Corona-Splitter (7)


Sommer-Feeling

Der Sommer ist da.
Seinen ersten großen Auftritt wird er in den nächsten Tagen mit über dreißig Grad haben. Im Fischerdorf sind die Urlauber und Tagesgäste zurück und bevölkern Straßen, Restaurents, Geschäfte und den Strand. Endlich wieder Leben im Ort! Am meisten freuen sich die Möwen, denn eine harte Zeit liegt hinter ihnen. Lange waren keine Touristen mit Bockwürsten oder Fischbrötchen in Sicht. Die Sommerzeit gilt es für sie zu nutzen, denn eine eventuelle vierte Welle könnte den Ort wieder einsam werden lassen.

Am Strand haben die altbekannten Spanner wieder Postion bezogen und glotzen. Die Diskussionen darüber, ob FKK-oder Textilstrand oder doch gemischt, halten an. Die FKKler kämpfen um ihr Revier und lehnen Mischstrand ab. Der Ortsbeirat wird noch viele Male tagen und im Herbst nach Saisonende sicher einen Beschluss fassen.

Inzwischen sind die Hotels wieder geöffnet und ab morgen braucht’s nur noch einen Willkommens-Test für den gesamten Aufenthalt. Es wird über die Maskenpflicht diskutiert und sicher gibt es bald weitere Lockerungen. Nun wurde von offizieller Seite gesagt, dass das Virus nicht verschwinden wird, sondern wir uns auf ein Zusammenleben einstellen müssen, so ähnlich wie mit dem ‚Influenzio‘.
Welch eine Erkenntnis!
Unser »normales« Leben ohne Maske wird erst einmal ungewohnt sein, wenn wir uns begegnen. Wie wird es sein mit den Umarmungen und Küssen zur Begrüßung?
Ehrlich gesagt, wenn das alles wegfällt, wäre es absolut in meinem Interesse. Ich mochte die Art der Verbrüderungen nicht. Vielleicht auch deshalb nicht, weil ich nie wusste, wie die Regeln dafür sind. Erst rechts, dann links? Oder doch umgekehrt? Was macht man mit den Händen? Den anderen umarmen, auf die Schulter legen? Gibt es hierbei Sympathieabstufungen? Bei welchen Gelegenheiten ist richtiges Drücken erlaubt? Es war schwierig für mich.
Wenn ich mich an früher, also vor 1989, erinnere, gab es keine Umarmungen außerhalb der Familie. In französischen und italienischen Filmen umarmten sich die Leute immerzu, was ich nie hinterfragt habe, sondern als gegeben hinnahm. Natürlich hätte ich mich von Marcello Mastroianni gern einmal umarmen und küssen lassen. Rechts oder links zuerst oder umgekehrt wäre dabei egal gewesen. Das waren wohlige Gedanken, mehr nicht.
Dann steht die Frage: Hände wieder zur Begrüßung reichen oder nicht? Ich finde ja, dass man am Händedruck schon etwas auf den Anderen und sein Wesen schließen kann. Wenn ich Jemandem mit laschen, feuchtem Händedruck begegne, dann, ja, also, dann ist das so. Und dann gibt es Männer, die meinen, die Hand ist eine Zitrone und muss ausgedrückt werden. Ich bin mit Händeschütteln zur Begrüßung sozialisiert. Auch jetzt ertappe ich mich, dass ich die Hand bei einer Begegnung ausstrecke und sie dann aber reflexartig zurückziehe wegen Keimübertragung und so.
Ich bin echt gespannt, wie sich das entwickeln wird.
Ich weiß aber auch ganz genau, dass ich meine engen Freunde zur Begrüßung weiterhin umarmen werde, genauso, wie sie mich umarmen. Natürlich ohne Maske.
Jetzt gehe ich aber erst einmal an den Strand, auch ohne Maske und lasse mich von den warmen Sonnenstrahlen und dem etwas kälteren Wasser einlullen.

2 Kommentare zu „Corona-Splitter (7)

    1. Danke für deinen Kommentar!
      Ja, das stimmt, jemanden einfach zu duzen, zeugt von fehlendem Anstand und ist respektlos. Insgesamt ein schwieriges Thema, da es zunehmend um sich greift …

      Gefällt mir

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