichtert schilderte ich meine Panik und bemerkte nicht das verhaltene Kichern. Eine, die auf ihrem Handy gespielt und nichts mitbekommen hatte, meinte lakonisch, ob ich nicht bemerkt habe, dass die anderen die Tür zugehalten haben. Wie? Wie jetzt? Tür zugehalten? So gemein können nur Frauen sein.

Auslöser war der Film mit dem Liebesdienst der französischen Freundin für die deutsche Freundin. Aber nun, wo mein Karussell zum Stehen gekommen ist, finde ich den Bau einer festen, künstlerisch gestalteten Toilette ausgesprochen liebenswert. Ihr auch?

Farbenspiele

Der Herbst ist voller Überraschungen.
Dass er mich mit einem Farbenspiel erfreut, das erwarte ich einfach. Ich liebe das Gelb, das Ocker, den Rotton und das verblassende Grün.
Warum machen Gelb und Orange eigentlich glücklich?
Gelb ist möglicherweise die energiereichste Farbe von allen warmen Farben. Sie wird mit Lachen, Hoffnung und Sonnenschein assoziiert. Gelbe Akzente verleihen dem Design Energie und machen jeden Betrachter optimistisch und fröhlich, wird gesagt.

Schmutzige Gelbtöne stehen eher für negative Eigenschaften wie Egoismus, Geiz und Neid.

Orange wirkt antidepressiv und unkonventionell. Es ist eine Farbe, die Heiterkeit, gute Laune und Appetit auslöst. Letzteres kann ich bestätigen! Nach einer Kürbissuppe passt immer noch ein Eis in den Bauch.

Ich liebe Rot. Nicht unbedingt das Karminrot der Blätter, eher ein blaustichiges Zinnoberrot. Gelbstichiges Rot macht blass.
Dem roten Farbton wird nachgesagt, dass er Leben, Aktivität und Stärke ausstrahlt. Er wirkt wärmend und anregend, ist die Farbe des Herzens, der Liebe und Leidenschaft. Rot kann aber auch Aggressionen fördern, denn mit dieser Farbe wird nicht nur Positives assoziiert, sondern sie steht auch für Blut, Krieg und Verbote. Der Farbe Rot kann man schlecht entkommen, sie zieht Aufmerksamkeit auf sich.

Grün wird mit Würde und Selbstachtung, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen verbunden. Nun ja, das erwarten ja alle, die diese Farbe wählen.

Auf jeden Fall wird der Herbst von warmen Farben beherrscht und der November bringt uns graue Tage. Aber ist grau nicht eine interessante Farbe und wird vielleicht zu Unrecht verunglimpft?

Grau ist die Symbolfarbe der Dämmerung, ein Naturphänomen, das zwischen der Helligkeit des Tages und der nächtlichen Dunkelheit, sozusagen die Stunde zwischen Katz’ und Hund, vermittelt.

Grau repräsentiert das Alter und Nüchternheit. Die Farbe steht für Unauffälligkeit, Neutralität, Langeweile und Zurückhaltung. Grau ist die Farbe der Einsamkeit und Bescheidenheit. Ist Grau eine kalte Farbe? Zu den kalten Farben zählen Weiß, Blau oder Grau. Diese Farbtöne strahlen etwas ‚Kühles‘ aus, im Unterbewusstsein verbindet man sie mit Natur und Kälte.
Genau wie Schwarz, kann Grau aber auch modern wirken und kommt häufig zum Einsatz, wenn ein Schwarz-Weiß-Kontrast zu extrem wäre. Immer mal wieder passiert es, dass Grau zur Modefarbe auserkoren wird. Mit einer Kontrastfarbe kombiniert wirkt Grau dann ganz modern.

Aber noch erfreue ich mich an den warmen, leuchtenden Herbstfarben und den Überraschungen, die er für mich bereithält.
Neulich bekam ich eine Tasche geschenkt. Ohne jeden Anlass. Solche Geschenke erfreuen (fast) jede Frau. Meine war sogar gefüllt! Ich kann aber nicht sagen, dass ich mich gefreut habe, eher war ich entsetzt und voller negativer Gedanken. Warum ich?
Wobei- wem hätte ich diese Tasche gewünscht? Keinem!
Plötzlich und völlig unerwartet schwoll eine meiner Backen an. Eine von oben! Eine Zahntasche hatte sich gebildet, warum auch immer. Vielleicht wurden durch eine Zahnreinigung ‚schlafende Hunde‘ geweckt. Man weiß es nicht.
Mein Zahnarzt hatte Zeit für mich, schaute sich alles an und sagte:“Oh!“
Dann griff er nach seinen Instrumenten, legte Zahnhals vom entzündeten Zahnfleisch etwas frei und pinselte alles ein.
Bisher konnte ich mir nie vorstellen, wie es sein würde, käme ich in die Hölle. Nun wusste ich es! Schlimmere Schmerzen kann es dort nicht geben.
„Morgen sehen wir uns wieder!“, hörte ich ihn beim Rausgehen sagen. Nee, dachte ich, nicht das Gleiche nochmals. Wenn, dann nur mit Spritze!
Ganz allmählich ließen die Schmerzen nach.
Am nächsten Tag bin ich um sechs Uhr in der Frühe wach. Für mich ist das normalerweise mitten in der Nacht. Es ist eines der großen Privilegien, dass ich ein natürliches Erwachen habe. Andere Vorzüge fallen mir gerade nicht ein. Doch- die grauen Haare, nur, ist das ein Privileg? Ja, und zwar dann, wenn graue Haare angesagt sind. Diesen Zeitpunkt bestimme natürlich ich.
Als ich wieder auf dem Zahnarztstuhlstuhl sitze, meine ich, dass ich das Gefühl habe, er wäre Tierarzt, so wie er gestern rumfuhrwerkt hat.
„Echt, hat das wehgetan? Ich wollte tatsächlich Tierarzt werden.“, lacht er.
„Und ich war gestern des Pferd?“, frage ich.
„Nein“, lacht er wieder „ein Elefant!“
“Ist es so schlimm mit meinem Gewicht?“, frage ich ihn gespielt entsetzt.
Ein kurzer, erschrockener Blick von ihm, dann lachen wir beide. Spritze gibt es keine, aber der Schmerz ist diesmal auszuhalten.
Soviel zu unvorhersehbaren Geschenken. Im November wird die Farbe Grau vorherrschend sein. Vielleicht aber auch nicht und der Herbst überrascht uns mit einem bunten November.

Inzwischen ist die dicke Backe längst wieder flach und ich kann am Strand Möwen fangen.

Ich rolle …

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jeder einen treuen ‚Gesellen‘ wünscht, einen, der alles mitmacht, ohne sich aufzuregen oder an Unannehmlichkeiten stört. Dieser Kamerad sollte zuhören können, ohne Kommentare zu geben, laute Wortgefechte und eisiges Schweigen ertragen, lautes Schnarchen überhören, anheimelnde Atmosphäre verbreiten und Lustgefühle auslösen.
Das alles erfülle ich für meine Besitzer, ich, der VOLVO 240, Kombi, der am 5.12.2021 30 Jahre alt wurde und nun ein ’H’ im Kennzeichen trägt. Das Geburtstagsgeschenk für mich war eine Reise im kommenden September quer durch Deutschland zu einem Treffen des VOLVO-Clubs in Bad Krozingen.

Ich rolle … lautet die Übersetzung des aus dem Lateinischen stammenden Markennamens VOLVO. Ein Kreis, ein Pfeil, ein diagonaler Streifen: das VOLVO Logo ist unverkennbar. Schon seit dem Beginn der Serienproduktion von PKWs im Jahre 1927 mit dem VOLVO ÖV4 prangt auf dem Kühlergrill das VOLVO Zeichen.

Wir rollen im September von der Küste nach Leipzig, unserem ersten Stopp.
Einen Zwischenstopp legen wir in Ferropolis ein und ich kann mich mit einem Abraumbagger vergleichen. Ist der riesig!

Vom Parkplatz aus verfolge ich, wie Jutta, die Beifahrerin, auf den Bagger klettert. Mutig. Die Bagger mögen groß und schwer sein, viele Tonnen Abraum bewegt haben, aber sie waren nie richtig unterwegs, kennen wenig von der Welt. Das habe ich ihnen voraus.
In Leipzig angekommen, werde ich für drei Tage auf dem Parkplatz abgestellt und erfahre auf der Weiterfahrt, was ich verpasst habe. Meine Besitzer erkundeten die Stadt, in der sie sich vor 45 Jahren kennengelernt haben. Die Stadt hat nach wie vor Flair, Bewohner sind sympathisch (gibt es eigentlich auch unsympathische Sachsen?) und die Eierschecke köstlich wie eh und je. Die Sicht vom Weisheitszahn, einem der Wahrzeichen der Stadt, ist gigantisch und zeigt, was alles neu erbaut wurde. Herrn Schneider, dem Investor nach der Wende, hat Leipzig viel zu verdanken, obwohl sein Geschäftsgebahren unlauter war.

Wir rollen weiter.
Ein Stau hält uns längere Zeit auf, was mich nicht stört, da Michael mit einem Stauteilnehmer über meine Karosserie spricht. Seine Stimme klingt stolz. Sein Gegenüber streicht sacht über mich- ein gutes Gefühl!
Die Landschaft wird hügliger, der Verkehr dichter. Kein Problem für mich, ich rolle!
Franken kommt in Sicht und im Auto sprechen sie über ihre Erlebnisse mit Leuten aus der Gegend, die sie teilweise aus Dialektgründen nicht verstanden haben.
Netter Empfang in Dünkelsbühl, unserem nächsten Halt!
Blöd nur, dass ich nun drei Tage in einer dunklen Garage stehen muss. Als es endlich weitergeht, erfahre ich, dass der ganze Ort wie ein Museum daherkommt, der Kuchen vom Bäcker Spitze ist und das Scheufele, das sie zum Abend aßen, besser war als das in Nürnberg. 14 Stadttore hat der kleine Ort, der im Dreissigjährigen Krieg stark gelitten hat, aber inzwischen zu einer der schönsten Städte avancierte. Stand im FOCUS.

Die nächste Etappe beginnt mit Regen.
Das stört mich nicht, da die Scheibenwischer gut funktionieren. Schlechter ist es, wenn die Sonne heiß vom Himmel scheint. Dann wird ‚meine‘ Klimaanlage aktiviert, d.h., Fenster runtergekurbelt! Ich verstehe nicht mehr so gut, was im Wageninneren geredet wird. Schlecht für mich, denn ich bin neugierig.
Wiederum kurzer Stopp. Diesmal in Merdingen bei den Enkeln, die den Opa fragen:
„Wieso fährst du immer noch das alte Auto? Bekommt ihr so wenig Rente?“
Zwei Fragen, die ausführlich beantwortet werden könnten, wenn Zeit wäre und eine Antwort wirklich interessieren würde. Viel wichtiger für die Enkelin ist jedoch, dass sie ein Handy bekommen hat, da sie nun auf eine weiterführende Schule geht.
Ohne großen Abschiedsschmerz rolle ich auf meinen Höhepunkt zu.
Bad Krozingen steht auf dem Schild und ich fühle ich mich gleich so richtig, richtig gut!Ich werde in einer Reihe mit wahren Schätzen meiner VOLVO-Familie geparkt. Neben mir parkt ein blauer VOLVO Amazon, aus dem sich ein sehr großer Mann schlängelt, mit dem meine Besitzer später in Kontakt kommen und viel Spaß haben werden. Das Auto ist nicht nur schön, sondern hat auch noch viel Platz, denn die Beifahrerin ist auch kein Zwerg. Auf der anderen Seite steht ein dunkelbrauner P5 1800 aus den siebziger Jahren. Gegenüber erkenne ich einen knallroten Buckel-VOLVO und 100- und 200erter Volvos.

