Wie entsteht die Wettervorhersage?

Wenn ich im Januar aus dem Fenster schaue, dann erscheint die Welt trist. Es ist oft neblig und diesig. Schneefall? Eher nicht, dazu wohnen wir nicht nördlich und auch nicht südlich genug. Mittendrin also, dort, wo es nicht richtig kalt wird und ich frage mich:

Wer ist eigentlich für das Wetter verantwortlich?

Der liebe Gott? Eher nicht.

Ich denke, das finde ich nicht so einfach heraus oder aber ich müsste mich auf die wissenschaftliche Ebene begeben. Könnte schwierig werden.

Aber wie eine Vorhersage entsteht, das könnte ich herausfinden und zwar mit Sabines Hilfe.

Wenn wir uns treffen, gibt sie Auskunft, was uns die nächsten Tage erwartet, ob es sich lohnt, den Grill anzuwerfen oder ob wir besser zuhause bleiben.

Sie ist unsere ‚Wettervorhersagerin‘.

Als technische Assistentin für Meteorologie war sie jahrelang Wetterbeobachterin und Leiterin der Wetterwarte Warnemünde. Seit immerhin 33 Jahren ist sie in ihrem Beruf tätig. Immer wieder betont sie mit leuchtenden Augen, es sei ihr Traumberuf und sie würde ihn immer wieder wählen.

Sie ist also die absolut richtige Ansprechpartnerin für mich.

Die Wetterwarte gehört für mich zu Warnemünde wie der Leuchtturm. Wenn wir im Sommer zum Strand fahren, werfen wir vorher und nachher einen Blick auf die angegebenen Wasser- und Lufttemperaturen. Die gefühlten Temperaturen unterscheiden sich von den angegebenen. Zu Saisonbeginn sind 15 Grad Wasserwärme WARM, während Mitte Juli diese Temperatur als KALT empfunden wird.

Diese Anzeige könnte aber im Rahmen der Automatisierungen bald vorbei, meinte sie.

Das wiederum wäre ausgesprochen schade!

Wir treffen uns an einem kühlen Tag im Januar vor der Wetterwarte.

Als erstes werfen wir einen Blick auf die Erfassung der Daten. Es ist kalt, der Boden ist teils mit Schnee (tatsächlich 0,5 cm!) bedeckt, als wir das Dünenmessfeld, übrigens das einzige in Deutschland, betreten. Sabine erklärt uns die einzelnen Messgeräte, die früher jede Stunde abgelesen wurden. Inzwischen werden die Daten elektronisch übermittelt. Gleichzeitig gibt sie einen Einblick in die Geschichte der Wetterwarte.

Parallel zu den jahrzehntelangen Wetteraufzeichnungen am Standort Rostock gehen die Anfänge in Warnemünde bis ins Jahr 1841 mit ersten sporadischen Windbeobachtungen zurück. Seit 1850 wurden vom jeweiligen wachhabenden Lotsen die Sichtweite, Wolken, Wind, Eisverhältnisse sowie die Temperatur und der Luftdruck für die Deutsche Seewarte Hamburg festgestellt. Vom Lotsenkommandeur St. Jantzen wurden 1877 erstmals Beobachtungen veröffentlicht.

Später befand sich auf dem Flugplatz Warnemünde- Markgrafenheide eine mit Fachmeteorologen besetzte Wetterwarte, die zum 1.1.1939 zu Wetterwarte umbenannt wurde.

Im Februar 1945 wurde der Beobachtungsdienst nach Bombardierung des Flugplatzes eingestellt.

Am 01.05.1946 wurde die Station in der Seestrasse eröffnet, wo sie heute noch ist. Die Ausrüstungen wurden und werden ständig verbessert.

Am 19.09.1990 begann die Automatisierung der Wetterbeobachtung in Warnemünde. Damit wurden die Erdbodentemperaturen 5 bis 100 cm und die Temperatur 5 cm über dem Erdboden nicht mehr im Dünenfeld sondern auf dem Hochmessfeld im Hof der Wetterwarte gemessen. Grund dafür waren häufige Zerstörungen auf dem Dünenmessfeld wie Sandverwehungen. Interessant war die Zeit, als die Stranddiestel unter Naturschutz gestellt wurde. Da war es nicht mehr so einfach, die Pflanzen zu entfernen.

Im Zuge der Wiedervereinigung trat der Meteorologische Dienst am 3.10.1990 dem Deutschen Wetterdienst bei und die Wetterstation Rostock-Warnemünde wurde in das gesamtdeutsche Messnetz integriert.

Am 01.07.2005 wurde die Wetterstation in Wetterwarte Rostock-Warnemünde umbenannt.

