Corona-Splitter (25)

Ausgebremst

Ein operativer Eingriff hat meine Inspirationsquelle für das Verfassen der »Splitter«, das Radfahren, einige Zeit ausgebremst. Es fällt mir schwer, ruhig zu Hause zu bleiben, aber wenn der Doktor das so sagt, dann mache ich das, so, wie ich immer alles mache, was man mir sagt. Oder so ähnlich.
Heute Morgen las ich in der Zeitung, dass die Pandemie einen regelrechten Sauna-Boom ausgelöst hat. Öffentliche Saunabäder mussten monatelang schließen, dafür verkauften Hersteller zunehmend Saunen an Privatleute. Wir gehören zu dieser Gruppe und waren also Trendsetter im letzten Sommer!
Ich erinnere mich, dass es nicht so einfach war, einen Lieferanten zu finden, da das Holz knapp war. Fündig wurden wir bei einem russischen Lieferanten, der das Material aus Karelien bezog. Specksteine aus Karelien! Immer etwas Besonderes, die Frau W., meinte eine Freundin.
Einer der erfolgreichsten Tischler aus dem Ort hatte ein Zeitfenster zur Anfertigung einer Überdachung für die Sauna. Wunderbar!

Lieferung und Aufbau erfolgten an einem Tage. Gesprochen wurde nicht viel, einfach deshalb, weil wir unsere Russischkenntnisse teilweise vergessen hatten und die Monteure so gut wie kein deutsch sprachen. Kommunikation erfolgte über den Brigadier, was völlig ausreichte. Kaffee und Snacks kann man gut ohne Sprachkenntnisse reichen. Natürlich hätten wir die Sauna auch selbst aufbauen können. Immerhin hatte mein Mann als Kind einen Stabilbaukasten. Aber wir wollten den Sommer noch genießen und die Leute waren hochmotiviert.

Auch der Elektriker konnte das Anschließen kurzfristig einschieben, so dass die Sauna relativ schnell einsatzfähig war.

Ein Problem war und ist die Wasserbereitstellung, da wir keinen Anschluss im Garten haben.
Sollte das ein Problem sein? Eher nicht. Die Regentonne ist meist gut gefüllt, Gießkanne und Schöpfkelle liegen bereit.

Aus dem Bekanntenkreis gab es mehrere Vorschläge, wie wir die Wasserzufuhr gestalten könnten. Vielleicht setzen wir einen der Vorschläge um. Irgendwann.

In Finnland gehört die Sauna zum Alltag wie das Zähneputzen.
Von einer guten Blutzirkulation profitiert neben dem Herz auch das Gehirn, las ich. Ein möglicher Grund, warum extreme Saunagänger ein um 66 Prozent niedrigeres Demenzrisiko haben. Finnische Forscher vermuten außerdem, dass verringerte Entzündungsprozesse das Hirn schützen. Denn bestimmte Entzündungsfaktoren treten bei Saunagängern in niedrigerer Konzentration auf. Noch ein Grund, regelmäßig die Sauna zu besuchen.

Wer ist wer und wann war wo?

Verschiedene Studien bescheinigen der Schwitzkur geradezu Wunderkräfte für die Gesundheit und besagen, dass Saunieren sogar schöner macht. Die Frage steht: Noch schöner?
Auf jeden Fall ein Grund, ein kollektives Saunieren zu veranstalten, denn in der Gruppe ist der Spaßfaktor doppelt so hoch.

Zwei meiner Freundinnen waren sofort bereit, sich mit mir in die Sauna zu setzen, Wasser auszuschwitzen und sich im Garten mit dem Wasser aus der Tonne zu übergießen. Ich weiß nicht, wie die Nachbarn das hysterische Quieken und unbändige Lachen gedeutet haben, das an einem frühen Abend vom Hof erschallte.
Die Zeit zwischen den Außengüssen konnte für einen inneren Aufguss genutzt werden: ein Crémant geht immer! Kleine gesunde Snacks rundeten die Pause ab und dann erfolgte der zweite Gang.

Zu dritt verging die Zeit wesentlich schneller, als wenn wenn ich allein in der Sauna meiner Gedankenflut nachhängen würde.

Mit rosigen Gesichtern und samtener Haut saßen wir später am Tisch und verputzten ein „Spreizhuhn“ aus dem Backofen. Die Stimmung war gut und wir sagten wie früher in der KNORR-Werbung:

Das machen wir mal wieder!

Corona-Splitter (24)

Das neue Splitter-Jahr

Zwei ereignisreiche Wochenenden sind fast vorüber. Allgemein und in den Medien nannte man sie Weihnachten und Jahreswechsel. Aber letztlich waren es verlängerte Wochenenden, da der Freitag normalerweise Arbeitstag ist.
Der größte Unterschied zu einem normalen Wochenende war das Essensangebot.
Stand Deutschland vor einem Hungertod? Nein, natürlich nicht, es galt einfach, sich etwas Besonderes zu gönnen und das Besondere können eben auch viele Kalorien sein. Am ersten der Wochenenden gab es für die meisten Geschenke, die unter einem Baum lagen. Für einige nicht.
Hatten sie es nicht verdient? Doch, das hatten sie. Es waren entweder keine Schenker da oder aber sie hatten den Geschenken abgeschworen.
Jeder hat für diese Zeit andere Traditionen und für mich beginnen diese Völler-Tage mit einem Karpfenessen.
Schon der Gang zu dem ambulanten Verkaufsstand vor dem Ort löste Vorfreude aus. Ah, sehr gut, der Verkäufer war immer noch der gleiche und er grinste, als er mich sah.
»Wie immer?«, hörte ich ihn fragen und er begann mit dem Kescher die Karpfen umzuwühlen. Drei, die das eventuelle Gewicht hatten, schöpfte er aus dem großen Bottich und kippte sie in den kleinen. Einer der Karpfen wollte entkommen und sprang heraus.
Er hatte keine Chance!

Gefühlsmäßig war halb Deutschland in das Fischerdorf gereist, um die Tage hier zu verleben.
Trotz der Corona-Beschränkungen!
Vom Versorgungsmarkt, der ursprünglich Weihnachtsmarkt hieß, ertönte lautes Gelächter und die Schlangen an den Glühweinständen waren lang. Die kleine Eisenbahn sprühte zur Freude der Kinder Funken, wenn sie kreischend um die Kurven fuhr.

Das Wetter spielte mit. Es schneite und der Schnee blieb fast zwei Tage liegen. Die Temperaturen fielen in den Minusbereich. Es herrschte Sturm, der das Wasser weit an den Strand drängte, wo es gefror. Fast alle hatten die Idee, einen Strandspaziergang zu unternehmen. So stelle ich mir eine Völkerwanderung vor. In Zweier- und Dreierreihen marschierten die Besucher und Einheimischen von der Mole Richtung Wilhelmshöhe und zurück. Einen Stopp gab es an der Eisbahn, wo es für die Ungeschickten Ausrutscher gab. Erster Vorgeschmack auf den Rutsch in das neue Jahr? Vielleicht nicht ganz.

Am zweiten Wochenende war die Stimmung genauso gut. Inzwischen fand ein kleiner Wechsel der Besucher statt. FeWo sollen ausgebucht gewesen sein. Das Wetter spielte nicht mehr so richtig mit- sehr regnerisch! Aber Glühwein geht immer und der Versorgungsmarkt war nach wie vor offen.

Die Strassen voller Menschen, die ein Lächeln oder eine Maske im Gesicht hatten.
Das neue Jahr konnte kommen, die Menschen waren für den Empfang bereit.
Und tatsächlich: Pünktlich am 31.12.2021 um 24 Uhr ertönten die Kirchenglocken und läuteten es ein, das Jahr 2022!

PS.
Prominente Virologen sehen Anlass für vorsichtigen Optimismus bei der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland. Es kann passieren, dass es eine Entwicklung von der pandemischen in die endemische Situation geben wird.
Das hiesse, dass sich das Virus zwar weiterhin verbreitet, aber weniger gefährlich ist, etwa vergleichbar mit typischen Erkältungsviren, zu denen auch andere Coronaviren zählen.

Wer hätte das gedacht?!

Corona-Splitter (23)

Weihnachten 2021

In diesem Jahr wird das Weihnachtsfest sicherlich etwas anders verlaufen.
Die Pandemie und ihre Einschränkungen treffen viele und verlangen ein Umdenken. Familienbesuche werden schwierig, teils unmöglich sein.

Etwas, das da ist und immer da sein wird, ist für mich das Meer.
Es saugt meine Gedanken ein, zieht sie hinaus auf das Wasser und spuckt sie als Wellen wieder aus, nunmehr verändert.
Besser? Schlechter?
Wer will das beurteilen. Anders sind sie, die Gedanken und das ist gut so, weil es eine andere Sicht auf das gleiche Problem ermöglicht.

Ich werde am Heiligabend, am späten Nachmittag, nach der Thermoskanne mit dem Glühwein oder vielleicht nach Champagner greifen, mich winterfest ankleiden, in die Wohnung rufen:
“Hast du die Gläser eingepackt?”, und ein sonores JA als Antwort hören.
Wir werden an den Strand laufen und unsere Wünsche in verschlüsselter Form dem Meer übergeben. In dieser Form deshalb, damit das Meer sie entschlüsselt und so zurückgibt, wie wir es uns wünschen.
Aber- will ich, dass jeder Wunsch erfüllt wird? Ist nicht manchmal der Weg das Ziel?
Meine Gedanken werden auch bei den Menschen verweilen, die erkrankt sind und auf Genesung hoffen.
Am Meer angekommen wird es vielleicht, wie so oft im Dezember, ruhig sein. Ganz leise wird das Wasser an den Strand plätschern, irgendwie gesättigt, träge und unfähig, irgendwelche Wünsche zurückzugeben.
Wir werden etwas trinken und später langsam zurücklaufen mit Blick in fremde Wohnungen, werden die leuchtenden Weihnachtsbäume sehen, Familien, die am Tisch sitzen und Geschenke auspacken und wir werden einsame Leute sehen, die auf den Fernseher starren.
Das alles wird in die Klänge der Kirchenglocken eingehüllt sein.
Zuhause wartet ein Karpfen aus einem Mecklenburger See auf seine Zubereitung, ein Ritual, das bleibt, egal, ob uns gerade ein Virus beschäftigt.

Frohe Weihnachten!