Ich weiß gar nicht, wo ich hinschauen soll. Und dann die vielen freundlichen Kommentare!
Immer wieder höre ich, dass man zum Volvo Fahrer geboren wird und es nicht werden kann.
Als Jörn, der mit blauen Amazon, mit Michael spricht, ist seine Stimme voller Glück. Die Anfahrt hätte länger sein können, denn er sonnt sich gern in den Blicken der Passanten.
Meine Besitzer sind ganz neu im Club und wissen nicht so recht, wie der Ablauf der Veranstaltung sein wird, trotzdem sie ein Programm haben. Ich sehe, dass sie wie „Falschgeld“ an der Tür stehen, sehe sie später im Restaurant verschwinden und dann sehe ich sie erst am nächsten Tag zur Ausfahrt nach Mulhouse zum Automuseum wieder. Voller Begeisterung lassen sie den vorangegangen Abend Revue passieren und erfreuen sich mit mir an der VOLVO-Kolonne. Und ich mittendrin! Wir bekommen einen Extra-Parkplatz, während unsere Besitzer das Museum besichtigen

Geschenk an das Museum

Es muss grandios gewesen sein, denn die Begeisterung ist fast fühlbar.
Drei Stunden bis zur Abendveranstaltung verbleiben, die für eine Fahrt durch Weinberge mit Blick auf die Vogesen genutzt wird. Eine kleine Kolonne!
Wir halten an einem Gasthof, der erste Wein wird getrunken, Zwiebelkuchen und Kuchen geordert. Super Stimmung!

Wie in jeder Gruppe bildet sich sofort eine neue Gruppe in der Gruppe, wo das Gespräch einem lustigen Schlagabtausch gleicht.
Bei den beiden „j“ funktioniert das besonders gut.
Wir werden nach der Rückkehr geparkt und stehen in einer Reihe. Ein echt gutes VOLVO-Gefühl!
Am nächsten Tag geht es nach Freiburg zu einer Stadtbesichtigung.

Auf der Fahrt dahin erfahre ich, dass das Essen auf der Abendveranstaltung hervorragend war und nur von der Stimmung übertroffen wurde. Die Kellner sollen etwas genervt gewesen sein aufgrund der Lautstärke. Das Abkassieren der Zechen klappte aber. Staunend erzählt mein Besitzer, dass einige der Teilnehmer mehrere Volvos besitzen, die „Schrauber vor dem Herrn“ sind und in regem Austausch stehen. Ich gehöre jetzt auch zur Austauschgruppe, trotzdem ich Einzel-Auto bin. Viele der Autos müssen ins betreute Parken, damit ihnen nichts Schlimmes passiert oder sie gar geklaut werden.
Ich höre, dass es mit Jörn und Antje Treffen geben wird und wir noch eine Ausfahrt machen werden. Ich und der blaue Amazon-VOLVO- wow! Könnte mir mit ihm auch mehr vorstellen.
Weiter geht es nach Weil am Rhein und meine Besitzer stellen mich wiederum für drei Tage auf einen Parkplatz ab. Sie erkunden zu Fuß und mit Straßenbahn Basel und Weil/Rhein. Beide sind von den Museen, Straßen, Menschen, dem Flair überhaupt begeistert.

Es gibt am späten Nachmittag eine Programmänderung. Die Liaison mit dem »Amazon« kann ich vergessen, weil die Ausfahrt zum Essen mit dem BMW ist.
Ich bin enttäuscht.
Meine Besitzer sind hingegen total begeistert von den Lokalitäten, Landschaft, den Gesprächen, Humor, vom Grauburgunder und nicht zuletzt von Jörn und Antje.

Wenn Jörn mit seinem ’Leben in der Tasche’ kommt, 2 m groß, -er – nicht die Tasche!- dann vibriert die Luft und man denkt, oh, der Chef kommt! Aber nur solange, bis er loslacht. Er lacht gern. Und viel. Antje neben ihm mit ihrem dichten Haar, ist selbstbewusst, lacht genauso gern, weiß, was sie will und ist ständig am Basteln.
Der Spaßfaktor an beiden Abenden ist sehr hoch!
Das ist das Schöne am Reisen mit mir, dem VOLVO, man lernt immer neue Leute kennen, hat sofort ein Gespräch, wird von fremden Autofahrern gegrüßt und fühlt sich immer gut.
Das Beste für mich war die Info, dass sich meine Besitzer mit den Beiden treffen wollen. Dann treffe ich wieder auf den „Amazon“ und es wird vielleicht doch noch eine Liaison geben.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

09j22w

Im Stau

Zwei Tage Leipzig liegen hinter uns auf der Tour zum VOLVO-Oldie-Treffen in Bad Krozingen und weiter geht’s gen Franken.
Wider Erwarten regnet es bei der Abfahrt, trotzdem uns gutes Reisewetter zugesagt wurde. Egal! Im Auto ist es trocken und warm. Nochmals getankt für 2,239 € der Liter Diesel, was stoisch und ohne Kommentar hingenommen wird. Immerhin gibt es noch Sprit!
Die bisherige Reise wird während der Fahrt ausgewertet, viel geredet, auch gelacht und dabei die Abfahrt verpasst.
Klar, wer Schuld hat. Kommen relativ schnell wieder auf die richtige Autobahn, trotzdem fällt die nächsten 37 km kein einziges Wort zwischen uns.
Irgendwann wird die “Dickscherei” langweilig und das Gespräch wieder aufgenommen: das tolle Wetter für Stadterkundung Leipzig , Häuser, Parks, Plätze und nicht zuletzt das Essen mit einer Freundin- alles wird für gut befunden. Dass sich vor dem Hotel zwei Straßenbahnlinien kreuzten, eine Hauptverkehrsstraße lag, der Lärmpegel sehr hoch war, nun ja, es kann nicht alles gut sein. Ich sagte natürlich nicht, dass ich vom Lärm wenig gehört habe. Hoch leben die Ohrenstöpsel!
Ein Drittel der Strecke ist geschafft, alles Essbare weggemampft.
Da passiert es!
Die Warnblinkanlage des Vordermanns leuchtet und das heißt: Stau!!
Die A9 ist eine der stark befahrenen Autobahnen, die Autoschlange riesig!
Wir stehen, stehen, stehen und kennen nicht den Grund.

Inzwischen scheint die Sonne und die Autos heizen sich auf. Unsere Klimaanlage -Fenster runterkurbeln und Türen auf- funktioniert nicht, einfach zu heiss. Nach kurzer Zeit verlassen die Ersten ihre Autos, Gemeinschaften bilden sich. Ziel ist es, die Stauzeit unterhaltsam zu verkürzen.
Schlecht für den Gatten, denke ich, die Kommunikative bin eher ich.
Oh! Was höre ich? Ein sonores Lachen ertönt, unterbrochen vom Sprechen und nun ein kollektives Lachen. Er hat Anschluss gefunden, der Gute, Gesprächsanschluss, aber immerhin. Ich stelle mich dazu, Lachen ebbt merklich ab. Okay, denke ich, eine Männerrunde, da muss ich nicht dabei stehen.
Auf meine Blase ist Verlass! Immer!
Wenn es Stress oder unangenehme Situationen gibt, meldet sie sich mit dringendem Appell.
Ich überlege nicht lange und hocke mich neben den riesigen LKW neben uns mit Blick auf den Straßenrand . Ein total gutes Gefühl, wenn es warm herausfliesst. Beim Hochschauen sehe ich im Seitenspiegel, dass der Fahrer guckt und lächelt. Was soll ich tun? Mich genieren? Ich winke ihm zu.

Ein Polizeiauto rauscht an uns vorbei. Feuer auf der A9!
Der neue Freund meines Gatten hat schon viele Unfälle auf der Autobahn miterlebt. Die längste Staudauer waren acht(!) Stunden. Wir staunen.
Noch ein Polizeifahrzeug.
Er erzählt, dass er nun immer eine warme Decke, Essen, Trinken und für die Frau Zeitungen für 24h vorrätig hat.
Man weiß ja nie.
Ich überlege, wo ich noch Essbares versteckt haben könnte.
Nun erzählt der Freund, dass er gebürtiger Ansbacher ist. Sofort frage ich nach den Sehenswürdigkeiten und Höhepunkten in der Gegend, die die nächsten zwei Tage unser Ziel ist. Er hat viele Ideen!
Wir stehen inzwischen knapp zwei Stunden!
Ein schwarzes Auto fährt vorbei, in dem der Staatsanwalt sitzen soll. Es muss jemand tot sein, wird gesagt. Man weiß es nicht.
Ein nächstes Auto für Ölbeseitigung fährt durch die Gasse. Ein gutes Zeichen, sagt der Ansbacher.
Das Gespräch wird schleppender. Die Frau hat in einem Rätselheft alle Aufgaben gelöst und ruft ihren Mann zum Imbiss..
Die meisten Leute, die draußen standen, laut gelacht und sich unterhalten haben, sitzen wieder in den Autos.
Der Verkehrsfunk meldet, dass die A9 gesperrt ist und Route gewechselt werden soll. Hä???
Ich finde unten in der Tasche eine Tüte Studentenfutter, etwas überlagert, nur für Rentner mit gutem Zahnersatz und -arzt geeignet.
Der Gatte bekommt eine Rolle Kekse, die im Handschuhfach lag. Er isst sie außerhalb des Autos, damit er nichts abgeben muss? Nein, natürlich nicht, er weiß ja, dass ich keine Kekse mag.

Die Leute verlassen nochmals ihre Autos, um dann doch ganz schnell wieder einzusteigen. Es tut sich etwas !!!
Tatsächlich- wir dürfen weiterfahren.

Mein erster langer Stau und ich bin überrascht, wie schnell man neue Leute kennenlernt.

9j22w

Alt sind immer die anderen

Das ist ein Spruch, der gern auf Klassentreffen gedacht wird. Ab einer bestimmten Anzahl von Jahren passt er nicht mehr, denn dann sind wir alle alt.
Vor 52 Jahren legten wir die Abi-Prüfung ab und treffen uns nun in Meißen. Ich gestehe, ich bin aufgeregt, da inzwischen das Schicksal zugeschlagen hat und einige nie mehr kommen werden. Aber immerhin 14 von 23 Mitschülern haben sich angemeldet.

Ein Klassentreffen ist eine emotionale Auseinandersetzung mit den eigenen Erinnerungen. „Weißt du noch?“ ist ein zentrales Thema – ob ausgesprochen oder
nicht. Auch vergessen geglaubte Eindrücke und Ereignisse werden beim Anblick der ehemaligen Mitschüler reaktiviert. Ich frage mich immer, wie die Dynamik von Klassentreffen funktioniert. Warum versteht man sich sofort, ist vertraut miteinander, obwohl eine lange Zeitspanne zwischen den Treffen liegt?

Ich gönne mir vorher einen ‚Ego-Trip‘ und fahre zwei Tage eher gen Süden. Direktverbindung von Warnemünde nach Dresden- wunderbar! Gutes Hotel, zentral gelegen, alles fast zu Fuß erreichbar. Jutta, eine Freundin aus Jugendtagen und gleichzeitig Klassenkameradin zeigt mir verborgene Ecken in Dresden-Neustadt, die ich allein nie gefunden hätte.

Absolutes Glück habe ich, als ich tatsächlich noch eine Karte für das Konzert des Pittsburgh Symphony Orchestra mit dem Dirigenten Manfred Honeck und als Solistin Hélène Grimaud im Kulturpalast ergattere. 3. Rang , egal, ich will sie ja nur hören und den Dirigenten nicht heiraten. Ein grandioses Konzert! Selten habe ich ein so perfekt spielendes Orchester gehört.