Während in früheren Jahren mehrere Mitarbeiter für Datenerfassung verantwortlich waren, sind es heute noch drei, die hauptsächlich Organisationsaufgaben erledigen.

Die Daten, die hier und heute erfasst werden, gehen in nationalen und internationalen Austausch der Weltorganisation für Meteorologie ein.

Früher war die Hauptaufgabe von Sabine, das Wetter zu beobachten. Die Messfelder wurden jede Stunde kontrolliert und die Daten aufgeschrieben. 24h! Fünf Minuten wurden Daten abgelesen und aufgeschrieben. Nachts und im Winter konnten fünf Minuten ganz schön lang werden! Daraus entstand die Wettervorhersage und ergab auch die Anzeige vor der Wetterwarte.

Wie lange kann man eigentlich das Wetter vorhersagen? Das interessiert mich schon lange.

Es ist nunmehr möglich, für jeden Ort eine fundierte Vorhersage für drei Tage zu geben. Aber auch das nicht 100%ig, da es immer Unsicherheitsfaktoren wie zum Beispiel plötzlich auftretender Seenebel oder aber Seewinde geben kann. Ich erinnere mich, dass es im Hochsommer in Rostock heiß war und wenn ich mit der S-Bahn nach Warnemünde kam, war es zehn Grad kälter und total neblig!

Die Reverenzreihe, die für Vergleiche der Jahrestemperturen genutzt wird, ist auf 1960-1990 festgelegt. Dadurch konnte der Anstieg der Jahresmitteltemperatur nachgewiesen werden und auch, dass das Wetter nicht allein für die Klimaveränderung verantwortlich ist.

Man merkt es Sabine an, wie begeistert sie ihren Beruf ausübt. Die stündlichen Abmessungen früher waren anstrengend, aber auch schön. Wer kann schon von sich sagen, alle Wolkenarten, Nordlichter und aufkommende Gewitter en Detail und zu jeder Tages-und Nachtzeit gesehen zu haben?

Ein wenig entschädigt heute der Blick aus dem Fenster der Wetterwarte direkt auf die Ostsee und auf die ein- und auslaufenden Schiffe.

Und wenn es im Sommer so richtig heiss ist, kann sie schnell in der Ostsee abtauchen. Wer kann das schon?

Danke, Sabine, für deine Informationen/Erklärungen und weiterhin viel Freude bei der Arbeit.

2019

Nun ist es schon drei Tage alt, das neue Jahr, das stürmisch kam. Schon in der Silvesternacht gab es starken Wind mit Böen. Wir begrüßten das neue Jahr am Strand und erfreuten uns am Feuerwerk.

Am nächsten Tag wurde der Wind immer stärker und die Veranstalter des Events „Leuchtturm in Flammen“ sagten alles wegen Orkanböen und Sturmwarnung ab. Für das Feuerwerk wurden zehntausende Zuschauer erwartet. Schade, aber die Sicherheit ging vor.

Am nächsten Tag hatte uns das Sturmtief „Zeetje“ voll im Griff! Mecklenburg erlebte eines der schwersten Hochwasser der letzten Jahre. In Warnemünde wurde mit 1,67 Meter über Normal der höchste Pegelstand seit 1954 gemessen. Die Fährverbindungen wurden eingestellt. An den Stränden schlugen Wellen über Strände und Kaikanten.

Ein Naturschauspiel der besonderen Art! Da ich an dem Tage einen Termin in Rostock hatte, kam ich erst am späten Nachmittag nach Warnemünde und lief sofort an den Alten Strom und Strand. Der Wind wehte mich fast um. Der Strom schwappte auf den Fußweg, die Mole wurde von den Wassermassen überspült. Am Strand stand die Rutsche für die Kinder im Wasser. Überall war der Sand zu kleinen Hügeln aufgetürmt.

„Morgen ist alles vorbei und das Wasser wieder weg“, hörte ich eine Stimme sagen und konnte es gar nicht glauben.

So kam es auch. Am dritten Tag war der Alte Strom wieder trocken, Leute tranken Kaffee vor den Cafés und die Mole war voller Menschen. Von der Rutsche fielen die Kinder wieder in den Sand. Das Meer hatte sich zurückgezogen.

Da hat das Jahr 2019 einen rasanten Start hingelegt und ich bin gespannt, was es noch für Überraschungen geben wird.

Wie habt ihr den Jahreswechsel erlebt?

Neues Jahr

Mit diesen Impressionen von einem Spaziergang am Strand und durch den Küstenwald verabschiede ich mich vom Jahr 2018 und sage DANKE für euren Besuch und auch Beiträge auf meinem Blog.

Ich wünsche uns allen ein friedvolles, neues Jahr, das uns Gesundheit bringen und diese erhalten möge, uns überrascht, Neues erleben und Altes vertiefen lässt. Kurz gesagt:

Viel Glück im neuen Jahr!

