Corona- Splitter (10)

Dazwischen

Im Moment lebe ich in einer Zwischenzeit oder anders gesagt, der Zeit zwischen den Lockdowns. Nein, nein es gibt noch keine vierte Welle, aber manchmal habe ich das Gefühl, sie wird von der Presse regelrecht herbeigeredet. Die Inzidenz in unserer Stadt liegt heute bei 2,9, also 2,9 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner, davon ca. 30% mit Delta-Variante des Virus. Ich bin weder Arzt noch Virologe noch Epidemiologe und kann nicht einschätzen, was das genau bedeutet. Natürlich hatte ich in der Schule Prozentrechnung, bin mir aber nicht sicher, ob das heute noch gilt und was jetzt mit wem und womit ins Verhältnis gesetzt wird.
Einschätzen kann ich aber das momentane Lebensgefühl, das sich fantastisch anfühlt. Der Sommer an der Küste meint es gut mit uns in diesem Jahr, die Ostsee ist 19,1 Grad warm und der erste Kinobesuch liegt hinter mir.
Die Kultur startet und damit auch die Eröffnungen von Ausstellungen, die ich früher gemeinsam mit dem Gatten besuchte oder die er selber gestaltete. Es hat deshalb etwas gefehlt in seinem Leben. Eines seiner Hobbys ist Fotografieren und es war in der Vergangenheit schön, wenn er seine Fotos in verschiedenen Lokalitäten ausstellen durfte.
Letzte Woche kam ein Anruf aus Güstrow mit der Frage, ob er denn wieder eine Ausstellung gestalten will. Riesenfreude! Ja, klar möchte er und wenn möglich, sofort!
Da zeigt es sich, man muss nur lange genug einen Wunsch haben , dann klappt es auch mit der Erfüllung.
Aufgeregt fragte er mich, welche Fotos er denn nehmen soll?
Für mich war klar: Südfrankreich!Diese Ausstellung war zwar schon einmal in Bad Doberan zu sehen, aber das Publikum wäre diesmal ein anderes.
Drei Tage später hängten wir die Fotos gemeinsam mit Frau Schröder von der Kulturabteilung der Kreisverhaltung des Landkreises Rostock auf.
Inzwischen sind wir mit ihr ein eingespieltes Team und waren relativ schnell fertig.

Probe-Auswahl

Zu meiner spontanen Entscheidung für Südfrankreich trug seine damalige lebhafte Reisebeschreibung bei. Es war eine seiner ersten Fotoreisen, die von Berlin über Paris nach Nizza führte. Dort trafen sich die acht männlichen Teilnehmer der Fotogruppe in einem Ferienhaus und wollten unter Anleitung des Reiseleiters, eines selbständigen Fotografen, den Süden Frankreichs erkunden. Sehr schöne Bilder entstanden. Der Reiseleiter aus Bayern hatte zu diesem Zeit eine neue Lebensgefährtin aus der Ukraine, die einige Jahre älter war und wesentlich mehr Lebenserfahrung hatte als er. Er wollte noch viel lernen. Von ihr! Deshalb verschob sich der Tagesbeginn ab und an für alle Teilnehmer. Einkaufen und kochen, die Hauptaufgaben der Ukrainerin, schaffte sie manchmal nicht, da sie sich am Tage ausruhte und von Hause auch etwas träge war. Der Stimmung tat das nicht gut. Morgens fuhr die Gruppe auf Motivsuche los. Manchmal hungrig!
In einer Boulangerie aßen sie dann ein Croissant, tranken Kaffee und freuten sich auf das Abendessen. Immerhin war man in einem Gourmetland. Abends, wenn alle müde ankamen, gab es manchmal nur ganz einfache, eher deutsche als französische Kost. Ein Teilnehmer aus Franken regte sich darüber maßlos auf.
Die Aufregung blieb allerdings ein »Sturm im Wasserglas«. Ein Grund dafür war, dass es der Reiseleiter immer wieder mit viel Charme schaffte, dass sich die Franzosen unterwegs problemlos fotografieren ließen. Hinzu kam, dass er sehr oft im Süden Frankreichs war und dadurch genau wusste, wo die schönsten Fotomotive waren. Die Gruppe musste sich also tagsüber zwischen ihren knurrenden Mägen und den fantastischen Fotomotiven entscheiden. Natürlich kannte der Reiseleiter viele kleine Restaurants und Bistros, die zu Aufhellung der Stimmung beitrugen und das DAZWISCHEN angenehm machte.
Das Leben ist eben manchmal nicht so ganz einfach und spielt sich ‚dazwischen‘ ab.
Die Ausstellung befindet sich in Güstrow, dem Klein-Paris des Nordens und liegt zwischen Rostock und Berlin.

4 Kommentare zu „Corona- Splitter (10)

    1. Hallo Helga,
      danke für deinen Kommentar! Ich kann dir nur zustimmen, der Tag sollte mit einem guten Frühstück und angenehmer Stimmung beginnen. Wenn dann noch Kultur dazukommt, dann hat man alles richtig gemacht😉

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  1. Sehr interessant, wie am Ende wieder das Thema auftaucht, welches ich beim Lesen der mich zum Schmunzeln bringenden Zeilen DAZWISCHEN ganz vergessen hatte. Die Ausstellung würde ich mir gerne ansehen, habe nun gerade festgestellt, dass ich leider wenige Tage zu spät tatsächlich in Güstrow bin. Schade! Auf jeden Fall teile ich die Freude darüber, dass Kultur vor Ort wieder möglich ist.

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    1. Hallo Maret,
      schön, dass du wieder gelesen und kommentiert hast- danke.
      Wenn wir die Kultur nicht hätten, wäre das Leben armseliger. Freue mich schon auf Oktober, wenn wir uns treffen. LGj

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