Corona-Splitter (22)

Schwärmereien

Kürzlich liefen zwei Mädchen im Park vor mir und unterhielten sich. Eine der Beiden blieb plötzlich stehen, sagte laut und fast etwas entrüstet zu ihrer Freundin:
“Du schwärmst wirklich für den, nicht dein Ernst, oder!!?“
Etwas erschrocken drehte sich die Sprecherin um, bemerkte mich und beide liefen schnell weg.
Das Wort ‚schwärmen‘ setzte sich in meinem Kopf fest und brachte mich zum Nachdenken.
Schwärmen wird oft mit Verliebtsein verwechselt, ich vermute, weil die Übergänge fließend sind. Aus einer Schwärmerei kann sich mehr entwickeln. Muss aber nicht. Der Unterschied zum Verliebtsein besteht vielleicht darin, dass eine Verliebte(r) nicht tatenlos schmachten möchte, sondern versucht, der(dem) Angebeteten näher zu kommen. Dem oder der Schwärmenden genügt ein Anhimmeln aus der Ferne. Die Vorteile liegen auf der Hand. Nur so können dauerhaft eigene Wünsche und Vorstellungen auf die andere Person und die imaginierte Beziehung projiziert werden. Das Ideal wird nicht der Konfrontation mit der Wirklichkeit ausgesetzt.

Ich erinnerte mich an eine Jugendschwärmerei und musste lächeln.

An meinem ersten Tag auf der Erweiterten Oberschule rutschte ich auf der Treppe aus und schlug mir an der eisenbeschlagenen Treppenkante das Knie auf.
Es war das rechte Knie mit der großen Brandnarbe auf der Kniescheibe. Der Schmerz ließ mich zusammenzucken und aufschreien. Das Blut schoss aus der Wunde und ich wimmerte noch mehr. Eine fremde Hand ergriff meinen Arm und zog mich hoch. Ich blickte in das Gesicht eines Jungen, der mich aufmerksam musterte und fragte: „Alles ín Ordnung? Kannst du laufen?“
Ich starrte ihn wie hypnotisiert an, verschluckte meine Tränen und nickte. Sprechen konnte ich nicht. Was er wohl von mir denken mochte? Wie sah ich nur aus? Das Gesicht verheult, die Augen dick und rot und dagegen er! Wie kann man als Junge nur so schöne Haare haben, dachte ich auf dem Weg zum Sekretariat, um mir ein Pflaster zu holen.
Ich hatte mich in diesen schlaksigen Jungen mit den langen, blonden Haaren aus der Zwölften sofort verguckt. In den Pausen, während wir die Klassenzimmer wechselten, versuchte ich immer, einen Blick auf ihn zu erhaschen.
Er nahm keinerlei Kenntnis von mir.
Wenn wir Hofpause hatten und um den Schulteich marschierten, wollte ich in seiner Nähe sein, seine Blicke auf mich ziehen. Nichts, er sah mich nie an.
Jedes Jahr fand im Treppenhaus ein Treppenfest statt.
Die Frage der Kleidung gestaltete sich für mich etwas schwierig, da kein Geld für Kleidung außer der Reihe vorhanden war. Da brauchte ich mit dem Wunsch nach etwas Neuem zum Anziehen gar nicht erst kommen. Ich war uneinsichtig und bockig, so wie man mit 14 Jahren ist. Ein Kleid von der Mutter meiner Freundin, das viel zu weit war, wurde mit einer Naht auf dem Rücken enger gemacht und ich fand, dass es mir steht und ich auch etwas älter aussah.
Auf dem Fest versuchte ich, immer mit dem Rücken zur Wand zu stehen, weil die Naht recht liederlich war.
Mein Schwarm kam mit seinen Kumpels und ließ den Blick schweifen. Bei mir blieb er hängen. Sollte er mich meinen? Endlich!
Aber nein, hinter uns kam ein anderer Freund von ihm, dem die Blicke galten.
Irgendwie hatte ich mich schon fast von meinem Traum verabschiedet, war enttäuscht, als über den Lautsprecher die Aufforderung zur Damenwahl kam.
Damenwahl… Damenwahl… wie durch einen Schleier hörte ich es und dachte, oh Gott, das ist deine Chance! Jetzt oder nie! Du musst ihn auffordern… einfach hingehen, jetzt!
Wie im Trance ging ich zu ihm hin und bat mit total heiserer Stimme um den Tanz.
Die Gespräche um ihn verstummten, er schaute vollkommen verdutzt auf mich herunter, lächelte verlegen, schaute zur Seite, schaute mir wieder ins Gesicht und sagte:
„Gut, komm mit!“

Und dann tanzte ich mit ihm. Ich, die nicht tanzen konnte, bewegte mich wie eine, die meinte, tanzen zu können. Ich vergaß die liederliche Naht an meinem Rücken, vergaß meine Umwelt. Ich tanzte! Mit ihm! Er hielt die drei Titel durch und brachte mich dann zu meiner Freundin zurück. Ich war einfach nur glücklich.
Wenn wir uns später im Schulhaus trafen, schaute er sofort weg. Gerne hätte ich mit ihm gesprochen, über diesen Tanz, über irgendetwas, einfach nur sprechen. Mit fehlte der Mut für einen zweiten Anlauf und irgendwann war es vorbei mit meiner Schwärmerei.
Jahre später, als ich in Berlin an der Humboldt-Universität studierte und auf einem der seltenen Wege nach Hause war, traf ich ihn im Zug. Er drängelte auf mich zu und fragte, ob ich mich an den Tanz erinnere, an das komische Kleid, das ich anhatte. Und wie ich mich erinnerte. Sollte ich ihm von meiner Schwämerei erzählen?
Nein, es war meine Erinnerung und das sollte sie bleiben.

Die Kinos sind wieder geschlossen und deshalb wird das Kopfkino aktiviert.
Es sind nicht die schlechtesten Film, die da ablaufen.

12j21w

Corona-Splitter (21)

Lust

Hätte mir vor einem halben Jahr jemand gesagt, dass ich mal mit Lust und Freude im Dezember bei diesigem, feuchtem und kaltem Wetter das traute Heim voller Elan verlasse, hätte ich laut gelacht und abgewinkt. Ausgerechnet ich, die nie eine Freundin von Spaziergängen war?

Aber nun, wo ich Kijimea kenne … oh🤫 – etwas stimmt jetzt nicht?
Das ist doch die Lieblingswerbung unseres Staatssenders ARD um kurz vor 20 Uhr? Die ich selbstverständlich kenne, da für Leute wie mich gemacht👍

Nein, ich meine natürlich den Zeitpunkt, seit ich mich mit Geocaching infiziert habe!

Es gibt noch viel zu finden! Aber es leuchten schon einige Smileys, die gefundene Caches anzeigen.

Drei Stunden streiften wir heute durch die feuchtnasse Gegend, Blick nach unten gerichtet, Äste und Herbstlaub wegstreifend, immer mal wieder in Brombeergestrüpp hängenbleibend und außer dem schmatzenden Geräusch, wenn Schuh in Pfütze taucht, nichts hörend.
Ist das Spaß? Sicher nicht ständig!
Aber ab und an, wenn ich einen Cache gefunden habe ( heute zwei von vier!!!) mich mit steifem Rücken aufrichte und den Blick schweifen lasse, nunmehr zufrieden und wenn dann direkt vor mir die Fähre einläuft, ja, dann stellt sich ein Glücksgefühl ein.

12j21w

Corona-Splitter (20)

Wahrnehmungen

Der November hat mich fest im Griff.
Als ich aus dem Haus trete, hüllt er mich in sein diffuses Licht ein und lässt die feuchte Kälte am Körper hochkriechen. Die Tage sind inzwischen kurz, die Abende werden immer länger.
Genauso wie seit gestern die Schlangen an den Teststationen, die den notwendigen Test für das 3G und 2G+ Leben ausstellen.
Ganz leise hat sich das nächste Virus mit dem Namen OMIKRON (eine Erweiterung des griechischen Buchstaben OMEGA) aus Afrika angeschlichen, noch besorgniserregender und mit noch mehr Mutationen als Delta. Diese ‚Schlangen‘ an den Testzentren werden uns also die nächste Zeit begleiten.

Mit dem Rad fahre ich gen Küstenwald, parke es auf der Promenade und wandere in den Wald. Um die Taille habe ich meinen
PRO-X WALKER, eine ‚Mutation‘ der Nordic-Walking-Stöcke und beginne mit der Arm-Arbeit.

Das Laub raschelt, leicht modriger Geruch, ansonsten ist es still. In der Ferne rauscht das Meer, idyllisch das alles.
Interessant, was ich alles wahrnehme, mit welchen Sinnen und wie ich darüber in meinem Inneren kommuniziere, sozusagen meine Welt in einem inneren Gespräch aufrechterhalte. Die Welt ist so und so, nur weil ich mir sage, dass sie so und so ist. Wenn ich mein Selbstgespräch unterbreche, ist die Welt so, wie sie sein sollte.
Klingt etwas kompliziert.
Natürlich nehme ich nicht alle Reize wahr, sondern meist nur die, die eine Empfindung hervorrufen

Ich laufe einen der Strandzugänge hinab zum Meer. Nun kommen der Geruch des Salzwassers mit Tang und das Geräusch der Wellen hinzu. Auch das Laufen durch den Sand und die Steine erzeugt ein Geräusch.
Eine Rose liegt am Strand, herangeschwemmt von einer Seebestattung. Meist finde ich Strelitzien, seltener Rosen. Mein Kopfkino arbeitet sofort.
Ich vermute, dass ein Ehepartner(in) verstorben ist, denn es darf nur eine Blume zum Abschied in das Meer geworfen werden.

Einer der mutigen FKK-Winterbader steigt aus den Fluten und seine zwei Hunde springen an ihm hoch. Ich beginne etwas zu frieren. Nein, lacht er, als ich frage, ob die Hunde noch baden gehen. Sie springen an mir hoch und ich halte ganz still. Schnell sind sie wieder weg, ich bin uninteressant für sie.