Knecht Ruprecht

Heute las ich in der Zeitung, dass Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß sei. Er passe nicht mehr in das Bild der heutigen Kindererziehung.

Das stimmt. Schon wenn man sieht, mit was für rückschrittlichen Verkehrsmitteln er unterwegs ist. Schlimm! Er kann einfach nicht mithalten, wenn die Kinder mit SUVs zur Schule bzw. ihren Aktivitäten gefahren werden. Er prangert Ungezogenheiten an, verlangt Besserung bei Verfehlungen und will erst dann seine Gaben verteilen. Das geht wirklich gar nicht mehr! Seine Begünstigten sind Kinder oder sollen es sein. Aber immer wieder hört man, dass er auch Erwachsene beglückt. Macht er das aus lauter Freude? Ich nehme es einfach mal an.

Der Nikolaustag hat für mich keine große Bedeutung. Die Enkel werden schon einige Zeit vorher per Post beglückt. Rückmeldungen kommen nicht. Warum sollten sie das bei mir tun? Die kleinen Geschenke kommen ja von IHM, dem grossen Unbekannten, den noch keiner sah.

Er ist ein Nachtmensch. Als ich gestern morgen hektisch die braune Tonne vor die Tür fuhr, sah ich beim Hinauslaufen das viereckige Päckchen in meinem Schuh. Oho! Sollte der Nachtknabe Ruprecht bei mir gewesen sein? Hatte ich das verdient?

Viereckiges Päckchen bedeutet Buch oder Pralinen. Gut, erst einmal die Tonne raus. Keine einzige Tonne auf der Strasse? Also in der Woche geirrt, Kommando zurück, Tonne wieder in den Garten.

Frühstück oder erst Päckchen aufmachen?

Ich bin ja schon groß und kann mich beherrschen. Kaffee ist schnell gemacht. Das Päckchen liegt vor mir. Ich weiss gar nicht, was grösser ist, die Neugier oder die Freude? Das Papier ist schnell aufgerissen. Ein Buch!

Als ich den Titel und den Untertitel lese, merke ich, wie sich die Freude in ein undefinierbares Gefühl verwandelt:

„Kochbuch für die kleine alte Frau“ von Sybil Gräfin Schönfeldt, ein Buch für all jene, die allein leben, aber eine selbstgekochte Mahlzeit lieben.

Könnte es sein, dass sich der Knabe geirrt hat? Ist er selber alt? Oder sollte es ein Hinweis darauf sein, dass sich mein Leben demnächst ändern könnte? Ich grüble und merke, wie sich meine gute Laune verflüchtigt.

Was stört mich am meisten? Die Wörter ‚alte Frau‘ – etwas schon. Klar bin ich alt, mache daraus keinen Hehl und habe damit kein Problem. Das Wort ‚klein‘ relativiert es, macht es etwas sympathischer. Trotzdem! Kochen mag ich gern, stimmt, allerdings so gut wie nie für eine Person.

Der mir Angetraute kommt die Treppe herunter und fragt:“Und?“

Ich gebe zu, dass ich mich nicht so ganz gut unter Kontrolle hatte und die Worte (ich wiederhole sie nicht!) die ich im Affekt über Knecht Ruprechts Geschenkidee äusserte, nicht sehr nett waren. Es war eine schöne Geste. Ich vermute aber, Knecht Ruprecht wird künftig nicht mehr mit einem Geschenk zu mir kommen.

Aber da es sowieso nicht mehr zeitgemäß ist, werde ich es nicht vermissen.

Fotoausstellung

Die Digitalisierung hat unsere Welt verändert und ganz besonders die Fotowelt.

In meiner Kindheit gab es die Pouva Start, hergestellt in Freital bei Dresden. Es wurde ein Film eingelegt und fotografiert. Der Film wurde zur Entwicklung gebracht und dann begann das Warten. Verwackelt oder Bilder gut geworden? Das Format war klein, ich glaube 6×6 und die Bilder in schwarz/weiss. Es waren aufregende Momente, wenn man die Bilder anschaute. Manchmal war wenig darauf zu erkennen, trotzdem waren es schöne Moment. Wir wissen, wie rasant die Foto-Entwicklung weiterging.

Die meisten fotografieren heute digital. Ich selber, z.B.,fotografiere fast nur noch mit meinem Handy.

Mein Mann ist anders als die meisten!

Er fotografiert nach wie vor analog und „knipst“ nicht einfach „drauflos“ wie beispielsweise ich.

Das Motiv wird genau ausgewählt, anvisiert und erst dann abgedrückt. Ein Film bei ihm hat 36 Bilder und er benutzt Diafilme. Da ist es ärgerlich, wenn er nach Entwicklung der Filme feststellt, dass das Motiv schlecht ausgewählt wurde.

