China

Reisvorbereitung

Unterwegs- ich mag dieses Gefühl. Es suggeriert Erlebnisse, Begegnungen, Gespräche. Vieles wird nie eintreten und ist nur in der Fantasie präsent. Aber- es könnte ja passieren. Als Kind stand ich stundenlang an den Eisenbahngleisen, magisch gefesselt von den glänzenden Schienensträngen und der Vorstellung, wohin sie führten. Kam ein Schnellzug vorbei, winkte ich und es winkte meist jemand zurück. Ich stellte mir vor, dass der Zug anhielt, jemand ausstieg und mich mitnahm. Und ein weiteres Traumfeld tat sich auf. Wohin würde ich kommen? Was würde ich erleben? Ich wollte immer weit weg.

Dieses Fernweh habe ich immer noch, aber der Unterschied zu früher ist, dass ich gerne zurückkomme an meinen Heimatort. Reisen fasziniert ungemein und es macht mich demütig und auch dankbar für das Leben, das ich führen kann. Natürlich habe ich etwas dafür getan, aber habe auch Glück, z.B., in Europa geboren worden zu sein.

Eine Form des Reisens ist die Gruppenreise, nicht meine Lieblingsform, aber um so ein großes Land wie China kennenzulernen, bleibt erst einmal diese Form. In zwei Tagen geht es los, Koffer ist vorsortiert, Reiseführer grob gelesen.

Das wird unsere Reiseroute sein:Ich bin gespannt und voller Erwartungen, von mir aus kann es sofort losgehen.

Stockschnepfen

Gestern kam eine Freundin zu mir, um unser im Sommer geplantes Vorhaben abzusprechen. Wir wollen im Herbst morgens regelmäßig laufen. Mit Stöcken!

„Morgen, 7:30 Uhr?“, lautete ihre Frage.

Das ist ja mitten in der Nacht, dachte ich und sagte schnell zu, damit ich nicht erst darüber nachdenken musste. Wir trafen uns auf der Promenade und marschierten durch den Küstenwald Richtung Dietrichshagen. Der Himmel wurde heller, die Sonne liess ahnen, dass sie heute noch einen größeren Auftritt haben würde. Kein Wind! Unterwegs erinnerte ich mich, dass ich mich vor Jahren, als die Nordic-Bewegung aufkam, darüber lustig gemacht hatte. Für mich kam das nicht in Frage! Ich erinnerte mich ausserdem, dass ich darüber eine Geschichte geschrieben hatte.

Wollt ihr sie lesen?

“S t o c k s c h n e p f e n”

Das ganze Jahr über trifft man wiederholt auf Stockschnepfen. Die Stockschnepfe gehört zur Gattung der bunten Vögel und hält sich vorwiegend in der freien Natur auf. Die älteren Exemplare der Stockschnepfe sind das ganze Jahr als Paar oder aber in großen Gruppen unterwegs. Wenn sie in ihren Nestern hocken und beim Stöbern in Zeitschriften auf ein Wellneppurlaubsangebot stoßen, greifen sie gerne zu.. Anders die jüngeren Schnepfen, die das ganze Jahr und in ihrer unmittelbaren Umgebung aktiv sind. Sie wirken dem Schwerkraftproblem ihrer Körper entgegen. Mit mäßigem Erfolg. Die weiblichen Stockschnepfen treffen sich meist dann, wenn ihre Brut noch oder schon wieder schläft.

Sie schnattern kurz und laufen los. Die Gesichter sind verbissen, die Körper verhüllt. Voller Kraft holen sie mit den Stöcken aus, um Schritt für Schritt die vorgegebene Strecke zu absolvieren. Das Tempo ist am Anfang hoch. Eine aus der Gruppe ist immer die Oberschnepfe, die alles besser weiß und permanent trällert: „Ihr müsst die Füße richtig abrollen und die Stöcker enger am Körper halten!“. Die Gesichter werden verbissener, die Blicke sind nur noch auf den steinigen Weg gerichtet. Überholende Fußgänger gibt es nicht, lediglich Radfalken kommen an der Gruppe vorbei, nicht ohne mehrmals geklingelt zu haben. Der vorbeiziehende Geruch ist beißend und streng.