Uninteressant …
Da fällt mir eine Begegnung ein.
Im November vor einigen Jahren besuchten wir Weimar. Auch damals war es neblig und kalt. Dadurch, dass es viel zu sehen gab, wir Theaterkarten hatten, nahmen wir es weniger wahr. Nach einem Stadtrundgang suchten wir ein Café, um uns aufzuwärmen und etwas zu essen. Die Suche gestaltete sich schwierig und letztlich fanden wir eine Bäckerei, wo schon mehrere Leute anstanden. Der Gatte verschwand, um noch zu fotografieren und ich stand allein an. Ein mittelalter Mann mit Pudelmütze, die sein längeres, lockiges Haar nur knapp bedeckte, stand vor mir und wir kamen relativ schnell ins Gespräch. Ob ich auch nur zu Gast sei in der Stadt, ja, bin ich, was ich schon alles gesehen habe und wo ich unbedingt noch hinsollte, das Gespräch plätscherte dahin. Ich fühlte mich wohl und nahm an, er auch. Dann standen wir im Innenraum der Bäckerei, schauten in die Vitrine und nach freien Plätzen. Wir lachten viel.
Kurz bevor ich dran war, nahm ich meine Mütze ab und wuschelte durch die Haare.
Der Mann schaute mich an, fast erschrocken und drehte sich weg. Wir sprachen kein Wort mehr.
Seine Wahrnehmung hatte ihn getäuscht.
Nein, diese Frau war definitiv zu alt. Wofür auch immer😉!
Was dachte ich? Ich dachte, die einfache Creme für das Gesicht reicht völlig aus, macht jünger, vielleicht künftig einfach die Mütze aufbehalten?

Irgendwie neigen wir alle dazu, uns unsere Welt schönzureden.

11j21w

Corona-Splitter (19)

UNO

Corona-Splitter (19) soll die Kurzgeschichte zu Splitter (18) werden. Schwierig?

Eher weniger. Frage ist nur, wo der Schwerpunkt liegt.
Würde ich sie aus der Erwachsenensicht und vielleicht noch aus der Sicht meiner Frauengruppe schreiben, dann wäre sie, ja, sie wäre irgendwie ganz anders. Würden da erpresserische Anrufer auftauchen und auf eine aus unserer Gruppe treffen, tja, das wäre lustig.
Für uns, nicht für den Erpresser.
Wir, die meist bei Zusammenkünften in guter Stimmung sind, würden es als Herausforderung sehen, die wir -natürlich- gut meistern . Immerhin hätte jede von uns ein halbes Glas Sekt intus und deshalb eine lockere Zunge.
Mehrere von uns haben Enkel*innen und deshalb wäre es schwierig, uns zu erpressen.
Aber die Geschichte soll für die beiden Enkelinnen sein und da brauchte es einen neutralen Kommunikator.

Das soll der Hund UNO sein.
Hier meine kleine Geschichte:

Wie ihr auf dem Foto seht, bin ich ein kleiner Hund, ein Havaneser, und heisse Uno. Den Namen gab mir die Enkelin Sophie von Oma Betty. Sophie meinte, UNO heißt auf Spanisch und Italienisch ‚Eins’ und das ist der erste Hund. Oma Betty heißt Elisabeth Schreiber, aber alle nennen sie Oma Betty. Die Idee, dass ich zu ihr komme, hatten Sophie und ihre Mama. Sie meinten, Oma braucht Gesellschaft, weil sie allein und weit weg wohnt. Beide suchten einen Hund und sahen mich im Tierheim.
Sophie fand mich sofort ganz süß. Sie fragte nach, ob sie mit mir Gassi gehen darf und wir wanderten zu ihrer Oma.
So richtig begeistert war Betty nicht von der Idee. Was soll sie mit einem Hund? Der will ständig Gassi gehen, frisst viel und gekämmt werden muss er auch noch.
Aber dann sah sie mich!
Wir schauten uns an und wussten, wir werden uns lieben. Ich bin ein richtiger kleiner Racker, ein Familienhund, bin nicht gern allein zuhause, will überall mitgenommen werden und ich kuschle gern. Betty wuschelte durch mein Fell und ich hielt ganz still.
»Wie weich sein Fell ist?«, rief sie ganz aufgeregt und nahm mich auf den Arm. Normalerweise mag ich das nicht bei Leuten, die ich nicht kenne, aber bei Betty fühlte ich mich sofort wohl. Wieder auf dem Boden, blieb ich an ihrer Seite.
Ich wollte nicht mehr weg.
Sophie regelte alles mit dem Tierheim und so kam ich zu Betty.
Wir wurden Freunde und Betty wusste ganz schnell, was ich gern fresse. Und jeden Tag machen wir Spaziergänge durch den Park. Wenn andere Hunde Betty zu nahe kommen, belle und knurre ich ganz laut. Ich bin nicht sehr groß, aber laut bellen, das kann ich gut.
Sophie rief anfangs oft an und fragte, wie es uns geht und ob wir gut zurechtkommen. Betty erzählte ihr, dass ich schon kleine Kunststücke kann. Wenn sie einen Stock über meinen Kopf hält, dann laufe ich auf meinen Hinterbeinen fast einen Meter weit. Dafür bekomme ich ein Leckerli. Dass ich schon drei Schuhe zerfleddert habe, erzählt sie nicht. Ein Glück!
Das Studium strengt Sophie an und die Anrufe werden seltener.
Nach den Spaziergängen sind wir manchmal müde und Betty schläft in ihrem Sessel ein. Ich springe auf ihren Schoss und dann schnarchen wir gemeinsam. Das ist immer richtig gemütlich.
Bis gestern etwas passierte.

Gestern klingelte das Telefon und Betty war ganz aufgeregt vor Freude, weil sie dachte, Sophie oder ihre Mutter rufen an.
Ich spitzte meine Ohren und hörte zu.
»Hallo, haben Sie eine Enkelin?«, hörte ich eine Männerstimme.
»Wer spricht da?«, fragt Betty etwas verschlafen.
»Das ist jetzt nicht wichtig! Ihre Enkelin hatte einen Unfall mit dem Auto und braucht sofort Hilfe.«
»Wer spricht denn dort?«, hörte ich Betty, nun aufgeregt.
»Ich sagte doch, das ist nicht wichtig. Sie müssen ihrer Enkelin helfen. Sie braucht dringend Geld für die Reparatur des Autos.«
»Auto?«, rief Betty »meine Enkelin hat kein Auto!«
»Ja, das stimmt. Sie hat sich das Auto geliehen und diese Männer wollen sofort das Geld für die Reparatur! Bis dahin halten Sie Ihre Enkelin fest.«


»Warum ruft sie mich nicht selber an?«, fragte Betty aufgeregt.
»Naja, das ist so, also, wie gesagt … «, stotterte der Anrufer.
Betty hielt den Hörer nach unten, strich mir durch das Fell und ich knurrte, denn ich spürte, Betty hatte Angst. Hunde spüren, wenn etwas nicht stimmt. Ich bellte das Telefon an.
»Hören Sie, sagen Sie mir jetzt, was Sie wollen!«, rief sie dann aufgeregt in das Telefon.
»Wir brauchen sofort 500€ für die Reparatur des Autos. Jemand kommt zu ihnen und holt das Geld ab.«
»Soviel Geld? Das habe ich gar nicht hier.«
»Doch, das haben Sie, das wissen wir!«, antwortete der Mann.
Ich spürte, wie Betty zitterte und fing an, laut zu bellen. Ich hörte gar nicht auf. Plötzlich klingelte es und Betty lief mit dem Telefon zur Tür. Der Nachbar schaute erschrocken auf die aufgeregte Betty. So hatte er sie noch nie gesehen.
»Warum bellt UNO so laut?«, fragte er und Betty begann zu weinen. Ich bellte noch lauter. Der Nachbar nahm ihr das Telefon aus der Hand und rief:
«Hallo, wer spricht dort?«
Aber es war niemand mehr am Telefon.
Nun erzählte Betty dem Nachbarn, was sie eben erlebt hatte.
Gemeinsam gingen sie zur Polizei und machten eine Anzeige.
Der Polizist sagte, dass das ein Trick sei, von älteren Leuten Geld zu erpressen. Es war gut, dass sie gleich zur Polizei gegangen sind.
Dann schauten alle auf mich und Betty hob mich hoch und drückte mich. Ich knurrte leicht, weil sie zu fest drückte.
»Wenn ich dich nicht hätte, liebster UNO, ich weiß nicht, was dann passiert wäre.«
Und dann gab es eine doppelte Ration an Leckerlis.

Wir beide sind schon ein gutes Team und passen aufeinander auf, oder?

PS. Habe die Geschichte dem Nachbar-Enkelkind vorgelesen und es fand den Hund gut.

j11w21

Corona-Splitter (18)

Telefonate

Die ganz große Telefoniererin bin ich nicht.

Allerdings hat sich das in der Pandemie- Zeit geändert.

Mit den Enkelinnen telefoniere ich oft. Skype finde ich nicht so gut, weil dann vier ‚Sinne‘ beansprucht werden: hören, reden, sehen und als vierter Sinn: Faxen machen und rumalbern. Beim Telefonieren sind sie auf zwei ‚Sinne‘ konzentriert.
Am letzten Samstag erzählten sie von den Erlebnissen in den Herbstferien und vor allem davon, dass sie von einem Fake-Polizisten gehört haben. Das hat sie sehr beeindruckt und ihre aufgeregten Stimmen überschlugen sich beim Erzählen. Mir rutschte in einer kleinen Pause heraus, dass das ja fast so schlimm sei wie die Enkeltricks.
Sofort waren die falschen Polizisten vergessen und ich sollte ihnen diesen Trick verraten. Ich erklärte ihnen, was damit gemeint sei und es war einen Moment still. Dann flüsterten beide.
»Oma«, hörte ich sagen »das können wir doch mal spielen. Ich bin der Anrufer und du bist die Oma, die betrogen werden soll.«

Das Rollenspiel funktioniert gut zwischen uns . Wenn ich zu Besuch bei ihnen bin oder sie hier, werden die verschiedensten Alltagsangelegenheiten durchgespielt. Gerne Restaurant mit frechen Gästen, unartigen Kindern und unqualifizierten Kellnern!
Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.


