Corona-Splitter (13)

Ab in die Pilze

Im Sommer fragten mich meine Enkelinnen:
„Oma, sind Viren und Pilze eigentlich Lebewesen?“
Oh! Da hatten sie mich ertappt und ich gebe zu, dass ich das Gespräch in eine andere Richtung lenkte und diese ungewöhnliche Frage vergaß.
Inzwischen ist der Spätsommer da, hat den Herbst im Schlepptau und es geht in den Wald, zum Pilze sammeln. Ich erinnere mich an die Frage und mache mich nun schlau.
Viren sind keine Lebewesen, zumindest nach der gängigen Definition für ein Lebewesen, die demnach mindestens zu folgenden Dingen in der Lage sein müssen: Stoffwechsel, Fortpflanzung und Evolution. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel, sondern benutzen „nur“ den Stoffwechsel anderer Organismen und manipulieren ihn für ihre eigenen Zwecke.
Keine eigene Fortpflanzung: Viren können sich nur in in lebenden Wesen (zum Beispiel dem Menschen) vermehren. Dazu infizieren sie Zellen eines Wirtes, schleusen ihr Erbgut in dessen Zellen ein und vermehren sich dort mit Hilfe der infizierten Zelle.
Eine Evolution können sie durchlaufen, da sie mutieren. Ein Punkt wäre demnach für Lebewesen erfüllt. Es soll aber Riesenviren geben, die ein etwas anderes Verhalten aufweisen.
Anders die Pilze, die unter allen Lebewesen sowohl morphologisch als auch physiologisch die größte Biodiversität (Vielfalt) aufweisen. Sie können Hyphen, Myzelien und Fruchtkörper bilden. Die Ausbreitung geschieht meist durch Sporen, die entweder asexuell (ungeschlechtlich) oder sexuell (geschlechtlich) gebildet werden.
Diese Art Lebewesen will ich mit zwei Freundinnen suchen und hoffentlich auch finden. Die Frage nach den besten Stellen im Wald steht. Wir hören uns im Freundes-/Bekanntenkreis um:
„… ihr müsst nach Rövershagen fahren, da hat meine Tochter innerhalb von zwei Stunden drei Eimer voller Pilze gesammelt, ein Drittel davon Steinpilze!“ meint Fietje. Aha!

Foto R.Lehmann

„… so weit braucht ihr nicht fahren, in Rostocker Heide wachsen jede Menge Pilze“, weiß Karin zu berichten. Rövershagen liegt nahe der Rostocker Heide. Klingt gut.
„… absolut die meisten Pilze wachsen um Karow/ Nossentiner Hütte bei Krakow“, meldet sich Peter zu Wort.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es hier wie beim Erzählen der Angler von den Angelergebnissen ist. Ein Fisch größer als der andere!
Wir starten mitten in der Nacht (für mich als Rentnerin) gegen 7Uhr Richtung Krakow am See, parken das Auto Nähe Karow in einer Waldschneise. Es regnet. Regenwasser macht schön, also sollten wir gleich ausschwärmen. Vorher ein Imbiss mit einem Glas Prosecco, der die Pupillen weitet und uns besser durchs Unterholz kriechen lässt.
Wir verabreden, uns immer mal akustisch zu verständigen, also ein lautes HALLO, auf das mit einem noch lauteren HALLO geantwortet wird. Klappt gut.

Ich gestehe, dass meine Pilzkenntnisse nicht gut sind. Einen ASPERGILLUS NIGER, den Schwarzschimmel, erkenne ich sofort. Wenn ich in meine Giesskanne schaue. Der ist aber heute nicht gefragt.
Alles, was Lamellen hat, lasse ich stehen.

Nur glänzende, braune Hüte mit einem Schwamm darunter kommen in den Korb, der sich relativ schnell füllt.

Neue Behältnisse müssen deshalb her. Ich rufe laut. Nichts, kein Echo, keine Antwort. Ganz leicht macht sich ein Panikgefühl bemerkbar und ich rufe nochmals. Nun eine leise, entfernte Antwort, die ich zuordnen und finden kann. Kristina fehlt. Wir rufen laut, nix, keine Antwort. Rechts hören wir ganz leise Motorengeräusche, also muss die Straße hier sein. Wir laufen, versuchen Kristina per Handy zu erreichen. Kein Netz! Die Straße sehen wir hinter einem kleinen Graben. Petra durchquert ihn und schreit auf. Kein Tier ist die Ursache: die Schuhsohle hat sich abgelöst!

Es regnet immer noch und Petra spürt es nun auch von unten. Am Auto angelangt, versuchen wir, unsere verlorene Freundin zu orten, was auch gelingt. Leider läuft sie in die entgegengesetzte Richtung der Straße. Einen Radfahrer fragte sie unterwegs nach dem Weg und ob er sie auf dem Gepäckträger mitnehmen könnte. Er wollte nicht, erschrak förmlich und fuhr fluchtartig los. Welche Erinnerung hat diese Frage bei ihm ausgelöst? Wir werden es nie erfahren.
Unser Wiedersehen und das Betrachten der Ausbeute wird mit kleinem Schluck Prosecco gefeiert. Die Aktion selbst muss allerdings wegen fehlender Schuhsohle abgebrochen werden.

Für die Enkelinnen werden die Pilz-Lebewesen aus dem Wald fotografiert. Wenn sie welche suchen und finden wollen, sollten sie gut ausgerüstet sein, z.B. mit Gummistiefelchen.
Viren haben wir keine gesehen, gespürt oder aufgenommen. Zumindest nicht wissentlich. Ein Test wird es zeigen.

4 Kommentare zu „Corona-Splitter (13)

  1. Liest sich sehr spannend und für mich als absoluten Nicht(er)Kenner von Pilzen sehr wissenschaftlich!
    Weiter so bitte, auf jeden Fall mehr als Morgenlektüre geeignet, als die heutige OZ.
    LG Rita

    Gefällt mir

    1. Danke, liebe Rita,
      für das Lob! Aber so ganz kann ich dem nicht zustimmen. Du willst mich gegen die OZ tauschen? Dann hättest du heute nie erfahren, dass der Rostocker Kommissar beim Polizeiruf 110 gegen seine (echte) Frau ausgetauscht wurde und wer mit wem und wie oft künftig in MeckPomm regieren wird😉 …lGj

      Gefällt mir

  2. Du hättest noch schreiben können, dass wir trotz des Nieselregens geschwitzt haben wie die …,, und wir kladdernass waren!
    Aber sonst ist es so geschrieben, wie es war👍- und wir leben noch alle😀

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s