Es ist für ihn immer ein aufregender Moment, wenn er seine „Tüten“ in der Drogerie in Empfang nimmt und Zuhause die Dias auf dem Leuchttisch anschaut. Schön ist es, wenn einige mit ausgewählten Motiven wie zufällig aufgenommen erscheinen. Die Dias stellt er oft zu einer Dia-Show zusammen, die im Freundeskreis gezeigt wird. In letzter Zeit gestaltet er eigene Fotoausstellungen, was immer aufregend ist, viel Arbeit macht und trotzdem Freude bereitet. Einfach Hobby!

Seit dem 8. November ist seine Ausstellung ‚Cote d’Azur‘ in Bad Doberan zu sehen.

Die Bilder entstanden während einer Fotoreise durch Südfrankreich.

Ich finde sie sehr gelungen.

Herbst

Warnemünde hat mich wieder.

China taucht in Träumen auf, die sich beim Aufwachen schnell verflüchtigen.

Als erstes nehme ich meine morgendlichen Stock-‚Gänge‘ wieder auf. Ich mag den Herbst, mag diese in sich übergehenden Farben Orange, Braun und Gelb. Ab und an blitzt eine rote Hagebutte durch das Blattwerk oder das Gras ist ganz grün. Ein sehr schönes Farbspiel! Der Herbst bringt Ruhe. Das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich zuhause bleibe, verblasst.

Der Strand ist inzwischen leer, vereinzelte Spaziergänger, Leute mit Hunden oder Nordic-Stöcken sind unterwegs. Wir sind also unter uns.

Am Strand wird der Sand neu verteilt. Der, der an der Mole angespült wurde, wird Richtung Wilhelmshöhe gefahren. Warum jetzt schon? Stehen die Herbststürme nicht noch aus?

Lange Zeit war ich allein unterwegs. Ich es mag, wenn das Meer rauscht, der Wind in den Bäumen bläst, Grussworte mit Fremden gewechselt werden. Durch einen Zufall kam ich auf die Idee, dass es in Gesellschaft auch schön sein könnte.

Gedacht, getan.

Am liebsten habe ich männliche Begleiter, denen ich zuhöre, die keine Antwort erwarten.

Meine Begleiter wechseln, haben tiefe, sonore Stimmen, manchmal sind sie laut und aufdringlich. Mein Keuchen vom schnellen Gehen lässt aber alles gut klingen. Ich bemerke gerade beim Schreiben, dass ich eher selten mit Frauen unterwegs bin. Woran liegt das? Keine Ahnung! Frauenfeindlich bin ich nicht.

Einen mag ich besonders gern, den Peter. Wenn er von einer frühen Begegnung erzählt, dann löst das auch in mir eine Erinnerung aus und ich fühle mich in meine Jugend und nach Riesa zurückversetzt. Die elfte Klasse lag hinter, das letzte Schuljahr vor mir und es war Sommer. Ich spürte damals den warmen Regen auf der Haut, der mit dem Gewitter kam, als ich über den Leninplatz rannte. Ich riss die Arme vor Übermut hoch, lachte unbändig und freute mich über den Peter M. und sein Lied.

„Duuuu, duuuu bist alles, was ich habe …“, schallte es aus den Lautsprechern und ich sang laut mit.

Natürlich habt ihr es längst erraten, wer meine morgendlichen Begleiter sind.

Wen oder was HÖRT ihr denn, wenn ihr unterwegs seid? Bestimmte Gruppen? Mehr Sängerinnen als Sänger oder umgekehrt? Radio? Hörspiele?

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Reise nach China

China…

Ich bin zurück und stelle fest, dass es mir extrem schwerfällt, meine Eindrücke und Erlebnisse in Worte zu fassen. Sie waren überwältigend. Was hatte ich erwartet?

Nun, auf jeden Fall nicht diese Ausmaße der Städte, die Freundlichkeit der Leute, den Standard der Hotels, die extreme Vielfalt der Landschaft.

Eine Reise durch China ist – trotz eines starken Trends zum westlichen Lebensstil – eine Reise in eine völlig andere Kultur. Hat man mitten in der Einkaufsstraße Nanjing Road in Shanghai das Gefühl in einer Weltstadt zu sein, so kann dieser Eindruck in der nächsten Seitengasse sofort wieder schwinden. Ganz zu schweigen von anderen Städten in China. Viele Millionenstädte sind modern und auf den zweiten Blick doch weniger fortschrittlich. Aber ist es nicht genau das, was wir auf einer China-Reise suchen? Das Andere, das Besondere und auch das Fremde?

Zwei Sachen waren für mich mit am beeindruckensten, einmal die vielen Wohnhochhäuser und dann die Hallen der Harmonie.