Das Enkel-Trick-Spiel begann etwas holprig, da sich jeder Argumente für seine Forderung ausdenken musste. Es gefiel aber allen gut, so dass die Rollen getauscht wurden.
»Nun noch einmal umgekehrt, du der Anrufer, ich die Oma!«, kam es aufgeregt aus der Leitung. Gesagt, getan.
Die Stimmen wurden etwas lauter. Sie waren zunehmend begeisteter.
Nach Ende dieses Spieles kam es wie so oft zum Streit zwischen ihnen, weil ich angeblich immer nur mit einer spreche. Also das ganze Spiel von vorn!
Ich sollte auch gleich wieder der Anrufer sein und ertappte mich, dass ich leidenschaftlicher wurde und noch mehr in der Rolle aufging. Mein Ton und auch der der Enkelin wurde aggressiver und lauter. Die Argumentation auf beiden Seiten hatte neue Elemente und das Gespräch dauerte länger.
»So, jetzt ist aber Schluss«, rief ich und wollte ein anderes Thema anschneiden.
»Mit Pina hast du zweimal gesprochen, ich will auch noch einmal der Anrufer sein!«, rief Olivia und das Spiel begann ein viertes Mal. Die Argumente auf beiden Seiten waren nunmehr ausgefeilter und fantasiereicher, der Ton beim Anrufer aggressiv, die Stimme der Oma weinerlich.
Der Gatte kam aufgeregt die Treppe hinunter und fragte, was denn passiert sei? Ob es mir gut geht?
Es wurde Zeit, das Spiel abzubrechen.
Die Beiden hatten nunmehr die Idee, dass wir doch auf Skype weiterspielen könnten. Da sehen wir uns auch!
Anderthalb Stunden intensives Telefonieren reichten und ich sagte, dass jetzt Schluss sei.
»Aber morgen können wir das doch nochmals spielen, Omi?«, fragte beide fast gleichzeitig, als ich schon fast aufgelegt hatte. Woher haben die Beiden nur ihre Energie und Fantasie? In meinem Kopf geistert die Idee, daraus für sie eine kleine Geschichte zu formulieren. Denke mal, die Pandemie ist noch nicht vorbei und es gibt einen Corona-Splitter(19). Diesmal für die ganz junge Generation!

Meine grauen Zellen sind aktiviert.

j11w21

Corona-Splitter (17)

Infiziert

Immer wieder wird in diesen Zeiten vor Infektionen gewarnt. Man soll vorsichtig sein, Maske tragen und vor allem Abstand halten, nicht Fremdhusten oder -gehen.
Aber manchmal gibt es ‘Infektionen’, die schleichend und ohne Vorankündigung kommen.
Ich infiziere mich, als ich in Wegeleben bei unseren Freunden bin.
Sie waren und sind infiziert und steckten mich an. Einfach so. Nein, nichts Schlimmes, nur etwas, das zur Sucht werden kann.
Sie sind Geocacher!
Auf einem Ausflug nach Goslar erzählen sie, wo sie schon überall waren, machen das an Caches (Verstecken) fest und auch daran, wer diese zuerst entdeckt hat.
“Den habe ich gefunden”, ruft Männe selbstbewusst, was Gisi mit einer lässigen Handbewegung negiert.
“Von wegen! Ich habe dich darauf hingewiesen!”, korrigiert sie ihn.
Der Gatte und ich verstehen nichts.
Die Gesichter unserer Freunde glühen, als sie uns endlich die Regeln und weitere Erfolge aufzählen.
Geocaching ist eine GPS-Schnitzeljagd, eine Art Schatzsuche. Ein Geocache ist ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch oder aber kleine Tauschgeschenke befinden.
Der Finder trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Der Cache wird dann an gleicher Stelle wieder versteckt. Der Fund kann im Internet vermerkt werden, so dass ihn auch andere Sucher finden können. Im Frühjahr 2019 soll es bereits 3 Mio Cacher gegeben haben.
Für mich ist das insofern interessant, als dass ich ungern spazieren gehe und wenn doch, dann bitte mit Ziel. Sollte ein neuer Lockdown kommen, so wäre das eine ideale Aussenbetätigung.
Ich lege mir sofort einen Account im Internet an, lade die App auf das Handy und will auch SOFORT einen Erfolg.
Goslar als Stadt wird für mich etwas uninteressant, denn auf Handy kann ich ein Cache ausmachen, das ich unbedingt finden will.

Die Koordinaten haben wir und stehen vor der Buchsäule, wo es sein soll. Wir nahmen jedes Buch heraus- nichts! Dann der Hinweis, dass man Vorteile hat, wenn man größer ist. Weitergesucht! Der Gatte fand dann das Logbuch, denn er ist der Größte. Ich trug mich ein. Die erste Lektion ist, dass man mit Ungeduld nicht viel findet.
Zurück in Wegeleben will ich einen zweiten Erfolg.
Hier gibt es an der Ruine einer Malzfabrik ein Cache und ich laufe mit Gisi dahin! Nun zeigt sich, dass ich zwei Eigenschaften habe, die nicht zielführend sind: blind und taub (O-Ton des Mannes, mit dem ich 43 Jahre verheiratet bin- vielleicht genau deshalb?)
Ich stehe direkt davor, vor diesem Cache und sehe es nicht! Eine schwarze Filmhülle ist mit kleinen Magneten an einer Art Schiene befestigt, die auch schwarz ist. Ich gucke wie ‚Schwein ins Uhrwerk‘, ohne etwas zu entdecken. Nach drei (!) von Hinweisen von Gisi finde ich es endlich.

Es folgen noch viele allgemeine Hinweise bzgl. der Caches und worauf wir künftig achten müssen.
Zurück in Warnemünde schaue ich auf der App nach Caches und finde mehrere. Der auf der Mole erscheint mir einfach, also leicht zu finden.

Die Sonne scheint und ich marschiere gen Mole. Es dauert eine ganze Weile, bis ich den Cache am Ende des offenen Geländers gefunden habe. Wiederum eine kleine Filmdose mit Logbuch, in das ich mich eintrage.

Zurück geht es über den Georginenplatz, wo auch eins versteckt sein soll. Ich suche und suche und finde nichts. Ein Mann kommt den Weg entlang, suchend auf das Handy und ins Gebüsch blickend. Ich spreche ihn an und frage, ob er ein Geocacher sei. Ja, er sei einer mit immerhin schon fast 2000 gefundenen Verstecken. Wow! Dieses hier findet er auch nicht, hat aber viele Begründungen dafür. Es liegt nicht an ihm. An mir sowieso nicht. Geocaching ist wie mit dem Hundi Gassi gehen- man kommt sofort ins Gespräch!

Einer geht noch, denke ich mir und laufe zum Alten Strom. Relativ schnell finde ich die Koordinaten des nächsten Cache, nur das Versteck nicht. Ein Hinweis lautet: Efeu, ein Meter hoch. Ich stehe die ganze Zeit davor und taste nun den ganzen Baum ab. Es ist wieder eine kleine Filmdose, mit braunem Klebeband versehen. Schwer erkennbar!

Nun immerhin schon einige gefunden, die alle im Netz vermerkt werden. Es könnte zum Hobby werden, ein mühsames, stimmt, aber immer an der frischen Luft. Knapp 10 000 Schritte und 7 km – das reicht für heute!

Ob sich diese Infektion zu einer Sucht entwickeln wird? Man weiß es nicht.

j10w21

Corona-Splitter (16)

Spontane Herbstreise

Unsere Reiseaktivitäten in diesem Jahr tendieren gegen Null. Diese Entscheidung ist eine reine Kopfsache, da es verschiedene Gründe dafür gibt, die sich uns mehr oder weniger erschliessen.
Während eines Essens bei uns erzählten Freunde, dass sie demnächst nach Nürnberg in ihre Zweitwohnung fahren und fragten an, ob wir nicht mitkommen bzw. sie ein paar Tage besuchen wollen. Hm, spontane Frage, die spontane Antwort verlangte.
Ja, wir wollten.
Kurzfristige Bedenken wegen Stören der Ehezweisamkeit kamen, wurden verdrängt, um der Vorfreude Platz zu machen. Vielleicht doch zu schnell ‚ja‘ gesagt? kam trotzdem immer mal wieder durch.
Ich hatte vergessen, wieviel Freude es bereitet, anderen seine Lieblingsorte zu zeigen. So war es auch hier. Der Tisch immer reichlich gedeckt und die süffisante Bemerkung:
«Ihr hattet doch nichts und freut euch, nun mal im Westen zu sein!«, amüsierte uns mehrmals.

Nürnberg , Bamberg und Bayreuth waren die großen Ziele und dazwischen immer Abstecher auf die Dörfer und in die Berge.

Nachdem ich aufgeklärt wurde, dass ein Kreuz auf einem Berg nicht heißt, dass hier ein Unfall war, sondern eine religiöse Bedeutung hat, entwickelte es sich zum Running Gag. Bei jedem Kreuz wurde aufgejucht.

Museums- und Schlossbesuche fielen aus wegen Corona-Regeln und Zeitmangel, trotzdem wir von morgens bis abends unterwegs waren.
In Bayreuth entdeckten wir ein Lokal mit Aussengastronomie und deftiger Hausmannskost, was uns ein freudiges Lächeln ins Gesicht zauberte. Und dann gab es da noch dieses wundervolle Geschäft mit dänischer und schwedischer Bekleidung und anderen Dingen aus dem hohen Norden. Ich glaube, niemand möchte wissen, was ich mir kaufte und warum ich anschließend juchzend das Geschäft verließ. Lakrids von Bülow waren es nicht. Die kaufte Sven.
In Franken verhungert keiner, weil es überall Aussengastronomie mit den verschiedensten Biersorten und verschiedensten Würstchen und Würsten gibt. Kurzzeitig tauchte deshalb der Wunsch auf, das Bundesland zu wechseln. Nur- hier müsste ich die Kalorien abwandern, während ich sie bei uns abschwimmen kann. Der Gedanke wurde deshalb schnell verworfen!

Gepflegte Orte, schöne Landschaften- der Herr Dr. Söder weiß, weshalb er gerade hier der Landesfürst ist.
Zurück ging es über den Harz mit 3-tägigem Stop in Wegeleben. Nachdem ich einer Freundin von unserem Nürnberg-Trip schrieb, lud auch sie uns ein. Diesmal fiel die Entscheidung schneller, da wir uns aus Studienzeiten kennen.
Hier und auch schon in Nürnberg fiel mir auf, dass viele unserer Generation zu den ‚Be-Erbern*innen‘ zählen. Geld? Das weiß ich nicht, aber auf jeden Fall Geschirr und Haushaltsgegenstände! Sowohl in Nürnberg als auch in Wegeleben kam das Frühstück jeden Tag mit einem anderen Kaffeeservice auf den Tisch. Komplett! Gläser sind sehr viele vorhanden genau wie Bestecke aus Silber oder Edelstahl. Warum nur eine Zitronenpresse, wenn Platz für drei ist? Oder Öffner… oder Töpfe … oder…
Keiner weiß, was noch kommt und man kann es damit begründen, dass der Jäger- und Sammlertrieb in den Genen liegt. Oder damit, dass jeder ein Hobby hat.
Egal, das beeinflusste die Aufenthalte nicht, sondern ließ uns nur erstaunen, kurz innehalten und verschämt an die eigenen drei Mokka-Service denken, die Geschenke waren und nie benutzt wurden.
Etwas haben wir aber noch nicht: den Sollbruchstellenverursacher.
Absolut gutes Wort für Galgen-Raten! Hier kommen aber nur die gekochten Eier an den Galgen oder besser gesagt, sie werden geköpft. Der Gatte und ich stellten uns etwas ungeschickt an, aber am dritten Tag brauchten wir keine Hilfe mehr.