Am Samstag fahre ich mit der S-Bahn nach Meißen, viel zu zeitig. Wie immer.
Wider Erwarten kann ich schon am Vormittag einchecken, 3.Stock im GOLDENEN LÖWEN. Ich weiß jetzt nicht, ob die Temperatur im Zimmer mit den Lebenstemperaturen eines Löwen zu tun hat oder diese ‚Savannen‘-Temperatur zufällig ist. Gefühlte 45 Grad!
Aber ich bin ja nur zum Schlafen da und wie ich uns kenne, werde ich erst in den frühen Morgenstunden wieder hier sein.
Wieder bummele ich durch Stadt, setze mich vor eine Bäckerei und gönne mir ein Stück Eierschecke. Diesmal mit Mohn. Vom Wochenmarkt ertönt Geigenmusik, es geht mir gut.
Eine Stunde vor verabredeter Zeit platziere ich mich strategisch günstig, um den Hoteleingang im Auge zu haben. Ein älterer Mann läuft vorbei, beäugt mich und geht weiter. Auch ich erkenne nicht, dass das Horst J. ist. Selbst als er zur Gruppe aufstößt, muss ich fragen, wer das ist.
Stephanie, schlank wie eh und je, kommt als Erste und wir umarmen uns herzlich. Diese Umarmungen sind immer noch ungewohnt, denn in den letzten zwei Jahren umarmte ich so gut wie keinen. Nach und nach treffen die anderen ein. Die Männer fast alle ‚trächtig‘ mit ihren Bäuchen, die Frauen haben ihre Figur besser gehalten, eher schlanker geworden.

Wir schnattern und reden laut durcheinander, als würde uns der Vorplatz des Hotels gehören, bis Michael B. das Wort ergreift und zu einer Gedenkminute für die Verstorbenen und die Abwesenden aufruft. Sofort ist es still. Er ist es auch, der das Kommando übernimmt , als wir auf die Albrechtsburg laufen.

Es geht bergauf! Nunmehr ist es ruhiger, da die Herzen geschont werden müssen und die Luft sowieso knapp ist. Oben angekommen, das obligatorische Foto, Blick auf die Elbe in der Tiefe. Volker gibt noch eine Erklärung über den Quellstein, der an die Gründung der Meissner Burg durch den deutschen König Heinrich I. erinnern soll. Dieses Jahr gilt als Beginn sächsischer Geschichte und als Ursprung des heutigen Sachsen.

Die Museums- und Kirchenbesuche werden gecancelt, da es wichtiger ist, dass wir uns austauschen und unterhalten können. Die Gruppendynamik wirkt. Leute, die früher lebhaft und etwas vorlaut waren, sind es immer noch. Nicht wahr, Jutta W.?
Wir machen Station in einem Restaurant auf dem Burggelände mit Blick auf Meißen, bevor es wieder abwärts geht.

Im Hotel hat Roland Plätze bestellt und Erinnerungen werden lauthals ausgetauscht, bis Michael den Vorschlag macht, dass jeder kurz über seine Lebenssituation sprechen soll, über Veränderungen positiver und negativer Art. Das ist nicht unbedingt so meins, weil es oft ausufert und Dinge erzählt werden, die eigentlich keiner wissen will. Fünf Minuten soll jeder sprechen, bitte Zeit einhalten!
Das, was eigentlich niemand will, ist, dass eines der Hauptthemen Krankheiten sind! Leider ist es inzwischen für viele das Thema Nr.1
Die anderen verdrängen es.
Interessanterweise waren die Männer wesentlich kränker als die Frauen mit schwerem Herzinfarkt bei Reinhard und Steffen, Roland hatte es auch erwischt. Scheidungen gibt es keine. Gut, wer lässt sich in diesen Zeiten und über 70 scheiden? Es müsste dann zweimal geheizt werden und ob es genügend Waschlappen gibt, ist auch fraglich.
Frank M. arbeitet noch, die Rente ist nicht üppig trotz vieler Arbeitsjahre. Steffen S. hangelte sich von einer befristeten Stelle zur nächsten, trotzdem er hochqualifiziert ist. Das Thema der Arbeitsfindung nach der Wende als Hochschulabsolventen, die Nichtanerkennung der Abschlüsse und Nichtachtung der Erfahrungen lassen die Wellen immer wieder hochschlagen. Auch die gegenwärtige politische Situation mit Ungerechtigkeiten in der Verteilung der Staatsgelder, der Krieg in der Ukraine, den wir mit unseren Waffenlieferungen unterstützen und damit am Laufen halten, der vergangene und kommende Umgang mit Pandemie, Energiekrise, Inflation- alles wird diskutiert.
Die Bedienung kommt mehrmals diskret in den Saal, um die Bestellungen aufzunehmen, was ihr irgendwann gelingt. Während des Essens ist es tatsächlich still. Alle mampfen und gucken zufrieden. Anschließend werden die Plätze gewechselt, neue Themen angestoßen, wie es halt bei solchen Treffen ist. Nunmehr spricht man in kleinen Gruppen über sehr Privates und Zusammenhalt in Ehe und Familie.
Es wird viel gelacht, die Zeit rast und die ersten beiden Frauen werden abgeholt. Vorher wird noch abgesprochen, dass das nächste Treffen in zwei Jahren sein soll, weil die Einschläge immer näher kommen. Dann wieder in Riesa, liegt einfach zentraler.
Getränke werden nachgeordert. Leider ist der Ausschank nur bis 22:30 Uhr. Die Riesaer verlassen uns gegen 22:00 Uhr und der ‚harte Kern‘ bleibt zurück.
Unser Ziel ist nun der Markt, auf dem Wein ausgeschenkt wird. Das wurde am späten Nachmittag gesagt, aber der Markt ist leer. Ein Restaurant gegenüber schließt auch in 10 Minuten- kein Personal! Ich frage den Kellner, ob überhaupt noch etwas aufhat und wo man etwas zu trinken bekommen könnte. Ja, der ‚Handwerker’, der hat noch auf, meint er. Glück gehabt! Eine gut gelaunte und sehr freundliche Kellnerin weiß sofort, was wir brauchen und dann wird es richtig lustig, weil Episoden erzählt werden, die nicht für alle Ohren bestimmt sind, die vielleicht in stocknüchternem Zustand auch keiner erzählen würde. Wir lachen inzwischen hemmungslos über alles und es entsteht eine enge Verbundenheit, die es im normalen Alltag sicher nicht geben würde.

Als ich um halb drei in mein Zimmer komme, ist es angenehm kühl.
Am nächsten Morgen erwartet mich neben interessanten Tischnachbarn ein opulentes Frühstück mit allem, was das Herz begehrt. Die Sachsen sind einfach die besseren Köche und Fleischer und Bäcker als die , z.B., Mecklenburger. Selbst Eierschecke gibt es und dann die kleinen Knacker- einfach nur köstlich!
Ich wäre beim nächsten Treffen wieder für Meißen und wieder für den GOLDENEN LÖWEN, gerne wieder das heisse Zimmer. Aber Riesa ist ja auch Sachsen und man weiß ja:
Die Sachsen, die sin helle,
das wees de ganze Welt!
Und sin se och ma dämlich,
dann ham se sich verstellt.

In diesem Sinne, „Tschüss“ bis zum nächsten Treffen!

09j22w

Velo Classico

Anfang Mai fragte ein Bekannter, ob wir an einer Fahrradtour von Velo Classico im August interessiert seien. Na sicher doch!
Fahrrad geht immer. Drei Touren standen zur Auswahl und wir entschieden uns für die Happinez Runde 32km. Das war zu schaffen und das Programm las sich gut, da Kultur und Pausen mit Bademöglichkeiten enthalten waren.
Wir buchten!

Heute ist es soweit und was wir nicht bedacht hatten, ist, dass es einen heißen und trockenen Sommer geben könnte, der die Wege austrocknet.
Die Temperaturvorhersage für heute betrug 31 Grad!
Normalerweise muss ich dann keine Radtour machen.
Aber – gebucht ist gebucht.
Von Warnemünde zum Startpunkt der Tour, Rumshagen, sind es ca. 120 km und unser Auto bringt uns und die Fahrräder zügig dahin. Klimaanlage im Volvo 240 heißt, Fenster auf und Durchzug schaffen. Gespräche sind dann nicht mehr möglich- Geräuschkulisse! Ist jedoch nicht wichtig, da wir nach 43 Jahren Ehe eh alles besprochen haben.
Mecklenburg ist schön, flache Landschaften mit einigen Erhebungen, große Felder mit Mais oder Getreide, etwas verbrannt, und auch die Wiesen alle mehr oder weniger braun. Die einzelnen Bäume am Straßenrand und auch die Alleen sind grün. Ab und an blitzt ein See durch die Bäume. Die Straßen an diesem Sonntag sind eher leer. Gepflegte Vorgärten und Häuser – hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.
Am Startpunkt in Rumshagen registrieren wir uns, bekommen einen Beutel mit netten Dingen wie Schlüsselanhänger, Programm , Power-Riegel und bewundern die anderen Teilnehmer. Ein Schweizer in Uniform mit einem Fahrrad der Schweizer Armee- wow! Viele ältere Radmodelle sind zu sehen wie die früheren Klappräder und auch Tandems. An diesem Tage werden die DIAMANT-Räder besonders hervorgehoben. Der Gatte ist happy, denn er fährt auf seinem ersten Fahrrad, ein DIAMANT-Rad, das er an seinem 12. Geburtstag geschenkt bekam. Fast alles noch Original-Teile!

Dafür gibt es ein Extra-Käppi mit dem Logo DIAMANT.
E-Bikes sind absolut in der Minderheit und, ja, fast schäme ich mich etwas, nicht so ein älteres Modell wie die meisten der Teilnehmer zu fahren. Aber es ist nur ein kurzer Moment.
Der Leiter gibt einige Hinweise, u.a., dass es einige Sand- und Geröllwege gibt und wir dann ja absteigen könnten, wenn es zu schwierig wird. Wir fahren in den Nationalpark Müritz.
Es stellt sich heraus, dass es fast 6 km sind, die wir durch Sand fahren werden. Ich merke, dass Schultern und Arme beim Fahren verkrampfen, wenn ich Gleichgewicht halten will. Ein Blick vor und zurück zeigt mir, dass es mir nicht allein so ergeht. Immer wieder steigen wir ab und schieben! Verhaltener Protest ist zu hören und Frage steht, ob die Strecke wirklich vorher abgegangen wurde.

Die Sonne brennt erbarmungslos und wir sind alle glücklich, als wir an einen See mit einer Badestelle kommen. Ich bin sofort bereit, ins Wasser zu steigen, trotzdem ich keine Badesachen mithabe. Eine Frau aus Sachsen ebenfalls, die anderen genieren sich, nackt zu baden.
Wir schwimmen auf den See hinaus und lassen uns anschließend von der Sonne trocknen.

Die Welt ist ein Dorf, stelle ich lachend im Gespräch auf dem Wasser fest. Meine sächsische Schwimmkameradin kommt aus dem Nachbarort, in dem ein ehemaliger Schulkamerad von mir als Internist praktizierte. Welch ein Zufall!
Weiter geht die Fahrt, nunmehr auf festem Boden. Wider Erwarten hat auch Mecklenburg kleine Erhebungen, vielleicht nicht unbedingt richtige Berge, aber doch etwas anstrengend. Für die anderen! Ich habe ja mein E-Bike, dessen Schaltung ich hemmungslos benutze.
Am Depot angekommen, gibt es Getränke und einige kulinarische Köstlichkeiten, wie z.B. Käsepralinen.

Auf dem Plan steht jetzt die Besichtigung der Jahn-Kapelle auf dem Klingenberg, die mit Hilfe von Fördermitteln und Eigeninitiative des Förderkreises renoviert wurde. Die Aussenfassde ist fertig, innen muss noch einiges gemacht werden.

Nun liegen noch 12 km vor uns, Landstraße, pralle Sonne.
Die Gesichter glühen, als wir am Ziel ankommen und unseren Teilnahme-Stempel erhalten.