Manchmal hört man Gesprächsfetzen aus der Gruppe:

„Du…hhhh…hast du…hhhhh…schon …hhhhh…gesehen…beim…hhhh…Lidl…hhh ham se…hhhh…diese Stirnbänder…hhhhhh…“

„Ja…hhhhhh…hab ich…hhhhhhh…hab se für die…hhh…Swantje gekauft…hhhh!“

„Oje…hhh…das war…hhhh…ein Fehler…hhhhh. Die Cordula…hhhh…du weißt doch…hhhhh…die geschiedene Frau…hhhhhhhh…von Berni…hhhh…die hat die für ihre Nichte Isabella…hhhh…gekauft. Und…hh hh…stell dir vor…hhhh…sie waren schon beim Hautarzt!!…hhhhh…Zwei Prozent Polyester…hhhhh…drin!!!!“

„hhhh…ist das anstrengend…hhhhh…heute…Allergie…hhhh…die hat ’ne Allergie gekriegt…hhh…ich wußte es…hhhhh…immer dasselbe…hhhh…“

Der Weg wird bergiger und führt an Kleingärten vorbei.

Die Gruppe trifft auf Gartentrutschen, die im Frühjahr und Herbst sehr aktiv sind und mit dem Kopf in der Erde wühlen. Ab und zu richten sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, stemmen einen Flügel in den Rücken und stöhnen. Diesen Moment nutzt die Oberstockschnepfe und zwitschert einen Gruß hinüber in die Kleingartenanlage. Die Trutschen tun so, als hätten sie den Gruß nicht gehört. Als die Gruppe außer Hörweite ist, pfeift die eine der anderen Trutsche über den Zaun hinweg zu:. „Die werden auch immer fetter!“. Klick- klick -klick stoßen die Stöcker auf den Boden. Die Schnepfen sind schon etwas müde. Einige murren, weil die Wegführung ohne eine vorherige Diskussion in der Schnepfengruppe geändert wurde. Der Weg windet sich in einer Kurve, tief unten leuchtet das Meer.

In der Ferne werden drei Gestalten sichtbar, die sich beim näheren Hinschauen als Joggingspechte entpuppen. Sturen Schrittes, die Köpfe hochrot und nach unten gerichtet, marschieren die Stockschnepfen. Sie nehmen die ganze Breite des Weges ein und auch als die Spechte nur noch zehn Meter entfernt sind, machen sie keinen Platz. Nur mit einem Sprung ins Gebüsch kann sich einer der Spechte vor einem ausholenden Stock retten. „Blöde Schnepfe!“, tönt es aus dem Gebüsch. Unbeirrt marschieren die Stockschnepfen weiter. Das Ziel ist in Sicht!

Angekommen und nach einem kurzen Snack bei einem Beifuß-Kümmel-Artischocken-Tee beschließen sie, den Angriff der Joggingspechte auf ihre Schnepfenpersönlichkeit erst in der nächsten Schnepfenzusammenkunft zu diskutieren. Sie sind zu flügellahm, als dass sie das jetzt noch schaffen würden.

Immer noch aktuell, diese kleine Geschichte! Wobei nunmehr die Generationen + und ++ in der Überzahl sind. Als wir am Startpunkt zurück waren, sehe ich auf dem Display: 7,9 km/423 kcal verbraucht!

Gut gemacht😉

Äusserlichkeiten

Als ich heute am Strand unterwegs war, dabei die Vorboten des Herbstes spürte, sah ich, dass in einem abgesperrten Bereich Fotoaufnahmen gemacht wurden. Ich musste lächeln und erinnerte mich an eine Begegnung, die meine Einstellung zu Äusserlichkeiten veränderte.

Eine „Äusserlichbeurteilende“ (gibt es das Wort überhaupt?) war ich während meiner Verkaufstätigkeit tatsächlich. Bis eines Tages dieser Bauer unser Geschäft betrat.

Es war zehn vor sechs, Herbst, schon leicht dunkel, ich auf Feierabend eingestellt, inzwischen unmotiviert und dann kam er: ein grosser, stattlicher Mann, Gummistiefel, strenger Geruch, Stroh an der Jacke, schmalztriefende Mütze, mürrisch.