Der Harz begeisterte uns bereits im letzten Jahr. Der Mann meiner Freundin wusste zu allem, was wir sahen, etwas zu berichten. Wahnsinns-Kenntnisse und dazu abgründigen Humor- eine gute Kombination. Es wurde viel gelacht.

Eines meiner Wunschziele war die längste Hängebrücke im Rappode-Tal zu überqueren. Trotz starkem Wird und Böen über 70kmh musste ich hinüber laufen. Der Gatte weigerte sich. Also kam die Freundin mit.

Über 100m hoch mit Gitterblick nach unten und Schwankungen- es hat sich gelohnt! Etwas irritiert haben mich einige Leute mit Maske auf der Brücke. Man hätte dem Wind vertrauen können, kein Virus hätte es bis zu einer Übertragung geschafft!
Am Abend kochte der Hausherr. Er erwartete viel Lob, das er reichlich bekam. Einmal durfte ich das Gericht aus CORONA-Splitter (15) kochen und bekam ebenfalls Lob.

Abends am Kaminfeuer ließen wir den Tag nochmals passieren und schwelgten in Erinnerungen.

Fazit: Solltet ihr irgendwann eine Spontaneinladung bekommen, dann nicht überlegen, sondern SOFORT zusagen.
j10w21

Corona-Splitter (15)

»Nudelbude«

Eine Meldung schreckte mich neulich auf:
Es droht ein Nudelnotstand!
Hartweizen wird teurer und deshalb könnten die Nudeln knapp werden. Nicht die Nudeln selber, aber der Hartweizen, der die Grundlage dafür ist.
Auf nichts im Leben ist so sehr Verlass wie darauf, dass ich irgendwo und immer einen Teller Nudeln auftreiben kann. Fragt man Kinder, was sie essen wollen, so kommt zu 94,98% die Antwort:
Nudeln mit Tomatensoße!
Es ist so einfach: kochendes Salzwasser, 9 Minuten, al dente, fertig.

Und nun droht eine Krise, weil der Preis für Hartweizen dramatisch gestiegen ist.
Es handelt sich eigentlich nicht um eine Nudelkrise, sondern um Pastakrise. Nudeln können auch aus Reis hergestellt werden. Pasta ist kompromisslos. In Italien gibt es sehr viele Pastasorten, bei denen der Teig durch ein Metallsieb gepresst und so in Form gebracht wird. Hinter dem Sieb heißt es dann Farfalle, Penne, Linguine und so weiter.

Ich bin in einer Nudelhochburg aufgewachsen und zwar in Riesa. Zu meiner Zeit, Ende der 60iger Jahre, gab es in Riesa die ‘Nudelbude’, die ‘Zündholz’, die ‘Seifenbude’, das Stahlwerk, das Reifenwerk, das Aropharmwerk und die Ölmühle. Dementsprechend war die Luft geschwängert mit Industrieabgasen. Richtig aufgefallen ist mir das erst sehr viel später, als ich einen Vergleich hatte. Ich bin in meiner Jugend wenig gereist, ab und an als Helferin in ein Kinderferienlager, eine Klassenfahrt, das war es auch schon. Auf diesen Fahrten gab es andere, interessantere Dinge, als einen Luftvergleich anzustellen. Zum Beispiel die Entdeckung des anderen Geschlechts.

Die ‘Nudelbude’ gibt es immer noch, nunmehr die Teigwarenfabrik Riesa, die ich im Rahmen eines Klassentreffens besuchte.

Ich war erstaunt und begeistert, wie vielfältig das Sortiment inzwischen ist.
Beim Spaghetti-Test im Oktober ‘21 haben die Schlemmerliebling-Spaghetti mit Bestnote abgeschnitten. „Sehr gut“ lautet das Gesamturteil, das das seit 1985 erscheinende Verbrauchermagazin gefällt hat. Das lässt mein Sachsenherz höher schlagen!
Insgesamt hat Ökotest für seine Untersuchung Spaghetti von 20 Anbietern unter die Lupe genommen. Unter anderem mit dabei: Spaghetti von bekannten Marken wie Barilla oder Buitoni, aber auch Eigenmarken von Discountern oder Drogerien. Neben den Riesaer Nudeln schnitten sieben weitere Produkte mit dem Gesamturteil „sehr gut“ ab.
Ich denke nicht, dass uns die Nudeln ausgehen und wir uns die schrecklichen Folgen von leeren Regalen im Supermarkt ausmalen müssen. Augenblicklich fallen mir aber die leeren Klopapier-Regale zu Pandemiebeginn ein. Damals wurden wir beruhigt und trotzdem war es gut, einen kleinen Vorrat angelegt zu haben.
Und bei Pasta in getrockneter Form ist das ja auch problemlos möglich.
Vorher bereite ich mir mein Lieblingsnudeln zu. Wollt ihr das Rezept?
Linguine al dente kochen, abgießen, in eine Schüssel mit Olivenöl+Saft Limette+Chiliflocken füllen, alles vermischen und mit frisch geriebenem Parmesan sowie kross gebratenem Bacon servieren. Dazu ein Glas Chardonnay!
Guten Appetit!

Corona-Splitter (14)

Vorbei …

Ich lebe momentan in der ’vorbei-Zeit’.
Die Wahlzeit ist vorbei, wenn auch noch nicht ganz, da die endgültige Regierung noch gewählt werden muss.
Vorbei ist die Sommersaison, die nahtlos in die Nachsaison überging.
Etwas, das nicht vorbei ist, ist die Pandemie, glaubt man den Leuten, die es wissen wollen. Den Virus sind wir vielleicht bald los, vielleicht noch ein paar Monate, vielleicht auch länger. Die Folgen werden wir noch länger spüren.
Vorbei ist für mich auch das morgendliche Baden in der Ostsee- Wasser zu kalt! Wobei das so nicht ganz stimmt. Das Wasser ist tatsächlich kalt, aber wesentlich unangenehmer ist das An- und Ausziehen vor dem Gang ins Wasser. Der Wind weht kalt, der Sand bis zum Wasser ist kalt und die aufgewirbelten Sandkörner bei Sturm sind wie kleine »Geschosse«, die sich in die Haut bohren.
Der heutige Tag bietet sich zum Abbaden an.

Bei Sonnenschein fahre ich mit dem Rad durch die Friedrich-Franz-Str, biege in die Schulstrasse ein, erreiche den Park und vorbei geht es am Hotel Neptun auf die Promenade Richtung Strandaufgang Nr.18. Der Strand ist fast leer, vereinzelte Besucher laufen am Wasser entlang. Ich sehe keine Frühbader. Einzelne Strandkörbe stehen noch im Sand und warten auf den Abtransport in das Winterquartier.

Ulli vom Strandkiosk sagte neulich bei einem MO-Bier, dass es eine gute Saison war, die nur zu spät begann. Gab schon schlechtere Saisons, meinte er, Stammgäste waren alle wieder da und das ist es, was zählt. Mit einem lauten Rülpser unterstrich er seine Aussage.

Schnell ziehe ich mich aus und laufe ins Wasser. Huh! Es ist kalt, aber gut auszuhalten. Nicht sehr lange.
Die Möwen sind träge heute, fliegen nicht weg. Köpfe gehen in alle Richtungen, aber es ist keiner da, der Abfall hinterlässt. Wenn sie fressen wollen, müssen sie sich Fische oder anderes Kleingetier selber aus dem Wasser holen.

Der Himmel bedeckt sich und ein paar Regentropfen fallen, die für einen Regenbogen reichen. Schön!

Auf der Promenade geht’s zurück und ich beschließe, zum Abschluss auf die Mole zu fahren. Das Verbotsschild für Radfahrer werde ich dabei großzügig übersehen. Die Sonne scheint jetzt wieder und die Promenade ist leer. Der Verkaufskiosk vor dem Kurhaus hat sein Sortiment umgestellt. Statt Sommerhüte werden Strickmützen und Schals verkauft.

Weiterlesen „Corona-Splitter (14)“

Corona-Splitter (13)

Ab in die Pilze

Im Sommer fragten mich meine Enkelinnen:
„Oma, sind Viren und Pilze eigentlich Lebewesen?“
Oh! Da hatten sie mich ertappt und ich gebe zu, dass ich das Gespräch in eine andere Richtung lenkte und diese ungewöhnliche Frage vergaß.
Inzwischen ist der Spätsommer da, hat den Herbst im Schlepptau und es geht in den Wald, zum Pilze sammeln. Ich erinnere mich an die Frage und mache mich nun schlau.
Viren sind keine Lebewesen, zumindest nach der gängigen Definition für ein Lebewesen, die demnach mindestens zu folgenden Dingen in der Lage sein müssen: Stoffwechsel, Fortpflanzung und Evolution. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel, sondern benutzen „nur“ den Stoffwechsel anderer Organismen und manipulieren ihn für ihre eigenen Zwecke.
Keine eigene Fortpflanzung: Viren können sich nur in in lebenden Wesen (zum Beispiel dem Menschen) vermehren. Dazu infizieren sie Zellen eines Wirtes, schleusen ihr Erbgut in dessen Zellen ein und vermehren sich dort mit Hilfe der infizierten Zelle.
Eine Evolution können sie durchlaufen, da sie mutieren. Ein Punkt wäre demnach für Lebewesen erfüllt. Es soll aber Riesenviren geben, die ein etwas anderes Verhalten aufweisen.
Anders die Pilze, die unter allen Lebewesen sowohl morphologisch als auch physiologisch die größte Biodiversität (Vielfalt) aufweisen. Sie können Hyphen, Myzelien und Fruchtkörper bilden. Die Ausbreitung geschieht meist durch Sporen, die entweder asexuell (ungeschlechtlich) oder sexuell (geschlechtlich) gebildet werden.
Diese Art Lebewesen will ich mit zwei Freundinnen suchen und hoffentlich auch finden. Die Frage nach den besten Stellen im Wald steht. Wir hören uns im Freundes-/Bekanntenkreis um:
„… ihr müsst nach Rövershagen fahren, da hat meine Tochter innerhalb von zwei Stunden drei Eimer voller Pilze gesammelt, ein Drittel davon Steinpilze!“ meint Fietje. Aha!