Im Garten ein Abschlussgetränk, nochmals Austausch mit den anderen Teilnehmern über Raderfahrungen und dann zurück gen Heimat.
Wenn ich die Sand-Geröll-Wege und die Hitze ausklammere, dann ist es ein total schöner und empfehlenswerter Ausflug!

Wie hieß es in der früheren KNORR-Werbung:
Das machen wir mal wieder!

Sommer mit Hugo

In diesem Sommer gab und gibt es viele heiße Tage, selbst hier im Norden. Die Hitze lähmt und jeder versucht, vorsichtig mit seinem Wohlbefinden umzugehen. Man schwitzt, die Haut ist dauerfeucht und dann könnte die Sonne außerdem zu Hautkrebs führen. Die Cremes dagegen können Allergien auslösen, das Wasser, was man trinken soll, wird der Umwelt entzogen, ganz zu schweigen von dem Wasser, das der Garten verlangt, um mich mit seiner Pracht zu erfreuen. Ich könnte natürlich Alkohol trinken, weil der die Blutgefäße in der Haut weitet und Körperwärme abführt. Eigentlich der gleiche Effekt, der Betrunkene im Schnee so leicht erfrieren lässt, oder?
Hinzu kommt, dass sich leicht angesäuselt alles besser ertragen lässt und die Gedanken, sich ab und an zu bewegen, völlig verdrängt. Lauwarm duschen ist auch gut, auf keinen Fall kalt! Besser noch heiß, weil die Hitze des Wassers die Sonnenhitze übertrifft und man die Sommerhitze als kühl empfindet. Irgendwie bin ich wohl hitzegeschädigt, denn eigentlich muss ich mich auf den Besuch konzentrieren, der demnächst anreist. Ein Urlaub an der Ostsee gestaltet sich einfach, denn eines geht immer: baden!
Morgens, mittags , abends- einfach immer.

Das gilt für Erwachsene, nicht unbedingt für Kinder, die auch davon gelangweilt sein können.
„Immer das gleiche, das sind ja gar keine richtigen Wellen!“, höre ich sie in Gedanken rufen. Sie sind es gewohnt, dass es im Urlaub ein kleines Programm gibt.
Nur welches diesmal?
Einfach mal draußen rumstromern oder sich zwischen alten Schuppen verstecken, Leute ärgern, nein, alles ungeeignet und auch schwer zu organisieren.
Dafür sind die Kinder heute schlauer.
„Oma, heißt das: der, die oder das Monitor?“
„Der Monitor natürlich!“
„Falsch, Oma,“ quietschte sie neulich laut am Telefon und ruft „es heißt das Moni Tor!“

Womit könnte man sie unterhalten?
Vogelpark Marlow, Umweltpark Güstrow, Rostocker Zoo, Robbenstation Warnemünde – alles schon gesehen und langweilig. O-Ton der Kinder!
Meine Ideen, so sie denn sprudeln, werden gerne genommen.
Gedankenversunken treffe ich im Vorfeld auf unsere Blumenfrau. Was natürlich auch völlig falsch formuliert ist, sie führt ein Blumengeschäft und ich kenne sie gefühlte hundert Jahre. An der Hand hat sie die Leine für ihren Hund, der ausgebüchst ist.
„Hugo, Hugooo, Huuugo … komm her, komm endlich her!“, höre ich sie rufen. Sogleich schiesst mir in den Kopf, dass sich die Kinder schon lange einen Hund wünschen. Eigentlich könnten sie doch mit diesem hier Gassi gehen, oder?

Wird schwierig, meint die Blumenfrau, da Hugo nur auf Frauchen hört und auch gerne mal beißt. Hugo sitzt friedlich da und lauscht.
Die Idee vom Hunde-Sitting hat sich festgesetzt.
Mit ganz anderem Blick beobachte ich ab jetzt meine Umgebung und speziell die Bekannten, die einen Hund haben. Ich treffe auf Marlies, die eine Dogge hat und spreche sie an, so ganz nebenbei, was sie davon hält, ihren Hund kurzzeitig betreuen zu lassen. Der Gedanke gefällt ihr und dann zählt sie die Gebrechen des Hundes auf, der übergewichtig ist und nur ganz kurze Strecken laufen kann. Egal, er kommt erst einmal in die engere Wahl.
Die Vita des Hundes ist interessant, denn er wurde in NY geboren, dort ausgesetzt, von einer Spanierin gefunden und mit nach Barcelona genommen. Dort kränkelte er. Marlies, gerade im Urlaub und seit ewigen Zeiten hundelieb, fand ihn winselnd auf der Straße und per Flugzeug kam er, nein, eine sie, Sissi, nach Deutschland. Der Tierarzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als er sie untersuchte und meinte, maximal ein halbes Jahr, dann wäre es vorbei. Inzwischen lebt sie vier Jahre in der Familie. Nicht nur die Inflation treibt die Geldausgabe in die Höhe, nein, auch ein ganz gewöhnlicher, instabiler Hund mit den Ausgaben beim Arzt und in der Apotheke. Wahre Liebe hat ihren Preis.

Die Ältere der Enkelinnen ist begeistert.
Die erste Begegnung zwischen der Dogge und ihr ist, ja, sagen wir mal, wenig inspirierend. Der Hund schleppt sich durch die enge Gasse, macht sein Geschäft, das die Enkelin aufnehmen darf und nach 10 Minuten ist alles vorbei. Der Hund völlig erschöpft und die Enkelin enttäuscht. Die Aufzählung der vielen Tabletten, die der Hund nehmen muss und die ins Futter gebröckelt werden, hm, irgendwie ist sie entsetzt. So etwas steht nicht in den Mädchenbüchern.
Auf dem Rückweg läuft uns der Blumen-Hund Hugo mit Frauchen über den Weg und zwischen Enkelin und Hund entbrennt spontan Sympathie. Wir sind überrascht, da Hugo seine Zuneigung nicht so leicht vergibt.
Ab 7 Uhr früh wartet der Hund nun auf seine neue Herrin.
Um 6 Uhr ist die Nacht zu Ende. Für alle. Damit wir vor dem Gassigehen noch im Meer baden und frühstücken können. Nur der Gatte macht nicht mit, steht einfach nicht auf.
Auf das Rentner-Privileg des natürlichen Erwachens muss ich verzichten, was ich natürlich gern mache.
Unser kleiner Garten wird Hugos Revier, da er überall seine Marken setzt. Dass ich eine große Spaziergängerin bin, wäre übertrieben. Meine Metiers sind das Fahrrad und das Meer. Nun aber lerne ich Warnemünde aus der Sicht eines Hundes und bei großer Hitze kennen.
„Omi, wenn du dir einen Hund zulegst, besuche ich dich immer und wenn du verreisen willst, kümmere ich mich um alles!“, sprudelte es am Ende des Aufenthaltes aus dem glücklichen Kind.

Ein großartiges Versprechen, allein, der Glaube an Erfüllung fehlt.

Wenn der Obstmann zweimal klingelt …

Wer kennt nicht den Film aus den 80iger Jahren „Wenn der Postmann zweimal klingelt“?
Ich mochte den klassischen Rumtreiber Jack N., der ohne klares Ziel durch das Leben driftete und auf die schöne Jessica L. trifft, die verheiratet ist. Er beginnt im gleichen Restaurant wie sie in der Küche zu arbeiten und das Verhängnis nimmt seinen Lauf …

Heute klingeln ganz selten Postboten, sondern eher die Paketboten oder aber Freunde, die einen Garten mit viel Gemüse/Obst haben.
Kennt nicht jeder Jemanden, der ihm große Zucchini und andere Köstlichkeiten vorbeibringt? Einfach deshalb, weil sie es selber nicht mehr verarbeiten können? Es wächst und wächst, egal, wie die politische Lage ist, ob man verliebt ist, ob Zeit zur Verarbeitung da ist, alles egal: es wächst einfach!
Ich will nicht undankbar und überheblich erscheinen, denn ich freue mich über die Gaben. Allerdings nur, wenn die Zucchini noch die Größe von „Frauenglück“ hat und nicht in Dimensionen daherkommt, die in keine Pfanne passen.
Neulich war es wieder soweit. Jörg und Sabine, ganz liebe Freunde, brachten Zucchini (Größe gerade noch akzeptabel), Kohlrabi und Johannisbeeren. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass solche Geschenke zu Unzeiten, d.h., Zeiten, die man voll verplant hat, kommen?
Egal, Rezepte müssen her.
Ich koche gerne, aber es darf nicht unendlich lange dauern. Rezepte über 1/2 Stunde -ohne Garzeit- lehne ich ab, weil mir die Geduld fehlt.
Zucchini als Antipasti müsste gut zu realisieren sein und ich fand tatsächlich ein geniales Rezept, das ich sofort aufschrieb. Hier ist es:

Also, das sind die Zutaten (Bild) und das die einzelnen Schritte:

Etwas viel Knoblauch, stimmt. Mundgeruch macht einsam! Der große Vorteil in Bus/Bahn/Riesenrad ist aber, dass man viel Platz für sich allein hat.

Da ich nun schon mal in der Küche bin, kann ich auch gleich die Johannisbeeren zu einer Tarte verarbeiten. Das Rezept gefällig? Es ist ‚pupsleicht’,
würde meine Enkelin sagen und ist nichts Besonderes. Bis man es verkostet hat! Dann ist es genial im Geschmack und der Konsistenz, Aussehen sowieso.
Eine Stunde und alles erledigt.

Nun muss meine Eitelkeit befriedigt werden. Ich brauche Lob!
Kurze Nachfrage, ja, Susi hat Dienst und ist mehr als bereit, zu verkosten. Was für meinen Ruf als Köchin spricht.
Küche noch unaufgeräumt, Susi hochmotiviert, ich vor Anspannung blass und dann der beglückende Gesichtsausdruck der Verkosterin. Mehr geht nicht (ich habe die geforderte Summe überwiesen, Susi, damit du dieses Urteil abgibst😜)!

Wenn die Obstler wieder klingeln, ich bin bereit!

Tage, wie diese …

Es gibt so Tage, da läuft es einfach. Schon beim Aufstehen merke ich das. Woran ich das festmache? Ja, woran eigentlich?
Denke mal, an meinem Bauchgefühl, denn da ist der meiste Platz. Stimmt natürlich nicht, es ist einfach ein diffuses Gefühl, das als erstes von den Sonnenstrahlen genährt wird.
Heute ist so ein Tag!
Die Sonne brennt schon vor acht Uhr heiß vom Himmel und ich fahre wie immer an den Strand zum morgendlichen Baden. Inzwischen hat das Wasser annehmbare Temperaturen und ich absolviere meine 208 Schwimmstösse, d.h., einmal von Buhne zu Buhne und zurück. Habe die Schwimmstösse gezählt, Ordnung muss sein.
Mit dem Rad fahre ich durch den Park, schaue, ob die Sturmschäden vom Gewitter beseitigt sind und fahre dann auf die Promenade. Ich bin etwas spät dran, da ich mich dem natürlichen Erwachen hingegeben habe.

