Corona-Splitter (6)

ZUFÄLLE

Manchmal frage ich mich,
ob es Zufälle gibt. Immer dann, wenn ich auf etwas treffe, das absolut in mein Leben passt, so perfekt, als hätte ich darauf gewartet. Arthur Schopenhauer, ein deutscher Philosoph, hat es so ausgedrückt:
“Die Bestimmung eines Individuums wird sich unvermeidlich an das Schicksal eines anderen Individuums anpassen, und jeder ist der Protagonist seines eigenen Theaterstücks, während er gleichzeitig eine Rolle im Stück seines Mitmenschen spielt. Es handelt sich hierbei um etwas, was unsere Fähigkeit des Verstehens übersteigt.”
Gut, das klingt etwas kompliziert und ich bleibe bei der einfachen Variante, die ihren Anfang im Frühjahr nahm. Im Haus stand eine Reparatur an, die für den Hausherrn zu kompliziert war. Ein Handwerker aus einem Dorf weiter musste her, der auch relativ schnell einen Termin freihatte. Der Chef kam selber. Er war nicht das erste Mal bei uns. Bei früheren Aufträgen kam er, die Absprache wurde geführt, keinerlei Smalltalk und nach ganz kurzer Zeit war er wieder weg.
Wie auf der Flucht!
An diesem Tage war er jedoch gesprächig, vielleicht coronabedingt, ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass er erzählte, er spiele seit einiger Zeit Tischtennis. Ich war wie elektrisiert, da ich leidenschaftlich gern TT spiele. Okay, es lag schon eine Weile zurück, dass ich an der Platte stand. Es war im Kinderferienlager und wir spielten ‚chinesisch‘, rannten wie besessen um die Platten und versuchten, den Ball zu treffen.

Nun hatte ich also das Spielparadies direkt vor Augen!
Ich fragte sofort nach, ob noch eine Spielerin gebraucht werde. Zufällig hatte gerade einer aufgehört und es wurde eine vierte Person für gemischtes Doppel gesucht. Ein Glückstag, mein Glückstag!
Mit etwas skeptischen Blick meinte er:
»Kommen Sie am Freitag 16 Uhr in die Werkstatt und dann schauen wir mal!«
Schauen? Nein, spielen, ich wollte spielen.

Inzwischen spielen wir schon seit ein paar Wochen ein Dorf weiter, duzen uns und wissen, wer in unserer Rentner-Gang der Champ ist. Die Stimmung ist immer gut und der Freitag wird von allen sehnlich erwartet.
Die Platte wird in einer der Werkstätten aufgebaut und dann geht es los. Würde man den Raum in einem Katalog beschreiben, dann stände dort: Flair, ein Raum mit morbidem Charme der Arbeitsgeräte aus vergangener Zeit und in der Mitte eine Tischtennisplatte.
Der Champ möchte den kleinen Ball immerzu schmettern, was dem Chef nicht so ganz gefällt. Natürlich sagt er nichts, sondern kommuniziert über Körpersprache, die ein-eindeutig ist. Die Schmetterbälle werden weniger. Bis der Spieler wieder im Flow ist. Dann holt er jeden Ball auf die Platte und wenn er sich vergisst, schmettert er.
Marion, die zweite Frau neben mir, ist ihm auf der Spur und konnte im Einzel schon gegen ihn gewinnen. Ich auch! Aber meist nur einen Satz, die anderen beiden gewinnt er immer.
Die Doppelbesetzungen wechseln, so dass keiner sagen kann, wer besser ist. Ich, zum Beispiel, erziele mit der Rückhand mehr Punkte als mit der Vorhand.
Wenn ich fleißig übe, kann sich das noch ändern.
Inzwischen weiß ich, dass diese Idee, Tischtennis in der Werkstatt zu spielen, Corona geschuldet ist. Sport fiel aufgrund der Maßnahmen für alle weg und der Chef mochte nicht immer im Küstenwald hin-und zurücklaufen. Neue Ideen waren gefragt.
In unserer kleinen Gruppe haben wir die Herdenimmunität erreicht:
Drei sind geimpft! Eine ist gesund.
Die Aussichten sind gut, dass wir in der fünften Rentner-Liga spielen können.
Nur unser Chef nicht, der ist 10 Jahre zu jung.

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