Eine Jacke wollte er. Ich gab ihm eine, er probierte, sie passte. Ohne ein Wort legte er sie auf den Tisch. Fragte recht unfreundlich, ob das alles sei, was ich anzubieten habe.

Mein Adrenalinspiegel stieg! Nein, nicht alles. Legte drei andere dazu und er probierte alle an. Ohne Worte. Sie passten alle.

Zum Schluss lagen alle Jacken auf dem Tisch, es fiel kein Wort und ich begann, sie wegzuräumen. Der würde sowieso nichts kaufen, war mein Gedanke. So wie ich ihn wahrnahm und gedanklich einschätzte, konnte wohl in meinem Gesicht abgelesen werden. Denn er sprach plötzlich:

„Warum räumen Sie alle Jacken weg? Wollen Sie nichts verkaufen?“ Ich erschrak.

Er stand am Tisch, zeigte auf zwei Jacken und ich hörte, wie er, fast nebenbei,sagte:

„Diese zwei Jacken nehme ich!“

Eine davon war eine Lammfelljacke.

Eine gute Lektion!

Ich beurteile seit dieser Begegnung keinen mehr nach Äußerlichkeiten.

Zumindest meistens …

Wie sieht es damit bei euch aus?

Jahrestage

Erreiche ich eine bestimmte Jahreszahl, egal ob bei Geburts-, Hochzeitstagen oder Betriebszugehörigkeit, so soll das besonders gefeiert oder begangen werden. Bei Hochzeitstagen vielleicht nicht unbedingt der 37igste, aber drei Jahre danach wäre es ein Anlass.

Wir waren noch nie für grosse Feiern. Schon der Gedanke daran lässt meinen Stresspegel enorm steigen.

Ich hatte deshalb eine Idee, die ich aber ohne Hilfe nicht umsetzen konnte:

Konzert in der Elbphliharmonie und Fahrradtour durch Hamburg!

Karten für die ElPhi bekam ich von einem Reisefreund, mit dem wir gemeinsam in Japan waren. Da er in der Nähe der Elbchaussee ein Haus besitzt, schon immer in HH wohnt, unternahmen wir mit ihm gemeinsam die Radtour und bekamen so Insiderwissen über Strassen, Gebäude und Bewohner.

Das Wetter meint es an diesem Tag Ende September gut mit uns, morgens Sonne satt, wenn auch kühle 9 Grad, die sich im Laufe des Tages auf 15 Grad erhöhen.

Start ist in Blankenese und es geht immer an der Elbe entlang, vorbei an den vielen Villen, die hoch über dem Elbufer liegen.

Dirk, unser Begleiter, weist auf eine von Bäumen halbverdeckte Villa und sagt, diese gehört Karl Lagerfeld. Ich horche auf. Lagerfeld?

Es brennt Licht. Soll ich klingeln? Nein, doch kein Licht, die Sonne wird von den Scheiben reflektiert. Schade! Also weiter.

An der Elbe herrscht Ebbe, immer wieder fahren wir an aufgeschütteten Sandstränden vorbei. Ganz vereinzelt riesige Containerschiffe, deren Anzahl sich bei Flut erhöhen wird. Durch die Elbvertiefung wird mehr Salzwasser aus der Nordsee in die Elbe gedrückt und die Zusammensetzung des Wassers ändert sich, was sich auf den Fischbestand auswirkt.

Wir erreichen Wittenbergen und fahren zurück bis zur Fährstelle Teufelsbrück.

Mit der Fähre geht es nach Finkenwerder, Umstieg auf die nächste Fähre nach Landungsbrücken. Die Fahrt geht entlang der Elbchaussee und wir bewundern die vielen Villen und Neubauten, hören Dirks Geschichten über die vergangenen und jetzigen Bewohner der Villen. Vorbei am Fischmarkt mit der Auktionshalle gelangen wir zur Haltestelle Landungsbrücken. Eine dritte Fähre bringt uns direkt zur Elbphilharmonie. Mit dem Fahrrad umkreisen wir die ElPhi, wo wir am Abend ein Konzert hören werden, und fahren weiter ins portugiesische Viertel. Laut Dirk soll es hier interessante Lokale mit schmackhafter Küche geben. Stimmt!