Wir besuchten Städte mit Einwohnern in zweistelliger Millionenhöhe. Eine Stadt, Chongqing, ist flächenmässig so gross wie Österreich mit 30 Mio Einwohnern! Um diesen Menschen allen Wohnraum zu geben, muss man auf Wohnhochhäuser zurückgreifen, die teilweise 40-50 Stockwerke haben. Früher kam auf eine Person 4-6 m2 Wohnfläche, heute sind es 14m2. Gern hätte ich eine Wohnung von innen gesehen.

Der wichtigste Ort, den wir in China aufsuchten, war die „Halle der Harmonie“. Nach jedem Besuch dort fühlte ich mich erleichtert, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Chinesen sagen nicht einfach Toilette oder Klo, sondern sie besuchen die ‚Halle der Harmonie‘, weil Konfuzius sagte, dass der Körper im Gleichgewicht sein sollte. Der Besuch führt zu einem Wohlbehagen, der Körper ist wieder in Harmonie. Der Besuch ist immer kostenlos, wenn auch die Toiletten oftmals einfach sind und man gute Beinmuskeln haben muss, um sich hinzuhocken. Es gibt inzwischen aber immer mehr Sitztoiletten. Für mich war das kein Problem.

Das Essen enthält viel frisches Gemüse (köstliche Aubergine!), Fleisch, Nudeln, Reis, eine Art Knödel und regionale Spezialitäten mit vielen Möglichkeiten der Zubereitung und Würzung.

Generell kann man sagen: Reis wird in China vor allem in der Südhälfte gegessen, im Norden sind Nudeln wichtig. Zum Essen wird kostenlos Tee serviert. Besteck kann bestellt werden.

Bier zählt in China eher zu „Softdrinks“ -Alkoholgehalt 2,3%- als zu Alkohol und wird häufig aus Wassergläsern getrunken.

Wenn wir als Gruppe an zwei runden Tischen Platz genommen hatten, ertönten regelmäßig Stimmen:

„Ich möchte Cola Zero! Gibt es nicht? Wieso nicht?“, oder

„Ist da Koriander drin? Ich habe eine Koriander-Allergie!“, oder

„Ist das Essen scharf? Wir essen Zuhause immer(!) scharf, aber nicht so scharf wie hier!“

„Wo, bitte, ist der nächste McDonald?“, hätte ich dann am liebsten gerufen und den Nicht-Gourmets die Tür geöffnet.

Mir schmeckte es immer. Einigen anderen auch. Die Schärfe trieb uns manchmal Tränen in die Augen, die einfach weggelacht und -getrunken wurden. Was soll’s! Wir waren im Ausland, andere Länder – andere Gewürze. Das ist für mich mit das spannendste auf Reisen, neue Lebensmittel und deren Zubereitung zu probieren. Von unserem Reiseleiter Bin kam aber der vorsichtige Hinweis, aufzupassen, wenn etwas mit Leitungswasser gewaschen wurde. Ein krankes Gruppenmitglied ist kein gutes Mitglied!

Reisesplitter (1)

Mit zwei Stunden Verspätung landeten wir in Peking, fanden und beäugten uns als Gruppe, machten die Bekanntschaft des Mannes, der uns drei Wochen begleiten wird.

Ein kleiner Chinese mit Namen Bin.

Im Laufe der Reise sprachen wir über die Körpergrösse und Bin erzählte uns, dass es 1960 ein Hungersnot gab und alle die, die damals geboren wurden, blieben bei etwa 1,60 m stehen. Dabei lachte er. Wahr oder nicht wahr?

Bin verstand auf jeden Fall Spass und auch in der Gruppe gab es einige Spaßvögel, sodass wir viel gelacht haben. Ein ständiger Begleiter war ‚KUnfuzius‘, der uns die verschiedensten Hinweise und Erklärungen gab, wie zB:

Wenn es draussen regnet und du bist drin, wirst du nicht nass. Kam unheimlich gut an, als wir mehrere Tage Regen hatten.

In den drei Tagen in Peking besuchten wir den Himmelstempel, den Platz des Himmlischen Friedens, den Sommerpalast und die Grosse Mauer. Mit uns waren immer tausende Leute, hauptsächlich Chinesen, unterwegs.

Wir wurden bei den Besichtigungen oft von chinesischen Touristen um ein gemeinsames Foto gebeten. Meistens bemerkte man schon vorher verstohlene Blicke, inklusive nervösem Gekicher. Ich fand es amüsant und habe gerne mitgemacht, wenn ich gefragt wurde. Beliebter waren natürlich helle, möglichst langhaarige Personen.