Gestern Abend bei der Sendung mit Markus Lanz zu den Themen einer drohenden Hungerkrise, Ukraine-Krieg und Klimakatastrophe hängengeblieben, der einen interessanten Gast hatte. Ralf Stegner war Gast und meinte zu dem Thema Waffenlieferungen an die Ukraine, dass man das nicht ewig weitermachen kann, da es der Demokratie in Europa schadet und man auf andere Möglichkeiten zurückgreifen sollte.
Eine hitzige Diskussion brach los, die irgendwie immer wieder im Chaos endete. Hochrot und sehr erregt echauffierte sich Herr Lanz, während sein Gast versuchte, seine Meinung zu begründen. Auch die Jugend in Person von Frau Neubauer war vertreten, die den Klimaschutz vehement in die Diskussion warf. Ich blieb sitzen, um die Diskussion zu verfolgen, wenn auch nicht bis zum Schluss.
Vor dem Einschlafen wollte ich noch kurz zu »Crossroads« von J. Franzen, ein Buch, was mich total fesselt.
Deshalb habe ich etwas verschlafen und komme fast ’zu spät’ an den Strand.
Die ersten Urlauber sind auf der Promenade voll bepackt mit Strandutensilien und Esskörben unterwegs, um sich einen Platz zu sichern.
Am Hotel Neptun vorbei fahre ich Richtung Westen bis knapp vor das Hotel Stolteraa und biege rechts ab direkt an den Strand. Im Hotel Stolteraa, einem schönem, altem Hotel mit zwei kleinen Türmchen, verbrachte Walter Ulbricht viele Jahre seinen Urlaub, ohne Bodygards. Erzählt man sich zumindest. Nur- wer interessierte sich in den sechziger Jahren für Bodygards?
Auf dem Weg zum Wasser komme ich am Strandkiosk von Uli Rose vorbei. Uli sieht immer aus, als käme er gerade aus dem Wald, wo es weder Kamm noch Wasser gibt. Mittelgroß, braungebrannt, die langen, grauen und zottligen Haare im Gesicht hängend, Gesundheitskniestrümpfe und kurze Hosen, steht er vor dem Kiosk. Seine Zähne blitzen unter dem Bart hervor und er lächelt immer. Manchmal treffe ich ihn schon auf der Promenade, wo er mit seinem Auto Lebensmittel und Getränke transportiert. Neben ihm wuselt seine kleine thailändische Frau. Gleich nach der Wende fuhr er nach Thailand in den Urlaub. Sein Fernweh war groß. Wie bei vielen anderen auch. Nur dass diese von ihren Reisen zurückkamen. Aus den 14 Tagen bei Uli wurden anderthalb Jahre. Er lernte eine Frau kennen, arbeitete am Strand, dann kam das Fernweh nach Warnemünde und gemeinsam kehrten sie zurück. Die Liebe zum Strand und Wasser lebt er seitdem mit Vermietung von Strandkörben, Wind-/Sonnenschutz und dem Verkauf von Kaffee, Getränken aller Art und allem, was man am Strand so braucht, aus. Die Einheimischen kennen ihn und man grüßt sich bzw. wechselt einige Worte. Die „Frühbader“ bleiben bei ihm stehen, trinken manchmal Kaffee und plaudern über alles mögliche.

Am Aufgang 18 ist es noch ruhig, kein Uli zu sehen und ich fahre bis fast an das Wasser. In der Ferne sieht man vereinzelte Frauen, die gymnastische Übungen absolvieren.

Ein junger Mann sitzt am Ende des befestigten Weges zum Wasser und wundert sich über mein quietschendes Rad. Er fragt nach und ich sage ihm , dass ich schon eine ganze Weile nach der Ursache suche. Ergebnislos!
Insgeheim hoffe ich, das er nachschaut, was er nicht tut, aber wir kommen gut ins Gespräch über Gott und die Welt, die Jugend und vor allem, was es bedeutet, am Meer zu wohnen. Für mich ist das ein Privileg! Er meint, auch er sei oft hier, aber der Anfahrtsweg ist doch etwas weit. Er beneidet mich, sagte er, und das ist ein gesunder Neid. Einmal ausgesprochen und relativ schnell wieder vergessen.
Inzwischen kommen meine Mitbader aus dem Wasser, geben kurze Info, dass das Wasser heute kälter sei als gestern, aber wie immer fantastisch.
Seit zwei Jahren treffen wir uns jeden Morgen am Strand. Jakob ist erst seit kurzem wieder dabei, weil er ein neues Knie bekommen hat und größere Wellengänge meidet. Monika ist die abgehärteste von uns, denn sie geht das ganze Jahr über morgens baden.
Ah, da kommt ja unser Künstler, ein attraktiver Witwer, etwas über 60, der aber nur Bekannte hat, die jünger sind als er. Sagt er. Die Gespräche mit den ’Alten’ mag er nicht, denn es geht nur um Krankheit und er sei fit. Seine verstorbene Frau war wesentlich älter als er, aber sah immer gut aus. Darauf hat der Krebs keine Rücksicht genommen. Ich fragte bei der ersten Begegnung, ob wir das Gespräch abbrechen wollen, denn ich bin eine der Alten. Neeeiin! Natürlich nicht, es gibt ja auch Ausnahmen. Glück gehabt!
Er kleidet sich meist ganz in weiß, Hose, Hemd und ein fesches Stirnband oder Hut. Das Tuch um den Hals -der Hals um die 60 will windgeschützt sein- darf etwas Farbe haben, gern blau. Er wohnt ja am Meer.
Da ich gerade auf dem Weg ins Wasser bin, winke ich ihm nur kurz zu und er schreitet am Strand entlang Richtung Westen. Auf jeden Fall ist er ein ’Hingucker’ und darum geht es ihm, anders sein als die Anderen.
Das Wasser ist tatsächlich kühler als gestern.
Wie ein Umhang hüllt es mich ein und relativ schnell fühle ich mich wohl. Zuerst schwimme ich der Sonne entgegen im angenehm temperierten Oberflächenwasser und dann zurück Richtung Westen. Das Wasser ist heute glatt, kein Wellengang, der das Nass ins Ohr schwappen lässt.


Noch einige Dehnungsübungen im Wasser und dann zurück.
Von weitem sehe ich einen weiteren Morgenschwimmer kommen, der erst seit kurzem hier auftaucht. Er entschuldigt sich sogleich, dass er verschlafen und sein Handtuch vergessen hat. Theoretisch könnte ich ihm eins geben, da ich meist zwei mithabe. Aber so eng ist die Begegnung noch nicht. Verschlafen hat er, weil er gestern auch die Sendung geschaut hat und wir haben sofort ein gemeinsames Thema. Aber nicht lange und wir sprechen über alles Mögliche, wobei Schwerpunkt das Meer ist mit seinen kommunikativen Möglichkeiten. Wir lachen viel, stellen Gemeinsamkeiten fest und auch dass er etwas jünger ist als ich. Spielt das bei kleinen Flirts eine Rolle? Eher weniger!
Der Künstler kommt von seinem Strandgang zurück und ruft:
Na, Frau W., flirten wir ein bisschen?
Ja, antworte ich, sogar ein wenig mehr! Wir lachen.
Mein Gegenüber lacht auch, meint nun, dass er endlich ins Wasser will. Die heisse Sonne wird ihn abtrocknen.
Ich fahre auf der Promenade zurück , die inzwischen gut mit Strandbesuchern gefüllt ist.
Ein Lächeln umspielt meine Lippen und ich stelle wieder einmal fest, soziale Kontakte, auch ganz kurze, bereichern das Leben.
Für die nächsten Tage ist Sommerwetter angesagt, das Wasser hat knapp 18 Grad, keine Quallen, etwas Tang. Ideale Bedingungen, den Tag mit einem Bad im Meer und netten Gesprächen zu beginnen.

Wettermässig sind die Flirtchancen gut.

AffenPocken oder Pocken mit Affen

Mit dem Wegfall der Corona-Massnahmen blieben mir die Ideen für Splitter bzw. kleine Kolumnen aus. Es galt erst einmal, die Aussenaktivitäten zu mobilisieren und haptische Freundespflege zu betreiben. Der Ruf des Kinos ertönte und auch die HMT rief zu Besuchen auf.
Es verlief alles gebremst, so, als könne meine Sorge, dass es wieder ‚losgeht’, jederzeit Oberhand gewinnen.
Der kalte April war keine große Hilfe, aber der Mai weiss zu begeistern.
Letzte Woche im April eröffnete ich meine persönliche Badesaison bei 9 Grad, also, es war mehr ein kurzes Einditschen. Immerhin!
Ein erstes Mal taucht der Name ‚Affenpocken’ auf. Nicht schon wieder, denke ich!
Wir werden doch schon auf den Herbst mit neuer Corona- Mutation eingeschworen!
Den ganzen Tag Nachrichten über den Krieg in der Ukraine, immer neue Nachrichten über Waffenlieferungen und gleichzeitig Ankündigungen, wie sich unser tägliches Leben verändern wird.
Eine Reise wäre deshalb gut, überlege ich.
Aufgrund des Hinweises eines Arztes auf gesundheitliche Probleme, die abgeklärt werden müssen, soll ich auf Anstrengungen verzichten. Keine Marathonläufe, keine Bergwanderungen, kein Tauchen, nichts, was mich außer Puste bringen könnte. Radfahren geht aber!
Das müsste ich in einem flachen Land gut schaffen. Holland und Dänemark erscheinen als gute Wahl. Wir würfeln! Dänemark hat eine ‚5‘ und Holland eine ‚3‘!
Die Wahl fällt auf Mitteljütland, weil von dort sowohl Ost- als auch Nordsee erreicht werden können.
Die Recherche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwierig, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann.
Irgendwann aber doch und im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Veranstalter dieses Haus zweimal verkauft hat! Wir bekommen für unser bezahlte Miete ein weniger komfortables Haus und, ja, es ist dann auch egal. Nun sind wir hier und haben die Hälfte der Zeit hinter uns.
Dänemark ist ein Land mit viel Landschaft, wenigen Städten, kleinen Dörfern und vielen Stränden. Perfekt!
Wobei- ich mag schon gern etwas Trubel, Gespräche, überhaupt etwas Unterhaltung.
Mich hat im Mai eine leichte Melancholie im Griff, die natürlich eine Ursache hat: Ich werde ‚nullen‘!

Das letzte Viertel beginnt.
Es beginnt in einer unruhigen Zeit, von der man nicht weiß, was sie bringen wird. Pessimismus hat noch nie geholfen, aber es wird schwieriger, sich positiv zu motivieren.
In Dänemark treffen wir auf ein Eldorado für Radfahrer. Kilometerweit fahren wir oberhalb des Strandes entlang, der Blick auf das Meer, ab und an von blühenden Ginsterbüschen und Kiefern unterbrochen.
Nicht so gut finde ich, dass die Fahrradwege Schotterwege sind, da ich früher einmal ganz böse auf einem ’Schotterbett‘ gestürzt bin.

Überall Fischräuchereien und natürlich Eisstände. Das dänische Eis ist nicht süß, eigenartigerweise, sagt mein Mann. Und der muss es wissen bei seinem Eiskonsum!

Drei Tage gab es kein Wlan im Ferienhaus-
es war angenehm! Keinerlei Nachrichten, aber dann am vierten Tag wieder Nachrichten. Endlich!
Natürlich auch über Affenpocken.
Die Immunität ist gegeben, sagt das RKI und außerdem trifft es nur Männer, die eng zusammenkamen. Woher weiß das Virus, wer Mann und wer Frau ist? Und dann die Diversen, werden sie erkannt und verschont? Wir alle haben eine Grundimmunität mit dem Zeichen einer kleinen Narbe am Oberarm, wird vermutet. Zumindest der ehemalige DDR-Bürger hat sie.
Herr Prof. Dr.L. sagte, dass es kein Grund für eine Pandemie sei. Wenn aber doch?
Dann sind wir im Herbst alle in der Apoqua (Affenpockenquarantäne).