Foto R.Lehmann

„… so weit braucht ihr nicht fahren, in Rostocker Heide wachsen jede Menge Pilze“, weiß Karin zu berichten. Rövershagen liegt nahe der Rostocker Heide. Klingt gut.
„… absolut die meisten Pilze wachsen um Karow/ Nossentiner Hütte bei Krakow“, meldet sich Peter zu Wort.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es hier wie beim Erzählen der Angler von den Angelergebnissen ist. Ein Fisch größer als der andere!
Wir starten mitten in der Nacht (für mich als Rentnerin) gegen 7Uhr Richtung Krakow am See, parken das Auto Nähe Karow in einer Waldschneise. Es regnet. Regenwasser macht schön, also sollten wir gleich ausschwärmen. Vorher ein Imbiss mit einem Glas Prosecco, der die Pupillen weitet und uns besser durchs Unterholz kriechen lässt.
Wir verabreden, uns immer mal akustisch zu verständigen, also ein lautes HALLO, auf das mit einem noch lauteren HALLO geantwortet wird. Klappt gut.

Ich gestehe, dass meine Pilzkenntnisse nicht gut sind. Einen ASPERGILLUS NIGER, den Schwarzschimmel, erkenne ich sofort. Wenn ich in meine Giesskanne schaue. Der ist aber heute nicht gefragt.
Alles, was Lamellen hat, lasse ich stehen.

Nur glänzende, braune Hüte mit einem Schwamm darunter kommen in den Korb, der sich relativ schnell füllt.

Neue Behältnisse müssen deshalb her. Ich rufe laut. Nichts, kein Echo, keine Antwort. Ganz leicht macht sich ein Panikgefühl bemerkbar und ich rufe nochmals. Nun eine leise, entfernte Antwort, die ich zuordnen und finden kann. Kristina fehlt. Wir rufen laut, nix, keine Antwort. Rechts hören wir ganz leise Motorengeräusche, also muss die Straße hier sein. Wir laufen, versuchen Kristina per Handy zu erreichen. Kein Netz! Die Straße sehen wir hinter einem kleinen Graben. Petra durchquert ihn und schreit auf. Kein Tier ist die Ursache: die Schuhsohle hat sich abgelöst!

Es regnet immer noch und Petra spürt es nun auch von unten. Am Auto angelangt, versuchen wir, unsere verlorene Freundin zu orten, was auch gelingt. Leider läuft sie in die entgegengesetzte Richtung der Straße. Einen Radfahrer fragte sie unterwegs nach dem Weg und ob er sie auf dem Gepäckträger mitnehmen könnte. Er wollte nicht, erschrak förmlich und fuhr fluchtartig los. Welche Erinnerung hat diese Frage bei ihm ausgelöst? Wir werden es nie erfahren.
Unser Wiedersehen und das Betrachten der Ausbeute wird mit kleinem Schluck Prosecco gefeiert. Die Aktion selbst muss allerdings wegen fehlender Schuhsohle abgebrochen werden.

Für die Enkelinnen werden die Pilz-Lebewesen aus dem Wald fotografiert. Wenn sie welche suchen und finden wollen, sollten sie gut ausgerüstet sein, z.B. mit Gummistiefelchen.
Viren haben wir keine gesehen, gespürt oder aufgenommen. Zumindest nicht wissentlich. Ein Test wird es zeigen.

Corona-Splitter (12)

Unterwegs im Plakatdschungel

Ein früher Herbst erreicht uns in diesen letzten Augusttagen.
Es ist kalt, nicht so richtig kalt wie mitten im Herbst, aber 14 Grad im August sind gewöhnungsbedürftig. Ich versuche mich zu erinnern, ob es das früher schon gab und ja, das gab es früher auch. Immerhin, MV hatte die meisten Sonnenstunden bisher. Darauf sind wir stolz, auch wenn wir nichts dafür getan haben.
Etwas nervig sind die ständigen Corona-Informationen mit immer neuen Ankündigungen von Verboten bzw. neuen Test-Ideen. 2G im Zug? Wer soll denn das kontrollieren? Ich frage mich , ob immer neue Verbote für Nichtgeimpfte deren Meinung ändern. Druck erzeugt immer Gegendruck!
Unruhige Zeiten im Moment!
Was mich aber regelmäßig einholt, sind ganz gewöhnliche Heißhungeratacken. Diesmal nach geräuchertem Fisch!
In einem früheren Leben war es eine meiner Aufgaben, Fisch zu begutachten, sowohl Frischfisch als auch Fertigprodukte. Aussehen/Geruch/Geschmack/Konsistenz – mussten bei Fisch und -produkten begutachtet werden. Das war eine interessante und auch verantwortungsvolle Aufgabe, die mir Spaß machte, aber auch dazu führte, dass ich heute keine Fischkonserven bzw. fertige Fischsalate esse. Räucherfisch esse ich nach wie vor sehr gern und hole ihn mir im ehemaligen Fischkombinat. Natürlich könnte ich auch in Warnemünde Fisch kaufen, aber hier ist der Weg ein Ziel. Mit dem Fahrrad geht’s von Warnemünde nach Marienehe.
Dabei wird mir wieder bewusst, wir haben bald eine Wahl in Deutschland!
Die ganze Strecke ist voller Wahlplakate und diese lösen bei mir verschiedene Assoziationen aus.
Erstens die Frage: Sind Wahlplakate schön? Oder ist die Größe des Plakates entscheidend?
Vom Kirchenplatz Richtung Warnemünde Werft, Durchquerung des Tunnels und dann gen Rostock. Fast die ganze Strecke habe ich einen Begleiter, den Christian Lindner, mal irgendwie leicht verschämt und dann wieder auftrumpfend.
Was für ein schöner Mann!
Er schaut auf mich herab oder ganz knapp daneben, durchgestylt und -scheinbar- in Gedanken versunken. Immer, wenn sein Bild auftaucht, also fast an jeder dritten Strassenlaterne, denke ich: Warum eigentlich FDP, Krischi, wo du doch glatt als Vertreter für den Thermomix durchgehen könntest? Oder als Model für BOSS?
Auf seine Botschaften kann ich mich nicht einlassen, denn er schaut mir tief in die Augen, geradezu betörend.
Dann taucht eine riesige Straßenlaterne auf, auf der alle Platz haben. Ganz oben die Linke mit dem blonden Herrn Bartsch und seinem sonorem Lächeln, darunter mein Christian und noch darunter die ‚Manu‘, unser aller Lichtblick in MV. Wollt ihr das? Oh!
Falsch gelesen: VOLT- Für eine Gemeinschaft, die gemeinsam Chancen schafft. Habe ich noch nie gehört. Gemeinsame Chancen?

Nun, an der Kreuzung zum Altenheim in Schmarl, ganz groß die SPD mit unserem Olav, nein, nicht mit ‚v’ sondern mit ’f’- Olaf! Für Klimaschutz, da passt mein Rad gut hin. Und zur Farbe auch: rot-weiß.

Ah! An der Kreuzung zum IGA- Park nochmals Klima retten, diesmal mit den Grünen.

Frau Baerbock lächelnd im Vordergrund und, ja, wie schaut er eigentlich, der gute Herr Habeck? Aber auch da passt das Rad: grün – weiß. Sie sind bereit, weil ich es auch bin: Radfahren statt Autofahren. Also- nicht immer, aber immer öfter.
Ich vermisse die AfD. Da, ein kleines Plakat, einsam an einer Laterne. Helmut Schulz, Allerweltsname, nie gehört.

Und schon bin ich am Ziel in Marienehe, kaufe kaltgeräucherten Lachs, heissgeräucherten Heilbutt, Sprotten und zwei frische Forellen, scherze mit dem Verkäufer und verlasse hochzufrieden das Geschäft.
Sie werden mir auf meiner Rückfahrt alle nochmals begegnen und ich werde sie auf ihren Plakaten anschauen und überlegen:
Was oder wen soll ich denn nun wählen?

Corona-Splitter (11)

Wahr oder nicht wahr?

Demnächst besucht mich meine Enkelin und wir spielen dann das Spiel: Wahr oder nicht wahr? Einer erzählt eine Situation und fragt, ob das wahr ist oder nicht. Das funktioniert auch am Telefon oder beim Skypen. Einmal erzählte sie, dass morgens ein Spatz auf ihrem Fensterbrett saß und mit ihr gesprochen habe. Was man halt so mit 6 Jahren und einem Vogel spricht.
„Wahr oder nicht wahr, Omi?“, fragte sie später, als wir telefonierten. Ich überlegte lange, ein Ritual, das zum Spiel gehört und sagte dann, dass es wahr ist.
„Nein!“, quietschte sie vergnügt „ … nicht wahr, es war eine Amsel!“, und lachte laut los.
Eigenartigerweise musste ich daran denken, als ich neulich im Kino im Film DER RAUSCH war, der nun endlich auch in Rostock im Programmkino lief. Es gab nur noch Plätze in der ersten Reihe und auch deshalb war es ein besonderes Kino-Seh-Erlebnis.
Die Premiere des Filmes war schon 2020 und der Film wurde bei der Oscarverleihung als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. Ich gestehe, dass ich auch wegen Mads Mikkelsen in der Rolle des Martin auf den Film gewartet habe.