„Zieht euch warm an, auf der Mauer ist es kalt“,

hörten wir Bin sagen und er hatte Recht. Auf der Grossen Mauer pfiff ein kalter Wind, als wir den Aufstieg begannen. Zu der Mauer kann ich nur sagen:Grosse Mauer gleich grosses Erlebnis!

Peking selber begeisterte mich nicht so sehr, kam mir wie eine Beamtenstadt vor. Das ursprüngliche China vermisste ich in dem Meer der Hochhäuser. Wir besuchten aber am späten Nachmittag einen Stadtteil, der ahnen liess, wie es früher hier aussah. Mit einer Rikscha fuhren wir durch einige Strassen. Die armen Rikscha-Fahrer! Da mussten sie die grossen, schweren Deutschen mittels Beinkraft voranbringen. Trotzdem es in China nicht üblich ist, Trinkgelder zu geben, griffen alle in ihre Taschen und holten Yuans heraus.

(2)

Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker, fassen eines kleinen „Fresspakets“ und dann Zugfahrt nach Xin’an. Was für eine Fahrt! 1200 km in fünf Stunden! Ach, gäbe es doch auch bei uns diesen Zug.

Eine faszinierende Stadt erwartete uns und endlich hatte ich das Gefühl, das echte China zu sehen. Gewusel auf den Strassen mit Strassenhändlern, rote Laternen und Lampions an den Häusern, schöne Stadtmauer, diese Stadt wusste zu begeistern. Etwas Besonderes war eine nächtliche Fahrt durch das Lichtermeer der Stadt und das Wasserspiel an der grossen Wildganspagode.

Dann ein weiteres Highlight der Reise: Besichtigung der Terrakotta-Armee – einfach nur beeindruckend!

(3)

Eine weitere Bahnfahrt brachte uns zum Jangtse, dem längsten Fluss Chinas. Drei Tage fuhren wir flussaufwärts, besichtigten den Drei-Schluchtenstaudamm, fuhren mit Booten auf einem Seitenarm des Jangtse und bestaunten die Landschaft. Vorzügliches Essen, kühles Bier und das Kulturprogramm der Crew erfreuten uns.

Schliesslich erreichten wir die grösste Stadt Chinas:Chongqing mit 32 Mio Einwohnern!

Wir fuhren durch die Stadt an mehrstöckigen Strassenkreuzungen und unzähligen Hochhäusern vorbei, bis wir den Zoo erreichten und ein weiteren Höhepunkt bestaunten: einen fressenden Panda! Sie ernähren sich von Bambus, erhalten eine Zufütterung, was den Cholesterinspiegel erhöht. Gut oder nicht gut?

Hier herrscht subtropisches Klima, wenig Sonne.

„Sonne ist für die Hunde“, meinte Bin, weil wenig Sonne scheint und es wenig Hunde gibt.

Apropos Hunde und der ständigen Frage, ja, man isst Hunde, aber nur im Süden von China.

(4)

Fahrt geht weiter zum Flughafen und Flug nach Guilin. Auf den Flughäfen und Bahnhöfen erfolgt Kontrolle des Gepäckes, auch Handgepäck.

Nun begann unsere feuchte Zeit, der Regen kam und blieb.

Die Unterkunft in Karstgebirge hatte Flair, sechs Stockwerke und die zu Fuss- 118 Stufen!

Sehr schade, dass wir die Kegelberge nur im Nebel und Regen sahen.

Unser Kunfuzius sagte: Wenn es regnet, wirst du nass. Wie Recht er wieder hatte.

Die Flossfahrt am nächsten Morgen fand bei Regen statt. Wie Zuckerhüte ragten die Berge oder Kegel in die Höhe. Es sah irgendwie mystisch und sehr schön aus.

Der Regen blieb uns auch auf dem Weg zu den Reisterrassen treu. Mit dem Bus fuhren wir an den Ausgangspunkt für den Aufstieg zu den Terrassen. Der Busfahrer fuhr nach dem Motto: Nur Fliegen ist schöner! Selbst die Hartgesottenen unter uns schnallten sich nach Blick in die Schluchten an. Angekommen hieß es nur: Schirm auf oder Cape an!

Oben angekommen, herrschte dichter Nebel und es blieb nur ein „gemütliches“ Beisammensein nach einem vorzüglichen Abendessen in der Herberge.