In Dänemark ist die Welt in Ordnung.
Der Däne an sich ist ein gemütlicher Familienmensch. Sie zählen zu den glücklichsten Menschen der Welt. Sogar die Babys sollen weniger schreien.
Der typische Däne verbringt seine Freizeit mit Sport, Spiel oder regem Vereinsleben. Doch auch das unspektakuläre Hygge mit der Familie vor dem Fernseher gilt als anerkannte Freizeitbeschäftigung.
Das öffentliche Leben ist nicht nur für Erwachsene eingerichtet, sondern es wird sich auch um mitgebrachte Kinder gekümmert. Es gibt überall Kinderbereiche und Spielplätze. Es soll sehr hyggelig sowohl im Privatleben und auch in den Schulen zugehen.
Die Dänen beginnen ihre Arbeit zeitig am Morgen, um dann pünktlich um 15 Uhr Feierabend zu machen. Die 37 Stunden Woche gilt!
Während in Deutschland nur die Arbeitskraft zählt, vertritt man hier die Auffassung, einen kompletten Menschen im Team zu haben, für den man auch Verantwortung zu übernehmen hat. Allerdings sind die Dänen manchmal unflexibel, wenn es um Veränderungen geht. Warum etwas anders machen, wenn es immer ging?
Der Däne grillt gern, fast so gern wie der Neuseeländer. Und sie helfen sich gegenseitig. Nachbarschaftshilfe wird groß geschrieben.
Sie sind auch sehr pünktlich, die Dänen. Kommt man beim Arzt zu spät, kann es passieren, dass man wieder nach Hause geschickt wird.
Insgesamt sind die Dänen zufrieden, wenn sie sich als wertvollen Teil von Familie und Gesellschaft wissen. Dass sie ihr Land lieben, sieht man an den vielen Flaggen. Selten eine Flagge eines anderen Landes, immer die rot-weiße Fahne👍

Natürlich habe ich das nicht in der kurzen Zeit herausgefunden, sondern eine Freundin gefragt, die lange Zeit in Dänemark lebt.
Ein gelebtes Beispiel finde ich in der ‚Maltfabrikken‘ in Ebeltoft.

Eine alte Malzfabrik wurde in eine lebendige Kulturfabrik umgebaut, in einen Umdrehungspunkt für Gewerbe, öffentliche Dienstleistungen und kulturelle Veranstaltungen, von dem alle profitieren. Kunst, Kultur, Gastronomie, Festivals- alles unter einem Dach. Außen ist ein großer Abenteuerspielplatz angelegt. Mich begeisterte am meisten die öffentliche Bibliothek und was man mit Büchern alles anstellen kann. Im Keller eine Mälzerei und Mikrobrauerei, deren Bier köstlich schmeckte.

Es gibt vieles zu sehen und erleben und würde zu weit führen, alles aufzuzählen. Erwähnenswert ist aber doch, dass ich mehrere Hühnergötter in Grenaa fand 😄 und dass unser treuer Begleiter, der Volvo, inzwischen über 30 Jahre alt und ein OLDTIMER ist.

Etwas hat mich aber doch total beeindruckt.
An einem Regentag fahren wir auf Wunsch des Gatten in ein Oldtimer-Museum nach Allingåbro. Es entpuppt sich als eine Werkstatt, in der zehn Männer der älteren Generation ‚werkeln‘. Sie schrauben und montieren an Oldtimern.

Im Nebenraum stehen einige fertige Modelle und der Gatte bekommt leuchtende Augen, kann er doch von Erlebnissen mit Fahrzeugen dieser Generation aus seinen Kindertagen in den 50-iger erzählen.

Es entspinnt sich ein lebhafter Wortwechsel mit den Männern vor Ort- das Leben kann so schön sein.
100 Leute zählen zu dem Club, zehn davon arbeiten regelmäßig in ihrer Freizeit im Museum. Sie wirken sehr zufrieden und glücklich, irgendwie hyggelig.
Mit einem Antrag als Mitglied dieses Clubs fahren wir weiter. Es sind nur 700 km, die uns von Allingbrœ trennen, müsste zu schaffen sein, oder?
So kann der Urlaub weitergehen.

Herr B. kauft ein

In unserem Herrenkonfektionsgeschäft am Marktplatz weiß man, es ist wieder soweit. Die Spezie der Gattung Mann in Ausführung von Herrn Brotschkowski, kurz Herr B. genannt, ist wieder unterwegs.
Einkaufen gehört für Herrn B. zu den Höhepunkten seines Alltages. Er verbindet diese Ausflüge meist mit einem Gaststättenbesuch. Das Restaurant darf nicht zu teuer sein und sollte die deutsche Küche auf dem Speiseplan haben. Die abgestandene Luft speichert Herr B. gern in seiner Kleidung.
Mit einem breitem Lächeln und seiner Gattin am Arm betritt er an diesem frühsommerlichem Tag das Geschäft.
Sofort breitet sich dieser typische Geruch nach Kochdünsten, Zwiebeln und frittiertem Öl, aus. Dieser Geruch bildet eine perfekte Symbiose mit seinem eigenen Körpergeruch von altem Schweiß.
Herr B. möchte immer von mir, der Inhaberin, bedient werden. Darauf besteht er. Was auch kein Problem ist, da in dem Moment , wo Herr B. das Geschäft betritt, jeder der Angestellten sofort stark beschäftigt ist.
Ich bewundere sein frisches Aussehen und die geschmackvolle Kleidung. Dann folgt der obligatorische Satz des Herrn B., dass er das alles nur hier in diesem Geschäft kauft. Ich hatte beim Hereinkommen des Herrn B. seine Kleidung taxiert und registriert, dass davon nichts je in unserem Angebot war.
Ich lächle.
Herr B. formuliert seine Wünsche. Meist braucht er eine neue Hose. So auch diesmal.
Herr B. isst gern und gut. Seine Hosengröße schwankt deshalb, nicht so seine Meinung von der Größe. Ich bereite ihn behutsam auf seine neue Größe vor, ohne seine Eitelkeit zu verletzen und sein Wohlgefühl zu stören. Halbherzig lehnt sich Herr B. auf. Vergeblich! Der Spiegel ist unbestechlich. Ganz leise sage ich zu ihm, nur er, seine Frau und ich wissen um seine neue Größe. Außen steht nichts und wir sprechen nicht drüber!
Herr B. lächelt seinem Spiegelbild zu, dreht sich mehrfach um die eigene Achse und meint dann:
„Auf Sie ist Verlass, Sie kennen mich und meine Wünsche. Und deshalb kaufe ich nur hier bei Ihnen ein. Die Hose passt wieder perfekt und ich lasse sie gleich an.“ Dabei strahlt er.
Ich lächle.
Während des Bezahlens macht mich Herr B. darauf aufmerksam, dass er den Gutschein der Weihnachtswerbung vom November, den er gerade nicht dabei hat, noch nicht eingelöst und jetzt gerne gut geschrieben haben möchte.
Dem Lehrling, der das hört und zufällig in der Nähe der Kasse steht, fällt der Stapel Hemden aus der Hand. Sein Mund steht offen.
„Du musst noch viel lernen und vor allem ruhiger werden, mein Junge!“, sagt daraufhin Herr B. gönnerhaft zum Lehrling, der mit rotem Kopf die Hemden aufsammelt.
„Und nun gehen wir Kaffee trinken, oder? Am liebsten würde ich Sie mitnehmen, weil es wieder so nett war!“, sagt er zu mir.
Beim Hinausgehen sehen wir alle, dass das Etikett aus der Hose ragt und die Größe deutlich zu sehen ist. Der Lehrling will eilfertig etwas sagen, aber ich meine zu ihm:
„Du willst doch Herrn B. nicht den Tag verderben, oder? Wo er doch so ein Netter ist.“

Nimm mich

Corona macht eine Pause.
Noch nicht so ganz und keiner weiß, ob es vielleicht ein Dauerzustand wird. Auch ich mache mit meinen Corona-Splittern eine Pause.
Neue Themen- neues Glück!

Nimm mich

Sie haben sicher auf dem Wege zu einem Ihrer Strandspaziergänge gesehen, wie ich so lässig in der Sonne döse. Seien Sie mal ehrlich, würden Sie mich nicht gerne berühren? Einfach so? Nur um mich mal zu spüren? Ich zähle zu denen, die man nicht unbedingt zum Leben braucht. Besitzt man mich jedoch, so löse ich körperliche Lust, Sinnlichkeit aus.

Einer dieser Lustbeziehungen war ich schon ganz nahe oder anders gesagt, dieser aufregende Mann wollte sie mit mir ausleben. Es war Liebe auf den ersten Blick! Er mochte meine Farbe und meine weiche Haut. Er begehrte mich. Ich schmiegte mich an seinen Körper, der perfekt für mich gemacht schien. Immer wieder strichen seine Hände über mich, verweilten kurz auf meiner zarten Oberfläche, drückten, ja, fast kann ich sagen, knüllten mich zusammen, um dann wieder in ein Streicheln zu verfallen. Ein verzücktes Lächeln begleitete diesen Akt. Ich war wie für ihn gemacht. Seine Körperwärme erhitzte mich und ließ uns noch enger zusammen sein. Sein Blick blieb nur immer in seiner Körpermitte hängen, die ein wenig herausragte. Der Bauch hatte gegenüber den Schultern nicht das rechte Verhältnis, eines zuviel, das andere zu wenig. Das war die sensible Stelle, auf die sich seine Blicke zunehmend konzentrierten. Eine Dissonanz, sicher, die man aber ändern könnte. Mich störte es nicht, denn ich fühlte mich wohl bei ihm.

„Was willst du denn mit der?“, hörte ich eine schrille Stimme. Sie gehörte einer jungen Frau mit bleichblondiertem Haar und knallengen Jeans. Der Bauch der Frau wehrte sich gegen das Eingepresstsein und hing über dem Hosenbund. Er wurde durch Anspannen der schwach ausgeprägten Muskulatur ständig zur Ordnung gerufen, nutzte aber jede Möglichkeit, um wieder aus der Hose zu drängen.

„Wieso? Was hast du denn?“, antwortete der Mann und drehte sich langsam um. Seine Zuneigung zu mir war bereits Liebe. Doch es machte sich Enttäuschung in ihm breit. Ich spürte es. Seine Schultern fielen herab.

„Du willst die doch nicht etwa haben? Diiiie? Die kannst du dir doch gar nicht leisten!“, hörte ich die Frau zwischen Baucheinziehen und Atmen sagen. Die Hände des Mannes strichen wieder über mich hinweg. Es war ein anderes Streicheln, langsamer, schon ein wenig mit Wehmut vermischt. Ich spürte den Abschied, ehe er ihn vollzog. Er übergab mich wieder der Verkäuferin, die mich erneut im Schaufenster drapierte. Und da liege ich nun, eine sattbraune Lammnappa-Jacke, warte auf eine neue Leidenschaft, auf einen Mann, der mit mir einen Lebensabschnitt verbringen möchte.

Und die Sonne scheint weiterhin heiß vom Himmel.

Corona-Splitter (29)

Lilly und Cilly

Die Farbkombination blau-gelb besitzt seit einiger Zeit eine neue Bedeutung, überall sehe ich sie, denke nun anders über Europa-Flaggen oder Firmenlogos oder Outfits von Fremden nach, die ich zufällig im Alltag sehe. Ja, es ist eine Zeit der Verwirrung, der Deprimiertheit und der Angst.
Es ist Krieg in Europa.

Die Frage steht, braucht man diese ‚Splitter‘ mit letztlich banalem Inhalt in derartigen Krisenzeiten ?
Sie zeigen, dass wir teils keine existenzielle Probleme haben und den Alltag genießen können. Wie schnell das vorbei sein kann, lesen und hören wir gerade in den Nachrichten. Ich muss an dieses Zitat von Philippe Dijan denken: »Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler.«
Ich hoffe, dass ich mit dieser kleinen Kolumne dem einen oder der anderen die Zeit im Homeoffice oder woanders vertreiben kann.