Die Männer entscheiden sich für gegrillte Sardinen, ich mich für den Teller mit gegrillten Fleischstücken. Hervorragendes Essen und ein süffiger Vinho Verde runden das Essen ab.

Es ist später Nachmittag und wir radeln zurück nach Klein Flottbek, erst durch die Stadt, um dann auf den Weg an der Elbe entlang abzubiegen.

Am Abend nochmals die ‚Fährtour‘ zur ElPhi, wo ein sehr schönes Konzert auf uns wartet. Vorher inspizieren wir die Räume, Treppen und den Musiksaal und sind schwer beeindruckt. Die Akkustik ist fantastisch. Zurück geht es mit S- und U-Bahn, die im Gegensatz zu unseren „Dorf“-Bahnen in kurzen Abständen fahren.

Morgen noch ein Besuch in den Deichtorhallen zur Fotoausstellung „Street-Photography“ und dann Fahrt zurück nach Rostock.

Ein Tag, wie wir ihn uns gewünscht haben, sozusagen ein Geschenk von uns an uns.

Wie verlaufen denn eure Jahrestage?

Kaltes Wasser

Heute morgen, unterwegs zum morgendlichen Schwimmen, sehe ich von der Promenade aus, dass sich die Ostsee zurückgezogen hat.

Die Buhnen ragen an meinem Strandaufgang grünbemoost wie kariöse Zahnhälse aus dem Wasser. Es ist schon recht kühl, gerade mal 10 Grad Lufttemperatur. Das Wasser hat 17 Grad und fühlt sich gegenüber der Luft “warm” an. Aber nicht sofort! Erst nach einer Weile stellt sich ein “Wärmegefühl” ein.

Der Körper schaltet erst einmal auf Alarmmodus und beginnt sofort gegen den Kältereiz zu arbeiten. Die Gefäße öffnen sich und das Blut strömt. Dabei werden Glückshormone freigesetzt und ich fühle mich einfach fantastisch. Ein prickelndes Gefühl, ähnlich dem, das entsteht, wenn ich ein Glas Champagner trinke.

Am Strand stehen nicht mehr viele Strandkörbe. Der Herbst hat Einzug gehalten! Die morgendlichen Strandwanderer sind dick eingehüllt und kämpfen gegen den stürmischen Wind. Noch scheint die Sonne, wärmt aber nicht mehr so stark. Ich mag den Herbst mit seinen Farben, mag es, wenn Ruhe einzieht in unser Fischerdorf.

Wie geht es euch mit dem Herbst?

Welt-Alzheimertag

Der 21.September ist der Welt-Alzheimertag und wir werden auf die Erkrankten und die Krankheit selber aufmerksam gemacht. Die Angst davor ist auch bei mir groß. Ich habe schon immer das Problem, mir Namen zu merken. Das ist aber noch keine Demenz!

Wenn die Vergesslichkeit immer grösser wird, sollte man vielleicht doch eine Gedächtnis-Sprechstunde aufsuchen und sich Klarheit verschaffen.

Die Frage steht, kann ich etwas dagegen tun?

Medikamente gibt es nicht. A b e r – das Gehirn ist ein Körperteil und kann trainiert werden. Ich muss es ständig benutzen (ha-ha) und kann es stärken durch Bewegung, gesunde Ernährung und vor allem durch soziale Kontakte. Auch das war ein Motiv für meinen Blog:

Soziale Kontakte (wenn auch virtuell) und geistige Aktivität (ich hoffe, man merkt es…)!

Eine richtig gute Info hörte kam neulich im Radio, dass das Spielen mit dem Handy zur Stärkung des Gehirns beiträgt. Zumindest die Stelle, die für die Motorik des Daumens/Zeigefinger zuständig ist.

Das ist doch schon mal ein guter Anfang, oder?

Anfang

Ich fand es immer interessant, Dinge, die mir oder anderen passieren, festzuhalten. Blog ist das Zauberwort, das alles vereinfachen und anderen zugänglich machen soll. Leider bin ich pc-mässig keine ‚Leuchte‘ und muss mir alles mühsam erarbeiten. Immerhin habe ich es schon bis hierher gebracht.

Mal sehen, wie es weitergeht. Erst einmal eine Freundin benachrichtigen und ihre Meinung einholen.