(6)

Zurück nach Guilin und Flug nach Hangzhou, einer grünen Stadt mit vielen Parks und Gärten. Sie gehört zu den sechs Kaiserstädten Chinas. Hangzhou zählt zu den Städten mit hoher Lebensqualität, auch deshalb, weil es hier nicht soviele Hochhäuser gibt. Es gibt viele Plätze, wo man sich trifft, redet oder tanzt. Wir besuchten den Westsee, ein beliebtes Ausflugsziel und im Anschluss eine Teeplantage. Zwei Stunden Freizeit nutzten wir zum Bummeln und Einkaufen, um dann

zur Besichtigung des Wasserdorfes weiterzufahren. Der Regen war nach kurzer Pause zurück. Angekommen, waren wir unter uns. Ausser Hunderten Chinesen war keiner an diesem idyllischen Ort. Ich fühlte mich etwas an Venedig erinnert. Am Abend erschienen die Häuser bizarr im Licht, die alle angeleuchtet wurden. Eine schöne Stimmung kam auf.

Am Morgen frühstückten wir direkt am Fluss, sehr idyllisch.

(7)

Shanghai…

Auf dem Weg dahin machten wir Station in einer Seidenweberei und in einem Restaurant zum Mittagessen. Während des Essens fiel das Licht aus und es wurde dunkel, was zu Lachanfällen führte.

Wir erreichten Shanghai und ich war fasziniert von dem Ausmass der Stadt. Ewig lange fuhren wir an Hochhäusern vorbei, befuhren riesige Strassenkreuzungen, durchquerten mehrere Tunnel und sahen immer Mal wieder den Shanghai-Tower und andere Hochhäuser.

Unser Zimmer für die letzten drei Tage lang im 19. Stockwerk und wir hatten sehr schönen Blick über die Stadt. Am Abend gab es eine Lichterfahrt durch die Stadt, ein unglaubliches Erlebnis. Wir erkundeten die Stadt am nächsten Tag mit der Metro, besuchten Märkte, eine Pagode und liessen uns treiben. Auch den letzten Tag verbrachten wir so, diesmal allerdings ohne „Aufsicht“ von Bin.

Danke an Peter und Petra- war ein klasse Tag mit euch!

Zurück nach Deutschland in zwölf Stunden und die Reise ist Vergangenheit. Was bleibt, sind viele Eindrücke von China, sehr schöne Momente mit der Gruppe und die hervorragende Betreuung durch Bin.

11j18w

China

Reisvorbereitung

Unterwegs- ich mag dieses Gefühl. Es suggeriert Erlebnisse, Begegnungen, Gespräche. Vieles wird nie eintreten und ist nur in der Fantasie präsent. Aber- es könnte ja passieren. Als Kind stand ich stundenlang an den Eisenbahngleisen, magisch gefesselt von den glänzenden Schienensträngen und der Vorstellung, wohin sie führten. Kam ein Schnellzug vorbei, winkte ich und es winkte meist jemand zurück. Ich stellte mir vor, dass der Zug anhielt, jemand ausstieg und mich mitnahm. Und ein weiteres Traumfeld tat sich auf. Wohin würde ich kommen? Was würde ich erleben? Ich wollte immer weit weg.

Dieses Fernweh habe ich immer noch, aber der Unterschied zu früher ist, dass ich gerne zurückkomme an meinen Heimatort. Reisen fasziniert ungemein und es macht mich demütig und auch dankbar für das Leben, das ich führen kann. Natürlich habe ich etwas dafür getan, aber habe auch Glück, z.B., in Europa geboren worden zu sein.

Eine Form des Reisens ist die Gruppenreise, nicht meine Lieblingsform, aber um so ein großes Land wie China kennenzulernen, bleibt erst einmal diese Form. In zwei Tagen geht es los, Koffer ist vorsortiert, Reiseführer grob gelesen.

Das wird unsere Reiseroute sein:Ich bin gespannt und voller Erwartungen, von mir aus kann es sofort losgehen.

Stockschnepfen

Gestern kam eine Freundin zu mir, um unser im Sommer geplantes Vorhaben abzusprechen. Wir wollen im Herbst morgens regelmäßig laufen. Mit Stöcken!

„Morgen, 7:30 Uhr?“, lautete ihre Frage.

Das ist ja mitten in der Nacht, dachte ich und sagte schnell zu, damit ich nicht erst darüber nachdenken musste. Wir trafen uns auf der Promenade und marschierten durch den Küstenwald Richtung Dietrichshagen. Der Himmel wurde heller, die Sonne liess ahnen, dass sie heute noch einen größeren Auftritt haben würde. Kein Wind! Unterwegs erinnerte ich mich, dass ich mich vor Jahren, als die Nordic-Bewegung aufkam, darüber lustig gemacht hatte. Für mich kam das nicht in Frage! Ich erinnerte mich ausserdem, dass ich darüber eine Geschichte geschrieben hatte.

Wollt ihr sie lesen?