Sie kommen unangemeldet.
Ich lade sie nicht ein. Jetzt, in Zeiten von Corona, wird sowieso seltener eingeladen. Nein, sie laden sich selbst ein und lassen sich ganz, ganz schwer wieder ausladen. Früher gab es Zeiten, an denen sie überhaupt nicht auftauchten. Ja, ich wusste gar nicht, dass sie existieren.
Jetzt sind sie da, ständig.
Am Anfang hoffte ich, sie werden wieder verschwinden. Doch weit gefehlt! Ich ignoriere sie. Was sie in keinster Weise stört. Ich rege mich masslos auf, beschimpfe sie. Ohne Erfolg!
Jeden Morgen grinsen sie mich an. Ich versuchte schon, sie auszuhungern. Sie bekamen so gut wie nichts mehr zu essen, was anstrengend war. Eine Kontaktsperre zum Kühlschrank gab und gibt es ja nicht! Das half- kurzzeitig. Sie verschwanden für einige Tage, um dann ganz frech wieder aufzutauchen. Und das in Momenten, wo ich nicht mit ihnen rechnete.
Um ihnen beizukommen, musste ich meine Taktik ändern.
Ich arrangierte mich mit ihnen. Wir schlossen einen Pakt und -welch ein Wunder- sie hielten sich dran.
Bis heute!
Wir einigten uns, dass sie jetzt zu mir gehören, es kein Verstossen mehr von meiner Seite gibt. Vom Lieben bin ich allerdings meilenweit entfernt!
Morgens begrüssen wir uns, ich oftmals unwirsch. Abends sagen wir uns ‚gute Nacht‘- auch nicht unbedingt fröhlich. Wenn ich ganz ehrlich bin, hasse ich sie noch immer.
Sie aber sind glücklich über den neuen Zustand, denn sie möchten unbedingt dazugehören. Die Rolle der notorischen Störenfriede war auch für sie undankbar. An besonderen Ereignissen ziehen sie sich zurück, tatsächlich sind sie dann nicht sichtbar. Wie sie das wohl machen? Oder will ich sie in besonderen Momenten nur nicht sehen?
Ich weiss natürlich, dass sie da sind, meine Lilly und meine Cilly, meine beiden „Speckröllchen“.

Inzwischen gehören sie richtig zu mir und wenn ich ehrlich bin, mag ich sie auch. Deshalb bekamen sie einen Namen. Und das Verrückte an der Sache ist, von Aussenstehenden werden sie oftmals wenig wahrgenommen oder als störend empfunden.
Würde ich sie weiterhin aushungern, was würden sie wohl machen? Richtig!
Lilly und Cilly würden sich in ihre Speckfäustchen lachen.
Laut und lange.

Corona-Splitter (28)

Erinnerungen

Ich bin gegen Krieg und gegen jegliche Aggressionen. Punkt.
Es ist Krieg in Europa.
Sieben Jahre nach dem zweiten Weltkrieg geboren, dachte ich, dass ich das selbst nicht mehr erlebe. Bis jetzt bin ich nicht betroffen, was sich ändern kann. Noch gibt es keinen Mangel. Auch das wird sich ändern.
Die Erinnerungen an die späten Nachkriegsjahre sind lückenhaft. Manches läuft wie ein Film ab, Geräusche rufen Erinnerungen hervor und vor allem Kälte ist für mich stark präsent. Ich habe oft gefroren und vermute heute, dass es auch eine emotionale Kälte war, der ich ausgesetzt war. Wir waren fünf Geschwister in kurzen
Geburtsabständen, da gab es andere Schwerpunkte, um das Leben zu meistern.
Teilweise wurden wir als Kinder ausgegrenzt, weil wir so anders waren, oft nicht mithalten konnten bei den materiellen Dingen und später bei den Schulausflügen.
Diskriminierungen gab es immer und auch jetzt gibt es welche.
A b e r – ein Mensch ist immer ein Mensch!
Meine Gedanken sind bei den vielen Flüchtlingen und ich hoffe, dass sie zurück in ihre Heimat können. Irgendwann.

Ich hörte heute, dass russische LKW- Fahrer ausgegrenzt werden und bin entsetzt. Sie stehen auf Parkplätzen und kommen nicht weiter, da das Geld auf den Banken eingefroren ist. Kein Sprit und keine Nahrung. Sie haben den Krieg nicht angezettelt. Sie sind Menschen.

Ende der fünfziger Jahre hatte ich Erlebnisse mit Russen-Autos.
Wir wohnten in der Nähe einer deutschen und einer Russen-Garnision, die nebeneinander lagen. Meine Mutter arbeitete in der deutschen als Sekretärin und ich holte sie manchmal ab. Der Weg war weit, Geld für den Bus hatte ich nicht. Manchmal hielt ein russisches Militär -Auto an und ich wurde gefragt, wohin ich will und ob ich mitfahren möchte.
Ich fuhr immer mit.

Ich erinnere mich an den intensiven Tabakgeruch, sehe die schweren Stiefel und den Stern an den Mützen und erinnere mich an die Freundlichkeit der Russen. Sie sangen ihre schwermütigen Lieder und gaben mir Mischka-Konfekt.
Eigenartigerweise hatte ich nie Angst.
Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich mir schwer vorstellen, dass ich so unbedarft war.
Solch eine kindliche Unbedarftheit gibt es heute nicht mehr. Die Kinder von heute sind meist extrem behütet und selbst das Spielen auf der Straße wird als Gefahr angesehen. Ich vermute, dass es dafür Erfahrungen gibt.

In der fünften Klasse hatte ich wie alle eine russische Brieffreundin. Swetlana wohnte in Wladiwostok. Wir schickten uns Sonnenblumenkerne und Bonbonpapier, malten Blumen auf Briefpapier und warteten sehnsüchtig auf Post. Sie schickte mir ein rotes Halstuch, auf das ich stolz war.

Ich denke, jeder hat Kindheitserinnerungen, die in der heutigen Zeit lebensfremd anmuten, man sich teils nicht vorstellen kann.
Ich wünsche mir, dass die ukrainischen Kinder wieder in ihre Heimat zurückkehren können und eine Kindheit haben, an die sie sich gern erinnern.

Es ist immer noch ein Corona-Splitter!!

Unser Gesundheitsminister hat heute wieder vor Optimismus gewarnt.
„Wir müssen mit einer Sommerwelle rechnen“, sagte er und dass er es für möglich hält, dass das Coronavirus noch für mehrere Jahrzehnte bleibt.
Wer hätte das gedacht.

Corona-Splitter (27)

Melancholie in Rubin

Vor einigen Tagen bekam ich eine Rose geschenkt. Ich war überrascht und erfreut zugleich. Inzwischen ist sie leicht verblüht und ich schaue etwas melancholisch auf die Blüte. Das Wetter ist typisch für den Februar, nasskalt und trist.

Melancholie – die positive Traurigkeit
I’ve got the blues …
Wer kennt solche Tage nicht: Man ist schwermütig und hat nahe am Wasser gebaut. Beinahe ist es, als ob sich ein feiner Schleier über die Seele gelegt hat, der alles in einem traurigen Licht erscheinen lässt. Keine Lust auf Smalltalk mit Freunden, der in diesen Zeiten eh schwierig ist, lieber allein sein , den Gedanken nachhängen, tagträumen.
In unserer heutigen Spaßgesellschaft scheint dieser Zustand fast etwas „Uncooles“, etwas Anormales, ja Krankhaftes an sich zu haben. Daher kommt auch die weit verbreitete Meinung, dieser Zustand müsse mit allen Mitteln bekämpft werden. Wirklich?
Nicht unbedingt.
Ich werde in mich hineinhören und versuchen, herauszufinden, ob es eine Ursache für diese Stimmung gibt.
Frage steht: Warum mag ich Rosen und keine Nelken?
Mit Rosen oder besser mit EINER Rose verbinde ich ein Erlebnis Mitte der 70iger Jahre in Leipzig.
Das Studium war erfolgreich abgeschlossen und ich arbeitete in einem Berliner Lebensmittelbetrieb, der u.a. Mayonnaisen produzierte, deren Fettgehalt reduziert werden sollte.

Dazu gründete das Ernährungsinstitut Potsdam-Rehbrücke eine Arbeitsgruppe, in die ich berufen wurde. Wir trafen uns regelmäßig und stellten die Ergebnisse vor. Als Ziel diente uns ein ähnliches Produkt wie MIRACEL WHIP, eine fettreduzierte Salatsauce aus der BRD. Das fertige Produkt bei uns hiess später Salatcreme.
Als Abschlussveranstaltung für dieses Projekt war in Leipzig eine Weinverkostung mit einem Kulturprogramm organisiert. Eine Nacht im Hotel Stadt Leipzig inclusive!
Alkohol gehörte damals nicht unbedingt zu meinen Grundnahrungsmitteln und ich vertrug wenig oder besser gesagt, nichts. Am Abend kamen Weißweine, Rotweine und zum Abschluss einen Rotkäppchen Sekt mit entsprechenden Erklärungen zur Verkostung. Zur Geschmacksneutralisierung wurde Weizenbrot gereicht.
Da mein Zug Verspätung hatte, verpasste ich das Essen davor und trank sozusagen auf leeren Magen. Die Wirkung trat sofort ein! Ich wurde übermütig und als ein Schlangenbändiger mit einer lebigen Schlange auftrat und in die Menge rief, wer denn diese Schlange um den Hals gelegt bekommen will, meldete sich niemand.
Doch. Eine. Ich. Ich meldete mich!

Ein sicheres Zeichen dafür, dass ich definitiv nicht mehr nüchtern war.
Ich erinnere mich, dass ich keinerlei Angst hatte und immerzu mit dem Bändiger lachte, fast ein wenig flirtete, die Schlange um den Hals zu liegen hatte und das Publikum amüsiert klatschte.

Daran, wie ich in mein Hotel zurückgekommen bin, erinnere ich mich nur bruchstückhaft. Ganz sicher weiß ich, dass ich am nächsten Tag weit nach 11 Uhr aufwachte, mir kotzübel war, ich mich mehrfach übergeben und das Zimmer für diesen Tag bezahlen musste,
Als ich endlich aus meinem Zimmer trat, lag vor der Tür eine rote Rose, langstielig und wunderbar dunkelrot.
Ich erfuhr nie, wer der edle Spender war.

Inzwischen hat sich ein Lächeln in mein Gesicht geschlichen und die melancholische Stimmung vertrieben. Vielleicht ist das nicht unbedingt eine Erinnerung, die für mich spricht, aber sie gehört zu mir. Was wäre das Leben langweilig, wenn ich nicht auch auf solche Begebenheiten zurückblicken könnte. Deshalb werde ich mit mir darauf anstoßen. Womit?

Mit einem Glas Rotkäppchen Sekt, Sorte Rubin – womit sonst?

Corona-Splitter (26)

Solche Tage und die Resilienz

Die Pandemie hat uns nach wie vor im Griff. Man spricht davon, dass der Frühling Erleichterungen bringen wird. Wettermässig auf jeden Fall. In einer Seitenstraße fand ich diese Winterlinge. Der erste Vorbote einer angenehmeren Zeit?

Immer wieder lese ich, dass jetzt Resilienz gefragt ist. Dabei handelt es sich um einen Begriff aus der Psychologie, der die Fähigkeit beschreibt, u.a. Krisen zu meistern, ohne sich davon dauerhaft unterkriegen zu lassen. Statt ohnmächtig und hilflos das eigene Leben zu betrachten und in Selbstmitleid zu versinken, verhilft Resilienz dazu, weiterzumachen und das Tief zu überwinden.
Ich gehöre zur großen Gruppe der Rentner, für die, Gesundheit und materielle Sicherheit vorausgesetzt, die Pandemie leichter zu ertragen sein soll. Der Genuss des natürlichen Erwachens lässt die Tage meist stressfrei beginnen. Dann beginnt der Alltag, der gestaltet werden will. Ab da wird es schwierig , da vieles nur begrenzt oder gar nicht möglich ist. Schwimmen? Ja, ist möglich, in der Ostsee. Etwas kühl, sicher, man gewöhnt sich daran, wenn man im September nicht mit dem Baden aufhört hat. Seit Wochen keine Kultur im ganzen Mecklenburger Land trotz guter Konzepte. Das ständige Testen hält von vielen Aktivitäten ab. Jetzt ist Fantasie gefragt!

Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch und lechze nach spontanen Begegnungen.
Ein guter Ort dafür ist unser Wochenmarkt am Samstag. Da er fast vor unserer Haustür stattfindet, benötige ich maximal 1/2 Stunde, um meine Einkäufe zu erledigen. Was heißt benötige?
Benötigte muss es heißen, denn das ist inzwischen einer der wichtigen Ort für Begegnungen! Oder sollte es sein, denn auch der Markt findet mittlerweile immer reduzierter statt. Mehrere Händler haben ihr Kommen eingestellt. Nunmehr ist alles sehr übersichtlich.
Während ich früher ein schnelles HALLO rief, traf ich auf Bekannte, bleibe ich jetzt stehen und beginne eine Unterhaltung oder lasse mich in eine verwickeln.

Am Stand von Sybille, meist mein erster Stopp, kaufe ich ’nen Sack Kartoffeln, ’n paar Karotten, Rosenkohl und frische Eier, erfahre, dass es dem Gatten gut geht, der Hühnerverkauf läuft und dann noch: „… du weißt schon!“
Letzteres dauert länger und ich bin bemüht, den Gesprächsfluss zu stoppen, da die Schlange hinter mir schon lang ist.
„Komm nachher nochmals vorbei“,
höre ich sie sagen „… dann erzähle ich den Rest“. Mal sehen.

Weiter geht’s an meinen Lieblingsstand mit Wildfleisch. Ah, der Chef ist selber da, ein attraktiver Mitt40iger, der immer freundlich ist. Heute mit Hut- wow!
„Ich habe ich Filet von Hirsch und Reh!“, begrüßt er mich. Das klingt gut. Ich entscheide mich jedoch für Wildschweinschulter , weil ich Gulasch zubereiten will. Insgesamt wird aber Reh und Hirsch bevorzugt, meint er. Egal, diese Woche gibt es Gulasch. In einigen Teilen von Deutschland dürfen wegen Afrikanischer Schweinepest keine Wildschweine geschossen werden. Aber auch dort, wo der Abschuss möglich ist, reichen Abschussprämien nicht, um die Wildschweinbevölkerung unter Kontrolle zu bekommen. Einige Dorfbewohner können den Wildschweinen beim Durch-Ackern der Böden in ihren Vorgärten zusehen, wo sie mit der ganzen Familie auftauchen. Zusammenhalt in der Familie zählt auch zur Resilienz.
MVP ist noch nicht betroffen, aber die Schweine werden vor der Zerlegung auf ASP untersucht. Problematisch ist, dass das Ergebnis erst nach ein paar Tagen vorliegt. Der Aufwand insgesamt ist größer, was sich in den Preisen niederschlägt. Das wiederum wird nicht immer akzeptiert und muss mit den Kunden ausdiskutiert werden. Schwierige Situation! Ich sage zu ihm, dass ihm das mit seinem Charme sicher gelingt und verabschiede mich bis zur nächsten Woche. Er lächelt etwas schwach.

Dem Mann mit den gletscherblauen Augen vom Broilerstand winke ich nur zu. Er lacht und winkt zurück.
Heute ist es ungewöhnlich ruhig und ich bin tatsächlich nach einer halben Stunde wieder zuhause. Für heute ist ein Orkan angekündigt. Kann sein, dass es daran liegt.
Zuhause die Info, dass das Treffen mit den Freundinnen wegen der Sturmwarnung ausfällt. Auch das noch! Wie soll ich da die sieben Säulen der Resilienz aufbauen?

Realismus kombiniert mit Akzeptanz der Situationen ist noch am ehesten möglich.
Optimismus verlieren, würde heißen, alles verlieren. Also optimistisch bleiben und den Geist etwas anstrengen, immer nach dem Spruch: Wenn ICH nichts tue, dann passiert auch nichts!

Corona-Splitter (25)

Ausgebremst

Ein operativer Eingriff hat meine Inspirationsquelle für das Verfassen der »Splitter«, das Radfahren, einige Zeit ausgebremst. Es fällt mir schwer, ruhig zu Hause zu bleiben, aber wenn der Doktor das so sagt, dann mache ich das, so, wie ich immer alles mache, was man mir sagt. Oder so ähnlich.
Heute Morgen las ich in der Zeitung, dass die Pandemie einen regelrechten Sauna-Boom ausgelöst hat. Öffentliche Saunabäder mussten monatelang schließen, dafür verkauften Hersteller zunehmend Saunen an Privatleute. Wir gehören zu dieser Gruppe und waren also Trendsetter im letzten Sommer!
Ich erinnere mich, dass es nicht so einfach war, einen Lieferanten zu finden, da das Holz knapp war. Fündig wurden wir bei einem russischen Lieferanten, der das Material aus Karelien bezog. Specksteine aus Karelien! Immer etwas Besonderes, die Frau W., meinte eine Freundin.
Einer der erfolgreichsten Tischler aus dem Ort hatte ein Zeitfenster zur Anfertigung einer Überdachung für die Sauna. Wunderbar!

Lieferung und Aufbau erfolgten an einem Tage. Gesprochen wurde nicht viel, einfach deshalb, weil wir unsere Russischkenntnisse teilweise vergessen hatten und die Monteure so gut wie kein deutsch sprachen. Kommunikation erfolgte über den Brigadier, was völlig ausreichte. Kaffee und Snacks kann man gut ohne Sprachkenntnisse reichen. Natürlich hätten wir die Sauna auch selbst aufbauen können. Immerhin hatte mein Mann als Kind einen Stabilbaukasten. Aber wir wollten den Sommer noch genießen und die Leute waren hochmotiviert.

Auch der Elektriker konnte das Anschließen kurzfristig einschieben, so dass die Sauna relativ schnell einsatzfähig war.

Ein Problem war und ist die Wasserbereitstellung, da wir keinen Anschluss im Garten haben.
Sollte das ein Problem sein? Eher nicht. Die Regentonne ist meist gut gefüllt, Gießkanne und Schöpfkelle liegen bereit.

Aus dem Bekanntenkreis gab es mehrere Vorschläge, wie wir die Wasserzufuhr gestalten könnten. Vielleicht setzen wir einen der Vorschläge um. Irgendwann.

In Finnland gehört die Sauna zum Alltag wie das Zähneputzen.
Von einer guten Blutzirkulation profitiert neben dem Herz auch das Gehirn, las ich. Ein möglicher Grund, warum extreme Saunagänger ein um 66 Prozent niedrigeres Demenzrisiko haben. Finnische Forscher vermuten außerdem, dass verringerte Entzündungsprozesse das Hirn schützen. Denn bestimmte Entzündungsfaktoren treten bei Saunagängern in niedrigerer Konzentration auf. Noch ein Grund, regelmäßig die Sauna zu besuchen.

Wer ist wer und wann war wo?

Verschiedene Studien bescheinigen der Schwitzkur geradezu Wunderkräfte für die Gesundheit und besagen, dass Saunieren sogar schöner macht. Die Frage steht: Noch schöner?
Auf jeden Fall ein Grund, ein kollektives Saunieren zu veranstalten, denn in der Gruppe ist der Spaßfaktor doppelt so hoch.

Zwei meiner Freundinnen waren sofort bereit, sich mit mir in die Sauna zu setzen, Wasser auszuschwitzen und sich im Garten mit dem Wasser aus der Tonne zu übergießen. Ich weiß nicht, wie die Nachbarn das hysterische Quieken und unbändige Lachen gedeutet haben, das an einem frühen Abend vom Hof erschallte.
Die Zeit zwischen den Außengüssen konnte für einen inneren Aufguss genutzt werden: ein Crémant geht immer! Kleine gesunde Snacks rundeten die Pause ab und dann erfolgte der zweite Gang.

Zu dritt verging die Zeit wesentlich schneller, als wenn wenn ich allein in der Sauna meiner Gedankenflut nachhängen würde.

Mit rosigen Gesichtern und samtener Haut saßen wir später am Tisch und verputzten ein „Spreizhuhn“ aus dem Backofen. Die Stimmung war gut und wir sagten wie früher in der KNORR-Werbung:

Das machen wir mal wieder!

Corona-Splitter (24)

Das neue Splitter-Jahr

Zwei ereignisreiche Wochenenden sind fast vorüber. Allgemein und in den Medien nannte man sie Weihnachten und Jahreswechsel. Aber letztlich waren es verlängerte Wochenenden, da der Freitag normalerweise Arbeitstag ist.
Der größte Unterschied zu einem normalen Wochenende war das Essensangebot.
Stand Deutschland vor einem Hungertod? Nein, natürlich nicht, es galt einfach, sich etwas Besonderes zu gönnen und das Besondere können eben auch viele Kalorien sein. Am ersten der Wochenenden gab es für die meisten Geschenke, die unter einem Baum lagen. Für einige nicht.
Hatten sie es nicht verdient? Doch, das hatten sie. Es waren entweder keine Schenker da oder aber sie hatten den Geschenken abgeschworen.
Jeder hat für diese Zeit andere Traditionen und für mich beginnen diese Völler-Tage mit einem Karpfenessen.
Schon der Gang zu dem ambulanten Verkaufsstand vor dem Ort löste Vorfreude aus. Ah, sehr gut, der Verkäufer war immer noch der gleiche und er grinste, als er mich sah.
»Wie immer?«, hörte ich ihn fragen und er begann mit dem Kescher die Karpfen umzuwühlen. Drei, die das eventuelle Gewicht hatten, schöpfte er aus dem großen Bottich und kippte sie in den kleinen. Einer der Karpfen wollte entkommen und sprang heraus.
Er hatte keine Chance!

Gefühlsmäßig war halb Deutschland in das Fischerdorf gereist, um die Tage hier zu verleben.
Trotz der Corona-Beschränkungen!
Vom Versorgungsmarkt, der ursprünglich Weihnachtsmarkt hieß, ertönte lautes Gelächter und die Schlangen an den Glühweinständen waren lang. Die kleine Eisenbahn sprühte zur Freude der Kinder Funken, wenn sie kreischend um die Kurven fuhr.

Das Wetter spielte mit. Es schneite und der Schnee blieb fast zwei Tage liegen. Die Temperaturen fielen in den Minusbereich. Es herrschte Sturm, der das Wasser weit an den Strand drängte, wo es gefror. Fast alle hatten die Idee, einen Strandspaziergang zu unternehmen. So stelle ich mir eine Völkerwanderung vor. In Zweier- und Dreierreihen marschierten die Besucher und Einheimischen von der Mole Richtung Wilhelmshöhe und zurück. Einen Stopp gab es an der Eisbahn, wo es für die Ungeschickten Ausrutscher gab. Erster Vorgeschmack auf den Rutsch in das neue Jahr? Vielleicht nicht ganz.

Am zweiten Wochenende war die Stimmung genauso gut. Inzwischen fand ein kleiner Wechsel der Besucher statt. FeWo sollen ausgebucht gewesen sein. Das Wetter spielte nicht mehr so richtig mit- sehr regnerisch! Aber Glühwein geht immer und der Versorgungsmarkt war nach wie vor offen.

Die Strassen voller Menschen, die ein Lächeln oder eine Maske im Gesicht hatten.
Das neue Jahr konnte kommen, die Menschen waren für den Empfang bereit.
Und tatsächlich: Pünktlich am 31.12.2021 um 24 Uhr ertönten die Kirchenglocken und läuteten es ein, das Jahr 2022!

PS.
Prominente Virologen sehen Anlass für vorsichtigen Optimismus bei der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland. Es kann passieren, dass es eine Entwicklung von der pandemischen in die endemische Situation geben wird.
Das hiesse, dass sich das Virus zwar weiterhin verbreitet, aber weniger gefährlich ist, etwa vergleichbar mit typischen Erkältungsviren, zu denen auch andere Coronaviren zählen.

Wer hätte das gedacht?!