Was ist der Film eigentlich? Eine Trinkerkomödie, Tragikomödie, Midlife-Crisis-Film? Ich denke, von allem etwas.
Der Film erzählt die Geschichte von vier Lehrern in mittleren Jahren, die das Gefühl haben, zu wenig erreicht zu haben in ihrem Leben und sich deshalb zu einem Alkohol-Experiment verabreden. Sie wollen eine Theorie auf die Probe stellen, die besagt, dass der Mensch immer einen Alkoholpegel von 0,5 Promille haben muss um optimal zu funktionieren.
Zu Anfang gibt es auf allen Ebenen Erfolgserlebnisse, im Beruf und im privaten Bereich. Mit steigendem Alkoholpegel verändert sich das zum Schlimmen hin. Werden sie alle abhängig? Das wäre die Stelle, wo stehen könnte: Akonol macht IMMER abhängig!
Wahr oder nicht wahr?
Ein hochinteressanter Film, der auch den eigenen Alkoholkonsum hinterfragen lässt.
Ich weiß es aus eigener Erfahrung und von Freunden, dass ein Glas Glas Wein oder Sekt lockerer im Umgang mit Fremden oder in einer ungewohnten Situation macht. Natürlich ist das eine Gratwanderung, auch das weiß ich.
Ich habe festgestellt, dass bei der Angabe des Alkoholkonsums oftmals nicht die Wahrheit gesagt wird. Warum eigentlich nicht? Liegt es daran, dass man relativ schnell in die Ecke der Alkoholiker gestellt wird? Aber- gehört es inzwischen nicht zum guten Ton, zum Essen oder einem Treffen mit Freunden einen edlen Wein anzubieten? Ich genieße das und auch meine Gäste genießen es.
Neulich las ich einen Artikel, dass es zu deutlichen Veränderungen im Alkoholkonsum während des Lockdowns gekommen ist. Tranken wir wegen Corona mehr oder sogar weniger?
Auf jeden Fall hat die Pandemie das Alkoholkonsum-Verhalten der Menschen
verändert. Einige trinken deutlich mehr, einige trinken deutlich weniger als vorher.
In einer Studie des Autors Prof. Dr. Hillemacher mit dem Titel „Hat die Bevölkerung in Deutschland während des Lockdowns mehr Alkohol getrunken?“ kam heraus, dass knapp 35 Prozent der Deutschen mehr oder viel mehr Alkohol trinken als zu Beginn des Lockdowns. Rund 20 Prozent trinken weniger. Die Gesamteinnahmen nahmen bei alkoholischen Getränken 2020 um 6,1 Prozent im Vergleich zum Mittelwert der entsprechenden Wochen im Vorjahr zu.
Es blieb jedoch unklar, ob dies auf die Bevorratung zurückzuführen war oder eine reale Veränderung im Konsumverhalten der Bevölkerung abbildet.
Der Bierkonsum ist gesunken, was auf geschlossene Bars und Restaurants zurückzuführen ist.

Eine interessante Studie, deren Ergebnis ich auf meinen Alkohol-Konsum übertragen kann. Ja, in Zeiten des Lockdowns habe ich tatsächlich ein Glas Wein mehr getrunken.

Inzwischen bin ich wieder viel unterwegs, treibe aktiv Sport und treffe Freunde.

Apropos Freundinnen! Demnächst unternehmen wir einen gemeinsamen Ausflug aufs Land und werden auch gemeinsam essen und trinken. Dabei wird natürlich weniger Wein getrunken!
Wahr oder nicht wahr?

Corona- Splitter (10)

Dazwischen

Im Moment lebe ich in einer Zwischenzeit oder anders gesagt, der Zeit zwischen den Lockdowns. Nein, nein es gibt noch keine vierte Welle, aber manchmal habe ich das Gefühl, sie wird von der Presse regelrecht herbeigeredet. Die Inzidenz in unserer Stadt liegt heute bei 2,9, also 2,9 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner, davon ca. 30% mit Delta-Variante des Virus. Ich bin weder Arzt noch Virologe noch Epidemiologe und kann nicht einschätzen, was das genau bedeutet. Natürlich hatte ich in der Schule Prozentrechnung, bin mir aber nicht sicher, ob das heute noch gilt und was jetzt mit wem und womit ins Verhältnis gesetzt wird.
Einschätzen kann ich aber das momentane Lebensgefühl, das sich fantastisch anfühlt. Der Sommer an der Küste meint es gut mit uns in diesem Jahr, die Ostsee ist 19,1 Grad warm und der erste Kinobesuch liegt hinter mir.
Die Kultur startet und damit auch die Eröffnungen von Ausstellungen, die ich früher gemeinsam mit dem Gatten besuchte oder die er selber gestaltete. Es hat deshalb etwas gefehlt in seinem Leben. Eines seiner Hobbys ist Fotografieren und es war in der Vergangenheit schön, wenn er seine Fotos in verschiedenen Lokalitäten ausstellen durfte.
Letzte Woche kam ein Anruf aus Güstrow mit der Frage, ob er denn wieder eine Ausstellung gestalten will. Riesenfreude! Ja, klar möchte er und wenn möglich, sofort!
Da zeigt es sich, man muss nur lange genug einen Wunsch haben , dann klappt es auch mit der Erfüllung.
Aufgeregt fragte er mich, welche Fotos er denn nehmen soll?
Für mich war klar: Südfrankreich!Diese Ausstellung war zwar schon einmal in Bad Doberan zu sehen, aber das Publikum wäre diesmal ein anderes.
Drei Tage später hängten wir die Fotos gemeinsam mit Frau Schröder von der Kulturabteilung der Kreisverhaltung des Landkreises Rostock auf.
Inzwischen sind wir mit ihr ein eingespieltes Team und waren relativ schnell fertig.

Probe-Auswahl

Zu meiner spontanen Entscheidung für Südfrankreich trug seine damalige lebhafte Reisebeschreibung bei. Es war eine seiner ersten Fotoreisen, die von Berlin über Paris nach Nizza führte. Dort trafen sich die acht männlichen Teilnehmer der Fotogruppe in einem Ferienhaus und wollten unter Anleitung des Reiseleiters, eines selbständigen Fotografen, den Süden Frankreichs erkunden. Sehr schöne Bilder entstanden. Der Reiseleiter aus Bayern hatte zu diesem Zeit eine neue Lebensgefährtin aus der Ukraine, die einige Jahre älter war und wesentlich mehr Lebenserfahrung hatte als er. Er wollte noch viel lernen. Von ihr! Deshalb verschob sich der Tagesbeginn ab und an für alle Teilnehmer. Einkaufen und kochen, die Hauptaufgaben der Ukrainerin, schaffte sie manchmal nicht, da sie sich am Tage ausruhte und von Hause auch etwas träge war. Der Stimmung tat das nicht gut. Morgens fuhr die Gruppe auf Motivsuche los. Manchmal hungrig!
In einer Boulangerie aßen sie dann ein Croissant, tranken Kaffee und freuten sich auf das Abendessen. Immerhin war man in einem Gourmetland. Abends, wenn alle müde ankamen, gab es manchmal nur ganz einfache, eher deutsche als französische Kost. Ein Teilnehmer aus Franken regte sich darüber maßlos auf.
Die Aufregung blieb allerdings ein »Sturm im Wasserglas«. Ein Grund dafür war, dass es der Reiseleiter immer wieder mit viel Charme schaffte, dass sich die Franzosen unterwegs problemlos fotografieren ließen. Hinzu kam, dass er sehr oft im Süden Frankreichs war und dadurch genau wusste, wo die schönsten Fotomotive waren. Die Gruppe musste sich also tagsüber zwischen ihren knurrenden Mägen und den fantastischen Fotomotiven entscheiden. Natürlich kannte der Reiseleiter viele kleine Restaurants und Bistros, die zu Aufhellung der Stimmung beitrugen und das DAZWISCHEN angenehm machte.
Das Leben ist eben manchmal nicht so ganz einfach und spielt sich ‚dazwischen‘ ab.
Die Ausstellung befindet sich in Güstrow, dem Klein-Paris des Nordens und liegt zwischen Rostock und Berlin.

Corona-Splitter (9)

Haltbarkeit

Heute morgen beunruhigten mich zwei Meldungen: 1.Die Löw-Zeit ist unrühmlich vorbei und 2.eine Inzidenz von 1,6 in MVP!

Mit ersterem kann ich gut umgehen, da ich vom Fußball eh nichts verstehe. Aber wenn die Pandemie vorbei ist, müsste ich mir eine neue Überschrift ausdenken, denn ,Corona-Splitter‘ funktionieren dann nicht, weil sie nicht mehr piksen.
Nachdem ich die OZ aufschlug, war alles wieder gut. Frau S., unsere Ministerpräsidentin aus Schwerin, sagt, wir müssen aufpassen, die vierte Welle kommt! Wenn wir nicht nach Bali oder Malle fahren, sondern nach Rügen oder Hiddensee, ist die Gefahr gering. Ob das alle wissen oder einfach nur wieder unbeschwert verreisen wollen? Ich denke mir, wenn man den Leuten diese Alternativen anbieten würde, nähmen viele dieses Angebot an.
Viel wichtiger ist das Thema ‚Gendern‘, erfuhr ich nach der Lektüre der OZ-Ausgabe Rostock.
Also, wenn im Rathaus eine Mahnung verschickt, weil Strafzettel nicht bezahlt wird, dann kommt vorher ein Anschreiben mit der Frage: Wie wollen Sie angesprochen werden? Mit Herr oder Frau, nur mit dem Namen oder einem einfachen „Hallo“?
Am besten wäre es, wenn sich die dänische Methode durchsetzen würde, also kollektives Duzen, das ein Geschlecht ausschließt. Alle sind gleich!
Der Mann, mit dem ich zusammenlebe, ist auf dem Emanzipationstrip und will wahrscheinlich auch noch wissen, wie hoch sein Gender-Anteil ist.
Er inspizierte den Kühlschrank. Warum auch immer. Und wurde tatsächlich fündig!
Triumphierend hielt er mir eine Tube Sardellenpaste vor die Augen mit einem Haltbarkeitshinweis: 17.10.2015 und der Frage, ob er denn nun auch noch die Hausarbeit in der Küche übernehmen soll?

„Und“, fragte ich lässig „schon verdorben oder noch gut?“
Es war genießbar, sicherlich nicht frisch, aber keine Bombage und nur leichte Geschmacksveränderung.
Es ist eine Paste, wo wenig Sauerstoff für eine Oxidation eindringen kann. Hier lag sie etwas versteckt, gekühlt und es kam keinerlei Sauerstoff in die Tube.
„Mindestens haltbar bis … heißt nicht … zu verbrauchen bis …“, belehrte ich ihn „und diese Anforderungen hat die Paste erfüllt.“
Bis zum 17.10.2015 war sie haltbar.
„Wo ist dein Problem?“, fragte ich nach.
Es gab keins. Für mich.

Das einzige Problem, dass ich sah, war, dass Männer auf Emanzipation verzichten sollen. Auch Gendern ist nicht für alle geeignet. Wenn einer jahrelang als Mann gelebt hat, dann sollte er es dabei belassen. Auch als Rentner. Der geringe Anteil weiblicher Hormone muss nicht ausgelebt werden.
Der Mann in meinem Haushalt verschwand leicht beleidigt in seinem Zimmer, um die Weichen seiner Eisenbahn neu zu stellen.