“S t o c k s c h n e p f e n”

Das ganze Jahr über trifft man wiederholt auf Stockschnepfen. Die Stockschnepfe gehört zur Gattung der bunten Vögel und hält sich vorwiegend in der freien Natur auf. Die älteren Exemplare der Stockschnepfe sind das ganze Jahr als Paar oder aber in großen Gruppen unterwegs. Wenn sie in ihren Nestern hocken und beim Stöbern in Zeitschriften auf ein Wellneppurlaubsangebot stoßen, greifen sie gerne zu.. Anders die jüngeren Schnepfen, die das ganze Jahr und in ihrer unmittelbaren Umgebung aktiv sind. Sie wirken dem Schwerkraftproblem ihrer Körper entgegen. Mit mäßigem Erfolg. Die weiblichen Stockschnepfen treffen sich meist dann, wenn ihre Brut noch oder schon wieder schläft.

Sie schnattern kurz und laufen los. Die Gesichter sind verbissen, die Körper verhüllt. Voller Kraft holen sie mit den Stöcken aus, um Schritt für Schritt die vorgegebene Strecke zu absolvieren. Das Tempo ist am Anfang hoch. Eine aus der Gruppe ist immer die Oberschnepfe, die alles besser weiß und permanent trällert: „Ihr müsst die Füße richtig abrollen und die Stöcker enger am Körper halten!“. Die Gesichter werden verbissener, die Blicke sind nur noch auf den steinigen Weg gerichtet. Überholende Fußgänger gibt es nicht, lediglich Radfalken kommen an der Gruppe vorbei, nicht ohne mehrmals geklingelt zu haben. Der vorbeiziehende Geruch ist beißend und streng.

Manchmal hört man Gesprächsfetzen aus der Gruppe:

„Du…hhhh…hast du…hhhhh…schon …hhhhh…gesehen…beim…hhhh…Lidl…hhh ham se…hhhh…diese Stirnbänder…hhhhhh…“

„Ja…hhhhhh…hab ich…hhhhhhh…hab se für die…hhh…Swantje gekauft…hhhh!“

„Oje…hhh…das war…hhhh…ein Fehler…hhhhh. Die Cordula…hhhh…du weißt doch…hhhhh…die geschiedene Frau…hhhhhhhh…von Berni…hhhh…die hat die für ihre Nichte Isabella…hhhh…gekauft. Und…hh hh…stell dir vor…hhhh…sie waren schon beim Hautarzt!!…hhhhh…Zwei Prozent Polyester…hhhhh…drin!!!!“

„hhhh…ist das anstrengend…hhhhh…heute…Allergie…hhhh…die hat ’ne Allergie gekriegt…hhh…ich wußte es…hhhhh…immer dasselbe…hhhh…“

Der Weg wird bergiger und führt an Kleingärten vorbei.

Die Gruppe trifft auf Gartentrutschen, die im Frühjahr und Herbst sehr aktiv sind und mit dem Kopf in der Erde wühlen. Ab und zu richten sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, stemmen einen Flügel in den Rücken und stöhnen. Diesen Moment nutzt die Oberstockschnepfe und zwitschert einen Gruß hinüber in die Kleingartenanlage. Die Trutschen tun so, als hätten sie den Gruß nicht gehört. Als die Gruppe außer Hörweite ist, pfeift die eine der anderen Trutsche über den Zaun hinweg zu:. „Die werden auch immer fetter!“. Klick- klick -klick stoßen die Stöcker auf den Boden. Die Schnepfen sind schon etwas müde. Einige murren, weil die Wegführung ohne eine vorherige Diskussion in der Schnepfengruppe geändert wurde. Der Weg windet sich in einer Kurve, tief unten leuchtet das Meer.

In der Ferne werden drei Gestalten sichtbar, die sich beim näheren Hinschauen als Joggingspechte entpuppen. Sturen Schrittes, die Köpfe hochrot und nach unten gerichtet, marschieren die Stockschnepfen. Sie nehmen die ganze Breite des Weges ein und auch als die Spechte nur noch zehn Meter entfernt sind, machen sie keinen Platz. Nur mit einem Sprung ins Gebüsch kann sich einer der Spechte vor einem ausholenden Stock retten. „Blöde Schnepfe!“, tönt es aus dem Gebüsch. Unbeirrt marschieren die Stockschnepfen weiter. Das Ziel ist in Sicht!

Angekommen und nach einem kurzen Snack bei einem Beifuß-Kümmel-Artischocken-Tee beschließen sie, den Angriff der Joggingspechte auf ihre Schnepfenpersönlichkeit erst in der nächsten Schnepfenzusammenkunft zu diskutieren. Sie sind zu flügellahm, als dass sie das jetzt noch schaffen würden.

Immer noch aktuell, diese kleine Geschichte! Wobei nunmehr die Generationen + und ++ in der Überzahl sind. Als wir am Startpunkt zurück waren, sehe ich auf dem Display: 7,9 km/423 kcal verbraucht!

Gut gemacht😉