Ich entsorgte die Paste.
Ich will ja, dass es ihm gut geht. Trotz abgelaufenen Verbrauchsdatums …

Corona-Splitter (8)

Geöffnet
Zumindest einen Spalt hat ‚Königin Manu‘ in MeckPomm die Tür zu den Grundrechten geöffnet. Vorerst auf Zeit.
Mehrere Lockerungen mit erhobenem Zeigefinger sind vorgesehen. Nicht, dass wir übermütig werden und den nächsten Lockdown, verursacht durch die Delta-Variante des Corona-Virus, aus dem Auge verlieren.
Erst einmal ist aber Sommer, der hier im Norden eine kleine Sonnenpause eingelegt hat. Im Süden Deutschlands toben Unwetter mit Überschwemmungen und eiergrossen Hagelkörnern, die einschlagen wie Geschosse.
Bei uns ist es nur bewölkt und um die zwanzig Grad warm. Die Aussenplätze der Restaurants und Cafés sind gut besucht, im Ort viele Leute unterwegs. Demnächst entfällt die Maskenpflicht im Freien. In Restaurants und Museen/ Galerien wird bei Besuchen die Testpflicht und das Alkoholverbot bei Veranstaltungen überall aufgehoben.
Die beste Info für mich ist, dass ab 1.7. die Kinos in Rostock wieder öffnen. Die Testpflicht entfällt, rechts und links bleiben jeweils zwei Plätze frei, d.h., die freie Sicht ist gewährleistet. Hurra!
Erste Ankündigungen von geplanten Filmen lassen mein Herz höher schlagen: “Der Rausch“ mit Mads Mikkelsen, der Film von Maria Schrader „Ich bin dein Mensch“ mit ihr als Regisseurin und nicht zuletzt „Nomadland“ mit Frances McDormand, die mich in jedem ihrer Filme begeisterte.
Es kann losgehen!
Auf der Straße tobt inzwischen das pralle Leben und ich war gespannt, was nun angezogen wird, wie der Dresscode sein wird. Glamourös und körperbetont? Eher nicht, dafür gibt es noch zu wenige Anlässe. Wir müssen uns langsam wieder aneinander heranschleichen. Das eine oder andere Corona-Pfund muss versteckt werden und auch ich überlege, was dafür geeignet ist. Beim Wühlen nach passender Kleidung fiel mir ein Poncho in die Hände. Darin könnte ich mich verstecken.

A b e r – eigentlich waren wir schon im Lockdown unsichtbar, deshalb jetzt zeigen, was man hat und die Zeit der Lockerungen nutzen.
Als ich gestern nach dem Baden im Dämmerlicht auf der Promenade langfuhr, hörte ich Tangomusik und hielt an. Die Musik kam aus einem Hotelzimmer, das hell erleuchtet war und ich sah ein Pärchen Tango tanzen. Sie in einem eng anliegendem Kleid und er ganz in schwarz – ein schönes Paar. Fasziniert hörte und sah ich zu, um dann beschwingt weiterzufahren.
Ich lächelte vor mich hin und weiss, es werden wieder richtig unbeschwerte Zeiten kommen. Irgendwann.

Corona-Splitter (7)


Sommer-Feeling

Der Sommer ist da.
Seinen ersten großen Auftritt wird er in den nächsten Tagen mit über dreißig Grad haben. Im Fischerdorf sind die Urlauber und Tagesgäste zurück und bevölkern Straßen, Restaurents, Geschäfte und den Strand. Endlich wieder Leben im Ort! Am meisten freuen sich die Möwen, denn eine harte Zeit liegt hinter ihnen. Lange waren keine Touristen mit Bockwürsten oder Fischbrötchen in Sicht. Die Sommerzeit gilt es für sie zu nutzen, denn eine eventuelle vierte Welle könnte den Ort wieder einsam werden lassen.

Am Strand haben die altbekannten Spanner wieder Postion bezogen und glotzen. Die Diskussionen darüber, ob FKK-oder Textilstrand oder doch gemischt, halten an. Die FKKler kämpfen um ihr Revier und lehnen Mischstrand ab. Der Ortsbeirat wird noch viele Male tagen und im Herbst nach Saisonende sicher einen Beschluss fassen.

Inzwischen sind die Hotels wieder geöffnet und ab morgen braucht’s nur noch einen Willkommens-Test für den gesamten Aufenthalt. Es wird über die Maskenpflicht diskutiert und sicher gibt es bald weitere Lockerungen. Nun wurde von offizieller Seite gesagt, dass das Virus nicht verschwinden wird, sondern wir uns auf ein Zusammenleben einstellen müssen, so ähnlich wie mit dem ‚Influenzio‘.
Welch eine Erkenntnis!
Unser »normales« Leben ohne Maske wird erst einmal ungewohnt sein, wenn wir uns begegnen. Wie wird es sein mit den Umarmungen und Küssen zur Begrüßung?
Ehrlich gesagt, wenn das alles wegfällt, wäre es absolut in meinem Interesse. Ich mochte die Art der Verbrüderungen nicht. Vielleicht auch deshalb nicht, weil ich nie wusste, wie die Regeln dafür sind. Erst rechts, dann links? Oder doch umgekehrt? Was macht man mit den Händen? Den anderen umarmen, auf die Schulter legen? Gibt es hierbei Sympathieabstufungen? Bei welchen Gelegenheiten ist richtiges Drücken erlaubt? Es war schwierig für mich.
Wenn ich mich an früher, also vor 1989, erinnere, gab es keine Umarmungen außerhalb der Familie. In französischen und italienischen Filmen umarmten sich die Leute immerzu, was ich nie hinterfragt habe, sondern als gegeben hinnahm. Natürlich hätte ich mich von Marcello Mastroianni gern einmal umarmen und küssen lassen. Rechts oder links zuerst oder umgekehrt wäre dabei egal gewesen. Das waren wohlige Gedanken, mehr nicht.
Dann steht die Frage: Hände wieder zur Begrüßung reichen oder nicht? Ich finde ja, dass man am Händedruck schon etwas auf den Anderen und sein Wesen schließen kann. Wenn ich Jemandem mit laschen, feuchtem Händedruck begegne, dann, ja, also, dann ist das so. Und dann gibt es Männer, die meinen, die Hand ist eine Zitrone und muss ausgedrückt werden. Ich bin mit Händeschütteln zur Begrüßung sozialisiert. Auch jetzt ertappe ich mich, dass ich die Hand bei einer Begegnung ausstrecke und sie dann aber reflexartig zurückziehe wegen Keimübertragung und so.
Ich bin echt gespannt, wie sich das entwickeln wird.
Ich weiß aber auch ganz genau, dass ich meine engen Freunde zur Begrüßung weiterhin umarmen werde, genauso, wie sie mich umarmen. Natürlich ohne Maske.
Jetzt gehe ich aber erst einmal an den Strand, auch ohne Maske und lasse mich von den warmen Sonnenstrahlen und dem etwas kälteren Wasser einlullen.

Corona-Splitter (6)

ZUFÄLLE

Manchmal frage ich mich,
ob es Zufälle gibt. Immer dann, wenn ich auf etwas treffe, das absolut in mein Leben passt, so perfekt, als hätte ich darauf gewartet. Arthur Schopenhauer, ein deutscher Philosoph, hat es so ausgedrückt:
“Die Bestimmung eines Individuums wird sich unvermeidlich an das Schicksal eines anderen Individuums anpassen, und jeder ist der Protagonist seines eigenen Theaterstücks, während er gleichzeitig eine Rolle im Stück seines Mitmenschen spielt. Es handelt sich hierbei um etwas, was unsere Fähigkeit des Verstehens übersteigt.”
Gut, das klingt etwas kompliziert und ich bleibe bei der einfachen Variante, die ihren Anfang im Frühjahr nahm. Im Haus stand eine Reparatur an, die für den Hausherrn zu kompliziert war. Ein Handwerker aus einem Dorf weiter musste her, der auch relativ schnell einen Termin freihatte. Der Chef kam selber. Er war nicht das erste Mal bei uns. Bei früheren Aufträgen kam er, die Absprache wurde geführt, keinerlei Smalltalk und nach ganz kurzer Zeit war er wieder weg.
Wie auf der Flucht!
An diesem Tage war er jedoch gesprächig, vielleicht coronabedingt, ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass er erzählte, er spiele seit einiger Zeit Tischtennis. Ich war wie elektrisiert, da ich leidenschaftlich gern TT spiele. Okay, es lag schon eine Weile zurück, dass ich an der Platte stand. Es war im Kinderferienlager und wir spielten ‚chinesisch‘, rannten wie besessen um die Platten und versuchten, den Ball zu treffen.

Nun hatte ich also das Spielparadies direkt vor Augen!
Ich fragte sofort nach, ob noch eine Spielerin gebraucht werde. Zufällig hatte gerade einer aufgehört und es wurde eine vierte Person für gemischtes Doppel gesucht. Ein Glückstag, mein Glückstag!
Mit etwas skeptischen Blick meinte er:
»Kommen Sie am Freitag 16 Uhr in die Werkstatt und dann schauen wir mal!«
Schauen? Nein, spielen, ich wollte spielen.

Inzwischen spielen wir schon seit ein paar Wochen ein Dorf weiter, duzen uns und wissen, wer in unserer Rentner-Gang der Champ ist. Die Stimmung ist immer gut und der Freitag wird von allen sehnlich erwartet.
Die Platte wird in einer der Werkstätten aufgebaut und dann geht es los. Würde man den Raum in einem Katalog beschreiben, dann stände dort: Flair, ein Raum mit morbidem Charme der Arbeitsgeräte aus vergangener Zeit und in der Mitte eine Tischtennisplatte.
Der Champ möchte den kleinen Ball immerzu schmettern, was dem Chef nicht so ganz gefällt. Natürlich sagt er nichts, sondern kommuniziert über Körpersprache, die ein-eindeutig ist. Die Schmetterbälle werden weniger. Bis der Spieler wieder im Flow ist. Dann holt er jeden Ball auf die Platte und wenn er sich vergisst, schmettert er.
Marion, die zweite Frau neben mir, ist ihm auf der Spur und konnte im Einzel schon gegen ihn gewinnen. Ich auch! Aber meist nur einen Satz, die anderen beiden gewinnt er immer.
Die Doppelbesetzungen wechseln, so dass keiner sagen kann, wer besser ist. Ich, zum Beispiel, erziele mit der Rückhand mehr Punkte als mit der Vorhand.
Wenn ich fleißig übe, kann sich das noch ändern.
Inzwischen weiß ich, dass diese Idee, Tischtennis in der Werkstatt zu spielen, Corona geschuldet ist. Sport fiel aufgrund der Maßnahmen für alle weg und der Chef mochte nicht immer im Küstenwald hin-und zurücklaufen. Neue Ideen waren gefragt.
In unserer kleinen Gruppe haben wir die Herdenimmunität erreicht:
Drei sind geimpft! Eine ist gesund.
Die Aussichten sind gut, dass wir in der fünften Rentner-Liga spielen können.
Nur unser Chef nicht, der ist 10 Jahre zu jung.